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Aus der Geschichte des Rundfunks (1900 - 1929)

Abreisskalender
Für den Zeitraum von 1900 bis 1929 wurden 54 von insgesamt 702 Ereignissen aus der Geschichte von fernsehen und Radio und zu verwandten Themen ausgewählt. Die letzte Änderung erfolgte am 02.11.2020.


Quellen sind Materialien des Deutschen Rundfunk-Museums Berlin (u. a. die 1985 erschienene Broschüre „Fernsehen - Von der Vision zum Programm“), Infos der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), die Chroniken der ARD-Anstalten und des ZDF, Wikipedia&Co sowie Unterlagen aus eigenem Archiv. Aktualitäten werden unregelmäßig eingearbeitet. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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8.1900Im Katalog der Pariser Weltausstellung findet sich die erste Erwähnung des Begriffes „Television“ durch den Russen Konstantin Perskyi.
23.12.1900Der Kanadier Reginald Aubrey Fessenden (1866-1932) führt die erste drahtlose Sprachübertragung durch.
12.12.1901Marconi funkt interkontinental von Cornwall (England) nach Neufundland (USA).
12.6.1902Otto von Bronk (1872-1951) meldet unter dem Titel „Verfahren und Vorrichtung zum Fernsichtbarmachen von Bildern bzw. Gegenständen unter vorübergehender Auflösung der Bilder in parallele Punktreihen“ für die Telefunken AG ein Patent an. Es beschreibt das Farbfernsehen mit den drei Grundfarben, war jedoch mechanisch sehr aufwändig und wurde daher nicht verwertet. Dennoch wurde es Ausgangspunkt für das spätere NTSC-Farbfernsehen in den USA.
1904Arthur Rudolf Wehnelt (1871-1944) entwickelt eine zylinderförmige Glühkathode mit Oxydbeschichtung zum Bündeln von Elektronenstrahlen. Der „Wehnelt-Zylinder“ verbessert die Leistung der Braun'schen Röhre.
1906Weitere Patente verbessern die spätere Bildröhre: Die (Glühkathoden-)Verstärkerröhre des Österreichers Robert von Lieben (1878-1913) und das „Verfahren zur Übertragung von Schriftzeichen und Strichzeichnungen unter Benutzung der Kathodenstrahlröhre“ von Max Dieckmann (1882-1960) und Gustav Glage.
17.10.1906Arthur Korn (1870-1945) experimentiert mit einem Telegraphensystem, mit dem er ein Porträt per Kabel über 1.800 Kilometer versendet. Er nutzt Selenzellen als Abtaster. Das Verfahren ist Grundlage für den späteren Bildfunk, mit dem seit 1926 u.a. Pressefotos von Agenturen an Redaktionen übertragen werden.
21.12.1906Von Kanada aus strahlt Reginald Aubrey Fessenden eine Rundfunksendung aus, bei der er selbst Violine spielte. Die Sendung wurde auf Schiffen in der Karibik aufgefangen.
1907Max Dieckmann gelingt die Übertragung von Schrift und Zeichen mittels Kathodenstrahlröhre auf ein 3 mal 3 Zentimeter großes Schattenbild. Er arbeitet mit 20 Zeilen und 10 Bildwechseln pro Sekunde.
1907Der Russe Boris Lwowitsch Rosing (1869-1933) erhält ein Patent für die elektrische Übertragung von Bildern mit einem „elektrischen Teleskop “. Die Abtastung erfolgt per Spiegelwalze.
Mehr: Wikipedia-Eintrag B.L. Rosing.
1907Slaby und von Arco führen dem deutschen Kaiser die drahtlose Übertragung von Musik vor.
1908Mit Hilfe eines per Bildtelegraphie von Arthur Korn von Paris nach London übertragenen Fahndungsfotos kann ein Juwelendieb in England dingfest gemacht werden.
1910Die Brüsseler Weltausstellung gilt als erste „Fernsehmesse“. Ernst Ruhmer (1878-1913) überträgt einfache Figuren.
9.5.1911Boris L. Rosing empfängt in seinem Labor mittels eines selbstkonstruierten Kineskops einfache geometrische Figuren. Das bedeutete die weltweit erste Fernseh-Übertragung - und den Anfangspunkt eines neuen Medienzeitalters.
Mehr: Wikipedia-Eintrag B.L. Rosing.
1913Arthur Korn überträgt ein Bild des Papstes Pius XI. über den Atlantik. Ab 1928 wird das System bei der deutschen Polizei eingeführt.
1913Alexander Meißner (1883-1958) setzt das Rückkopplungsprinzip so ein, dass eine Schaltung aus Elektronenröhren zum selbständigen Schwingen auf einer bestimmten Frequenz gebracht werden kann. Die dabei entstehenden ungedämpften elektromagnetischen Schwingungen sind bis heute Grundlage für die Funk-Nachrichtenübermittlung, die damit mehr als nur Morsesignale senden kann.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Alexander Meißner.
1914Der Italiener Guglielmo Marconi erhält ein Patent für einen Röhrensender.
1915Die Deutsche Reichspost nimmt einen Röhrensender in Betrieb. Standort ist auf dem „Funkerberg“ in Königswusterhausen südöstlich von Berlin.
Mehr: Homepage des Museums Funkerberg.
1916Die Society of Motion Pictures Engineers (SMPE,seit 1950: SMPTE) legt eine Materialbreite von 35 Millimetern mit einem Bildfeld im Seitenverhältnis 1,33:1 (24,9 mal 18,7 Millimeter) als Standard für das Kino fest, der nach Europa übernommen wird. Die Proportionen des „Normalformats“ für Stummfilme werden später aufs Fernsehen übertragen. Noch heute werden in diesem Format („Super35 Millimeter“) Kino- und TV-Filme gedreht.
Mehr: Homepage SMPTE.
1917Hans Bredow (1879-1959) und Alexander Meißner (1883-1958) überbrücken im Auftrag des Militärs mit einem Röhrensender eine Distanz von 60 Kilometern.
7.7.1919Der Ungar Dénes von Mihály (1894-1952) überträgt ein Schattenbild bewegter Scheren und Zangen über eine fünf Kilometer lange Drahtleitung. Das Gerät nennt er „Telehor“. Es arbeitet mit mechanischer Abtastung und zeigt bei 10 Bildwechseln pro Sekunde ein nur 4 mal 4 cm kleines Bild, zusammengesetzt aus 30 Zeilen mit 900 Punkten.
16.11.1919Hans Bredow sagt den „Rundfunk für alle“ voraus. Er wird Leiter der neu geschaffenen Funkabteilung der Reichspost.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Hans Bredow.
2.11.1920Das Privatradio KDKA in Pittsburgh sendet das erste reguläre Radioprogramm der USA, das u.a. die Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahlen vom gleichen Tage verbreitete.
Mehr: dehnmedia-Meldung zum 100. Jubiläum.
22.12.1920Vom Funkerberg bei Berlin wird ein Radiokonzert Live übertragen: Auf die Ansage „Hallo, hallo! Hier ist Königs Wusterhausen auf Welle 2700“ folgte die Darbietung eines Postler-Chors, begleitet vom Vorsteher mit der Geige und dem Technikchef mit einer Klarinette. Hörerpost ging aus Luxemburg, Holland, England und den nordischen Staaten ein. In Deutschland war Rundfunkhören damals noch strafbewehrt verboten.
Die Reichspost hatte nach dem Ende des 1. Weltkrieges und des Kaiserreiches die Sendeanlage vom Militär übernommen.
Mehr: Website des Fördervereins Sender Königs Wusterhausen.
1922August Karolus (1893-1972) macht den „Kerr-Effekt“ (John Kerr, englischer Physiker, 1824 - 1907) und Kerrs Lichtventil anwendbar und regte damit die Weiterentwicklung des Fernsehens in Deutschland an.
1922In Los Angeles wird der später verschollene Stummfilm „The Power of Love“ als Raumprojektion gezeigt. Es handelt sich um die erste 3D-Aufführung in Anaglyphen-Technik.
17.9.1922In Berlin wird das erste Filmexperiment mit Ton "Der Brandstifter" aufgeführt. Das von Hans Vogt, Joseph Massolle und Jo Engl erfundene Lichttonverfahren (unter der Bezeichnung "TriErgon" patentiert) ist - neben dem hinzugekommenen Magnet- und dem Digitalton - noch heute für die analoge Kinoprojektion gebräuchlich.
1923Arthur Korn demonstriert in Wien die erste gelungene bildtelegraphische Übertragung einer kinematographischen Aufnahme.
1923Vladimir Kosma Zworykin (1889-1982) erfindet das „Ikonoskop“. Für diesen ersten elektronischen Bildabtaster gilt Zworykin als Vater des elektronischen Fernsehens.
29.10.1923Es wird „erstmalig Mitteilung gemacht, dass der Unterhaltungs-Rundfunk mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt“ - Radiosendungen werden aus dem Berliner Vox-Haus im Regelbetrieb verbreitet.
Hans Bredow, nunmehr für den Rundfunk zuständiger Staatssekretär, fordert im Zusammenhang mit der Einführung des Radios dazu auf, „neben dem Klang nun auch das Bild durch Rundfunk zu übertragen“.
Radiomachen kostet Geld und muss finanziert werden: Eine Hörfunkgebühr von 2 Reichsmark monatlich wird eingeführt.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgebühr,
1.1.1924Es gibt offiziell 467 Rundfunkhörer. Schwarzhörern werden Geldstrafen und bis zu 6 Monate Haft angedroht.
Um die Hörerzahl einzudämmen wird die Rundfunkgebühr auf jährlich 60 RM erhöht.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgebühr,
4.12.1924Messekatalog 1924 - Foto: gfu/Messe Berlin Die „Große Deutsche Funkausstellung“ zieht 242 Aussteller und 180.000 Besucher an. Im Haus der Funkindustrie am Kaiserdamm in Berlin-Charlottenburg werden hauptsächlich Röhren- und Detektor-Radios sowie Kopfhörer beworben.
31.12.1924Nach der zwischenzeitlichen Senkung der Rundfunkgebühr auf 2 RM und einer Amnestie für Schwarzhörer sind nun 548.749 Rundfunkteilnehmer offiziell gemeldet. Eine große Zahl Menschen hört weiter schwarz, wie dem Verkauf von Radiobauteilen und Bastelsätzen zu entnehmen ist.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgebühr,
31.12.1924Das Stuttgarter Radioprogramm Sürag strahlt seit dem 11. Mai ab 17 Uhr Sendungen über Mittelwelle aus. Am Jahresende gibt es 18.868 Hörer. Die Sürag erhält 60 Prozent der im Sendegebiet einkommenden Hörfunkgebühr.
1.11.1925Bernhard Ernst - Foto: WDR Die erste Livereportage eines Fußballspiels wäre fast nicht zustande gekommen, weil das Kabel zum Funkhaus gekappt wurde. Reporter Bernhard Ernst (Foto, klickbar: Ernst kommentiert ein Länderspiel. Quelle: WDR) griff zum Telefon, um das Spiel des SC Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld (0:5) zu kommentieren. Gesendet wurde auf der Mittelwelle Münster 410. Damals gab es in ganz Deutschland kaum 10.000 Besitzer von Radios. Aber bereits 1925 sollen 400.000 Hörer die Live-Reportage vom Spiel um die deutsche Meisterschaft verfolgt haben.
Ernst kommentierte 1954 das WM-Finale Deutschland vs. Ungarn für das Fernsehen. Der TV-Ton ist jedoch nicht erhalten, so dass die Archivbilder später mit der Radioreportage von Herbert Zimmermann („Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“) gekoppelt wurden.
Mehr: Hintergrund: Presseinfo des WDR vom 30.10.2015.
1926Die deutsche Kriminalpolizei überträgt auf Basis des Lorenz-Korn-Systems Fingerabdrücke von Kriminellen drahtlos.
1926Das Telegraphentechnische Reichsamt führt erste Fernsehversuche in Deutschland durch.
1926Die Deutsche Welle wird als staatlicher Sender gegründet, ebenso die Reichs-Rundfunkgesellschaft RRG als öffentlich-rechtliche Dachorganisation der regionalen Radiosender.
1926Reichsbahn und Reichspost führen einen öffentlichen Zugtelefondienst zwischen Hamburg und Berlin ein - die Geburtsstunde des Mobilfunks. Per Funk wird aber nur über wenige Meter vom Zug zu einem neben dem Gleis laufenden Kabel übertragen.
3.9.1926Der 150 Meter hohe Berliner Funkturm auf dem heutigen Messegelände wird offiziell seiner Bestimmung übergeben. Ein Mittelwellensender ist bereits seit September 1925 aktiv.
12.1926Erstmals übertragen Radioprogramme live von der 3. Funkausstellung.
1927Herbert Eugene Ives (1882-1953) führt die erste öffentliche Fernsehübertragung in den USA durch. Er überträgt 30zeilige Bilder per Telefonleitung auch über 640 Kilometer von Glasgow nach London.
1927Der Schotte John Logie Baird (1888-1946) erfindet die „Phonovision“ - das erste Videoverfahren zeichnet 30zeilige TV-Bilder auf Schellackplatten bei 78 Umdrehungen pro Minute auf.
1927Die US-Firma Storage Battery Co. bietet das erste industriell hergestellte Autoradio „Philco Transitone“ an.
6.10.1927In den USA hat „The Jazz Singer“ Premiere - in dem weltersten Kinofilm mit Ton spricht Al Jolson den Satz „You ain't heard nothin’ yet!“.
1928In den USA läuft das erste TV-Programm nach Zeitplan mit Nachrichten und dem ersten Fernsehspiel. Die Vorstellung eines Präsidentschaftskandidaten ist Anlaß für Experimente mit Live-Sendungen.
8.2.1928J.L. Baird sendet interkontinental. Er verbindet London nach New York per Funk.
28.3.1928Der Physiker und Röntgenpionier Julius Edgar Lilienfeld (1882-1963) meldet ein Patent für ein Bauelement an, das heute als Feldeffekttransistor bezeichnet wird. Jedoch war die industrielle Fertigung noch nicht möglich. Lilienfeld, der 1927 in die USA auswanderte, hatte seine vorherigen Patente (u.a. für den Elektrolytkondensator) immer zugleich dort angemeldet, so dass er dort eine Existenzgrundlage hatte.
31.8.1928Die Besucher der 5. „Großen Deutschen Funkausstellung“ können in Berlin erstmals fernsehen. Der Empfänger von Telefunken, eine Entwicklung von Karolus, hat ein etwa acht mal zehn Zentimeter kleines Bild mit 96 Zeilen, dass einer Auflösung von rund 10.000 Pixeln entspricht. Die Reichspost zeigt Dias und kurze Filmausschnitte auf einem „Telehor“-Empfänger von Mihálys und startet damit das „neue und künftige Telekommunikations-System“ Fernsehen.
12.1928Von Mihály stellt einen „Telehor-Volksempfänger“ vor. Ein Preis von 100 Reichsmark ist angedacht, jedoch ist die Bildqualität auf dem 4 mal 4 Zentimeter kleinen Schirm nicht gut und Ton gibt es nicht.
1929Die Reichspost erhebt 30 Zeilen mit 1.200 Bildpunkten bei 12,5 Bildwechseln pro Sekunde zur ersten deutschen Fernsehnorm.
1929Das UFA-Filmstudio in Babelsberg errichtet ein erstes Produktionsgebäude für Tonfilme - das „Tonkreuz“ mit vier Ateliers.
8.3.1929Die Reichspost führt die erste drahtlose Fernseh-Rundfunksendung im Berliner Vox-Haus auf Welle 468 Meter durch. Regelmässige Probebetriebe beginnen.
30.9.1929„Das Land ohne Frauen“ gilt als „der erste abendfüllende deutsche Tonfilm“. Dem gingen im gleichen Jahr „Ein Tag Film“ (Premiere: 16.1.) mit einer Gesangseinlage des Tenors Richard Tauber und „Melodie der Welt“ (40 Minuten) voraus.






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