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Aus der Geschichte des Rundfunks (1970 - 1979)

Abreisskalender
FŘr den Zeitraum von 1970 bis 1979 wurden 51 von insgesamt 730 Ereignissen aus der Geschichte von fernsehen und Radio und zu verwandten Themen ausgewńhlt. Die letzte ─nderung erfolgte am 07.05.2022.


Quellen sind Materialien des Deutschen Rundfunk-Museums Berlin (u. a. die 1985 erschienene BroschŘre „Fernsehen - Von der Vision zum Programm“), Infos der Gesellschaft fŘr Unterhaltungselektronik (gfu), die Chroniken der ARD-Anstalten und des ZDF, Wikipedia&Co sowie Unterlagen aus eigenem Archiv. Aktualitńten werden unregelmń▀ig eingearbeitet. Die ▄bersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollstńndigkeit.

1420 - 1922 | 1923 - 1945 | 1946 - 1959 | 1960 - 1969 | 1970 - 1979 | 1980 - 1989

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1970Fernseher gibt es inzwischen mit richtig „gro├čen“ Bildr├Âhren: Die Industrie ist stolz auf 66 Zentimeter Bilddiagonale.
1970BBC und ITV experimentieren in England damit, digitale Informationen in der Austastl├╝cke des TV-Signals unterzubringen.
1970Ampex stellt den ersten tragbaren Videorecorder BC-3000 vor. Das Ger├Ąt wog 23 Kilogramm.
1.1.1970Die erste Erh├Âhung der Rundfunkgeb├╝hren seit Einf├╝hrung 1924 tritt in Kraft. Jetzt sind statt bisher 2 Reichsmark bzw. DM 2,50 DM f├╝r Radio, f├╝r Radio und TV 6,00 DM zu entrichten.
29.3.1970Die Hauptnachrichtensendung „Tagesschau“ der ARD wird erstmals in Farbe ausgestrahlt.
28.4.1970Philips zeigt sein VCR-System f├╝r Heim-Videorecorder mit zwei ├╝bereinander in der Kassette liegenden Spulen f├╝r 1/2-Zoll Tapes mit 60 Minuten Spieldauer.
24.6.1970Das farbf├Ąhige analoge Bildplattensystem TED von Telefunken, Decca und Teldec hat Premiere und kommt 1975 in den Handel.
29.11.1970 „Tatort“ hei├čt eine neue Krimi-Reihe der ARD f├╝r den Termin am Sonntag nach der „Tagesschau“, zu der alle ARD-Anstalten rundum Filme mit Lokalkolorit liefern. Die Titelmusik der Reihe stammt von Klaus Doldinger, bei der Einspielung sa├č Udo Lindenberg am Schlagzeug. F├╝r das Design des Vorspanns wurde die Grafikdesignerin Kristina B├Âttrich-Merdjanowa mit einmalig 2500 DM abgespeist.
„Taxi nach Leipzig“ hei├čt der erste Film, eine Produktion der NDR. Darin geht es um ein Amtshilfeersuchen aus der DDR nach einem Leichenfund an der Transitautobahn zwischen Westberlin und der BRD. Illegal kl├Ąrt Kommissar Trimmel West einen Kindertausch auf: Ein krankes Kind wurde aus dem Westen in die DDR geschafft und gegen ein gesundes ausgetauscht.
Bekanntester Kommissar ist Schimanski, gespielt von G├Âtz George.
J├Ąhrlich entstehen rund 35 neue Folgen. Nr. 1.000 wurde 2016 gesendet.
Mehr: Tatort auf wikipedia.
4.12.1970Die Schweizer Physiker Martin Schadt (*1938) und Wolfgang Helfrich (*1932) von Hoffmann la Roche reichen ihr Patent f├╝r Bildschirme ein, die eine sogenannte „Fl├╝ssigkristalltechnik“ statt der R├Âhre aufweisen. Aber damals interessierten sich nur Spezialisten f├╝r LC-Displays (LC - Liquid Cristal; deutsch: Fl├╝ssigkristall).
1971Sony bringt das Videosystem U-matic mit 3/4 Zoll breitem Magnetband in einer Kassette auf den Markt. Es wird zum Standard f├╝r Sendeanstalten werden. Es wird erst nach 20 Jahren durch das 1/2 Zoll-Kassettenformat BetacamSP abgel├Âst.
7.3.1971Die Maus vom WDR Eine neue Kindersendung des WDR wird zum TV-Kult: Lach- und Sachgeschichten (ab 23.1.1972: „Die Sendung mit der Maus“). Erfunden hat das stumme Tier, das den Zuschauern die Welt erkl├Ąrt, die Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel.
Die Mischung aus informativen Beitr├Ągen, Spiel- und Animationselementen wurde bald zum Fernseh-Hit.
12.5.1971Wibke Bruhns 1971 - Foto: ZDF (Screenshot Mediathek) Die Journalistin Wibke Bruhns (*1938) war als Moderatorin der „heute“-Nachrichten des ZDF die erste Ankerfrau im deutschen Fernsehen (West) und wurde daf├╝r von den Herren der Bild-Zeitung angefeindet.
11.1971Der US-Programmierer Ray Tomlinson versendet die erste E-Mail. Zwei Jahre sp├Ąter entwickelt er die noch heute benutzten Prinzipen, wonach z.B. Benutzername und dessen Domain mit dem Sonderzeichen „@“ gekoppelt werden. In Deutschland wird der erste E-Brief erst 1983 verschickt.
15.11.1971F├╝nf Bausteine mit 2.300 Transistorfunktionen werden bei Intel zur ersten Central Processing Unit zusammengelegt. Damit ist die Grundlage f├╝r die moderne Elektronik - die inzwischen den Kern von Computern, Telefonen, Autos, Ger├Ąten der Unterhaltungselektronik und Haushaltsger├Ąten bildet - gelegt. Der Chip kam unter der Bezeichnung 4004 ab 1972 auf den Markt.
1972In Deutschland wird der Stereoskopie-Film „Liebe in drei Dimensionen“ mit Sex-Sternchen Ingrid Steeger aufgef├╝hrt.
1972Mit VLP stellt Philips ein weiteres Bildplattensystem f├╝r Farbfilme vor. Eine 30cm-Platte bringt etwa 30 Minuten Abspielzeit. Abgetastet wird sie mit einem Helium-Neon-Laser.
1972Der WDR produziert die Kinderserie „Robbi, Tobbi und das Fliewat├╝├╝t“ komplett elektronisch, statt wie bis dahin ├╝blich auf Film. Neben der Aufzeichnung auf MAZen kommt auch das Bluescreen-Verfahren zum Einsatz.
14.1.1972Vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele in M├╝nchen wird unter dem Namen „B-Netz“ ein zweites Netz f├╝r den analogen Mobilfunk frei gegeben. Es wird 1994 durch das „C-Netz“ ersetzt.
11.9.1972 In den USA wird die erste Videospiel-Konsole „Magnavox Odyssey“ gezeigt. Im Gegensatz zu sp├Ąteren Konsolen hatte die Odyssey keine Mikroprozessoren - die Rechenarbeit leisteten Transistoren, Dioden etc. Die infolgedessen geringe Leistung zeigte sich u.a. in einer schlechten Bildaufl├Âsung in schwarz-wei├č. Ton gab es nicht. Bis 1975, als die Nachfolgeger├Ąte auf den Markt gebracht wurden, sollen weltweit 350.000 St├╝ck verkauft worden sein. Sch├Âpfer des Ger├Ątes war der Deutschamerikaner Ralph Baer, der sp├Ąter auch das Musikspielzeug „Senso“. Magnavox wurde 1973 von Philips ├╝bernommen, das unter seinem Namen ab 1976 Nachfolgemodelle produzierte.
In Deutschland hatte das Ger├Ąt auf der Funkausstellung 1973 bei ITT Schaub-Lorenz Premiere. Es wurde f├╝r rund 400 DM verkauft. Geworben wurde u.a. mit dem Slogan „Das vierte Programm“.
10.1972Testausstrahlungen des Videotextes beginnen in England. Die BBC nennt ihren Dienst „Ceefax“ , bei der ITV heisst der Service „Oracle“.
1973Japan marschiert mit ersten LC-Displays in Richtung Technologie-Spitze.
15.1.1973Die ARD sendet den Kinofilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (Regie: Rosa von Praunheim). Der BR klinkt sich als einzige ARD-Anstalt aus dem Gemeinschaftsprogramm aus und sorgt f├╝r einen Eklat.
8.1973Telefunken und Teldec pr├Ąsentieren die TED-Bildplatte (Durchmesser: 21cm) und den Player TP1005 auf der Funkausstellung. Auch Audio-Vorf├╝hrungen mit Kunstkopf-Stereophonie und Quadrophonie werden bestaunt.
1974Nach zweij├Ąhrigen Vorbereitungen nimmt die Deutsche Bundespost erste Breitbandkabel-Versuchsnetze mit 12 Programmen in Teilen von Hamburg und N├╝rnberg in Betrieb, die zuvor aufgrund von Abschattungen per Antenne nur eingeschr├Ąnkt mit Fernsehprogrammen versorgt werden konnten.
1974Auf Grundlage von 1970 bei den britischen Sendern BBC und ITV begonnenen Forschungen und 1972 angelaufenen Tests wird ein „U.K. Teletext Standard“ fixiert. Der auch als „World System Teletext (WST)“ bezeichnete Standard beschreibt den Videotext, wie wir ihn heute kennen. F├╝r acht Magazine mit je 100 Seiten gibt es einen Zeichensatz mit 96 Buchstaben und Zahlen sowie 128 grafischen Elementen; jede Seite hat 23 Zeilen zu 40 Zeichen, die in sechs Farben dargestellt werden k├Ânnen.
1974Die Forschungsabteilung der BBC arbeitet an Verfahren f├╝r die digitale Bildaufzeichnung. Im Labor werden daf├╝r 1 Zoll-MAZen eingesetzt.
1.6.1974Die Verkehrsfunk-Senderkennung (ARI) wird eingef├╝hrt. Durch ein im UKW-Bereich ├╝bertragenes Steuersignal („Hinz-Triller“) werden Verkehrsfunkdurchsagen automatisch auf den Lautsprecher eines Autoradios durchgeschaltet. Die Entwicklungsarbeiten hatten 1972 bei den Sendeanstalten und Blaupunkt begonnen. ARI wurde bis 2005 in Deutschland genutzt.
Mehr: Link: Hinz-Triller (5 Sekunden Audio, ogg-Datei)
23.9.1974Ceefax - das welterste Teletext-System - geht bei der BBC in den Regelbetrieb.
1975ARD und ZDF vergeben die Ermittlung von Einschaltqouten an das Institut f├╝r Demoskopie Allensbach und Infas. Der mit dem Fernseher gekoppelte „Teleskomat“ meldet das Sehverhalten aus 1.200 repr├Ąsentativen Haushalten - jetzt auch, welches Programm gesehen wird - nachts per Telefon an einen Zentralrechner.
1975Intel-Mitgr├╝nder Gordon Moore prognostiziert die j├Ąhrliche Verdopplung der Anzahl von Bits pro Speicherbaustein (Moorsches Gesetz).
20.2.1975Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) wird gegr├╝ndet.
5.4.1975Der Bayerische Rundfunk startet die erste TV-Sendung f├╝r H├Ârbehinderte Zuschauer „Sehen statt H├Âren“. Die Bilder werden durch damals aufw├Ąndige Untertitelung, die Moderationen durch Geb├Ąrdensprache unterst├╝tzt.
Mehr: BR-R├╝ckblick zum 40. Jubil├Ąum der Sendung.
8.1975Die ersten Videorecorder werden in Deutschland (West) verkauft.
Die Fernbedienung f├╝r den Fernseher verliert den Luxuscharakter und ist jetzt serienm├Ąssig.
12.1975Gegen Jahresende pr├Ąsentierte Kodak-Forscher Steven J. Sasson (*1950) eine Kombination aus einem Analog-Digital Wandler, einem CCD-Sensor, einer optischen Linse und einem Bandlaufwerk: Der erste Digital-Fotoapparat wog 3,6 Kilo, hatte die Gr├Â├če eines Toasters und bot Schwarzwei├č-Bilder mit 10.000 Pixeln Aufl├Âsung, deren Aufzeichnung und Wiedergabe auf einem Fernseher je 23 Sekunden dauerte.
Mehr: Hintergrund: Erste Digitalkamera von Kodak.
31.12.1975Der Durchbruch: 1975 wurden fast 93 Prozent des ARD-Programms in Farbe ausgestrahlt.
1.1.1976Die Geb├╝hreneinzugszentrale (GEZ), eine Gemeinschaftseinrichtung von ARD und ZDF, ├╝bernimmt die Beitreibung der Rundfunkgeb├╝hr von den knapp 20 Mio. Teilnehmerhaushalten.
1977Das analoge Mobilfunk-„A-Netz“ mit zuletzt 850 Teilnehmern wird aufgegeben.
1977Bei SEL besch├Ąftigten sich W. Zschunke und weitere Mitarbeiter mit der digitalen ├ťbertragung von Farbfernsehsignalen samt zwei Tonspuren in einem Multiplex.
4.6.1977Erste Sendung von Radio Verte Fessenheim (RVF). Was als Piratensender und Initiative der Atomkraftgegner im Rheintal begann wurde 1988 als Radio Dreyeckland legalisiert.
8.1977ARD und ZDF demonstrieren auf der IFA den Videotext. Die Bundespost stellt gleichzeitig ihren konkurrierenden „Bildschirmtext“ (BtX) vor, der mit 64 Kilobits pro Sekunde ├╝ber das Telefonnetz verbreitet wird. Die Verlage sehen in beidem eine Konkurrenz f├╝r ihre Zeitungen.
24.8.1977Drei konkurrierende Heimvideo-Systeme werden auf der Funkausstellung vorgestellt: Video2000 (Grundig/Philips), VHS (JVC) und Betamax (Sony). Mit dem SVR-Recorder mit vier Stunden Laufzeit entwickelte Grundig das VCR-Video weiter.
8.11.1977Wie schon 1973 schaltet Bayern das ARD-Programm wieder wegen des Themas Homosexualit├Ąt ab: Den Zuschauern im Freistaat wird der Film „Die Konsequenz“ von Wolfgang Petersen (wurde sp├Ąter durch „Das Boot“ ber├╝hmt und arbeitet heute in den USA) vorenthalten.
11.5.1978Die Regierungen der zust├Ąndigen Bundesl├Ąnder beschlie├čen die Durchf├╝hrung von Kabelpilotprojekten in Berlin, M├╝nchen, Ludwigshafen-Mannheim und in einer Stadt in NRW (Dortmund wurde nachtr├Ąglich auf die Liste genommen). Die Projekte beginnen 1985.
Das Bundespostministerium hatte bereits 1974 eine Kommission f├╝r den Ausbau des technischen Kommunikationssystems (KtK) eingerichtet, die die Kosten einer fl├Ąchendeckenden Verkabelung 1976 auf bis zu 22 Mrd. DM (etwa 11 Mrd. Euro) sch├Ątzte. Die KtK empfahl statt dessen Pilotprojekte als Akzeptanztests f├╝r die Breitbandverkabelung.
31.12.1978Inzwischen verf├╝gen 60 Prozent der TV-Haushalte in der BRD ├╝ber einen Farbfernseher.
1979Die Digitaltechnik beginnt sich im professionellen Bereich (d.h. der TV-Sender) Bahn zu brechen. Auf einer Fachmesse in Montreux stellen Ampex, Bosch und Sony unterschiedliche Verfahren zu Aufzeichnung vor.
1.1979Die staatliche Bundespost beginnt damit, aus Steuermitteln die Infrastruktur f├╝r den Kabelrundfunk zu schaffen. Bis dahin diente das Kabel nur dazu, in Gebieten mit schlechtem Antennenempfang das Fernsehen zu erm├Âglichen.
1.1.1979Die neue Frequenzplanung der Funkverwaltungskonferenz (World Administrative Radio Conference, WARC) tritt in Kraft. Hier wurden f├╝r 112 L├Ąnder die Orbit-Positionen und Sendefrequenzen abgestimmt. Jedem teilnehmenden Land wurden 5 TV-Kan├Ąle zugeteilt, geeignet f├╝r den Direktempfang in Zuschauer-Haushalten.
7.5.1979Philips pr├Ąsentiert der ├ľffentlichkeit den ersten CompactDisc-Player. Der Siegeszug der CD-Audio mit laseroptischer Abtastung beginnt.
7.1979Sony bringt den ersten mobilen Player TPS-L2 f├╝r Audio-„Compact Casssetten“ in Japan, im Februar 1980 auch in Deutschland, auf den Markt. Musik wird portabel und portable Musik mit der Produktmarke „Walkman“ Teil der Jugendkultur.
24.8.1979Auf der Funkausstallung werden weitere Home-Videosysteme vorgestellt. Video2000 von Grundig/Philips basiert auf einer „Wendekassette“ mit 1/2 Zoll breiten B├Ąndern, die Laufrichtung auf 1/4 Zoll Breite in Schr├Ągspur bespielt werden. LVR von BASF zeichnet auf 8mm breites Magnetband und im Gegensatz zu den Wettbewerbs-Verfahren in L├Ąngsspur auf. JVC zeigt sein bereits in Japan verkauftes VHS-System, dass sich schlu├čendlich international durchsetzt.
Philips zeigt den ersten CompactDisc-Player.
ARD und ZDF pr├Ąsentieren w├Ąhrend der Funkausstellung in Berlin den Videotext. Das Versuchsangebot umfa├čt 75 Seiten, die in acht Magazine gegliedert sind.
31.12.1979Stand der Dinge bei den Normen f├╝r das Farbfernsehen: PAL ist in 60, Secam in 20 und NTSC in 28 L├Ąndern akzeptiert.






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