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Nach 25 Jahren: Auch der Videotext wird digital (1/2)

Es begann lange, bevor man an den Durchmarsch des Homecomputers dachte: 1970 testeten die britischen Sender BBC und ITV die Möglichkeiten, Informationen in der „Austastlücke“ des TV-Signals unterzubringen.

Das System wurde 1974 als „U.K. Teletext Standard“ (auch: World System Teletext, WST) standardisiert. Der „Teletext“, „Fernsehtext“ oder „Videotext“ war geboren. Am 1. Juni 1980 brachten ARD und ZDF diesen Service, zunächst als „Feldversuch“ mit zehnjähriger Laufzeit, auf ihre Sender.

Eine gemeinsame Redaktion mit Sitz beim SFB in Berlin sorgte - in von der Politik erzwungener Kooperation mit einigen großen Zeitungsverlagen - dafür, dass man mit den zunächst noch wenigen geeigneten Geräten Informationen aus Politik, Wirtschaft und Sport und zum Fernsehprogramm empfangen konnten. Für Kinofans und hörgeschädigte Zuschauer kam bald ein weiterer Dienst dazu: Die Untertitelung von Originalfassungen, Live-Übertragungen und Nachrichtensendungen.

Unverzichtbar für die schnelle Information

Der erste „interaktive“ Mediendienst war geboren. Denn der Zuschauer ist jetzt nicht auf einen Sendezeitplan angewiesen, sondern kann zu einem beliebigen Zeitpunkt selbst entscheiden, ob und welche Nachrichten er lesen will.

Der Videotext ist zwar ein „Nebenbei-Medium“ des Fernsehens geworden. Dennoch hat er dem Radio den Rang abgelaufen und im Rahmen des Fernsehens die Aufgabe der schnellen Information übernommen. Man kann beispielsweise in einer Werbepause beim Spielfilm mal eben nachschauen, wie das Lieblingsteam gespielt hat oder was es in der Politik Neues gibt, welcher Prinz an welche Wand gepinkelt hat etc. - und zwar neben dem weiter laufenden TV-Bild bzw. in den ungeliebten Werbepausen.

ARD und ZDF haben Anfang 2000 ihre gemeinsame Redaktion aufgelöst, doch der Videotext hat sich seither zumindest technisch kaum verändert. Es ist ein textbasierter Dienst, bei dem Grafiken nur behelfsmässig dargestellt werden können: Der Zeichensatzvorrat besteht aus 96 Buchstaben und Zahlen und 128 grafischen Elementen. Jede Seite umfasst 23 Zeilen mit je 40 Zeichen. Die Gestaltung ist auf eine Auswahl an Grundfarben beschränkt.

Teil der WST-Standardisierung waren die acht „Magazine“ mit je 100 Seiten und ihre thematische Gliederung (z.B. Nachrichten ab Seite 111, Sport ab Seite 200, Programminfos ab Seite 300). Die meisten Programmveranstalter halten sich daran und das hilft, Informationen in jedem Programm schnell aufzufinden. Eine weitere wichtige Hilfe sind die vier Farbtasten auf der Fernbedienung für schnelle Navigation zur vorhergehenden (rot), nächsten (grün) Seite bzw. zu anderen Themenbereichen und Magazinen (gelb, blau). Auch da halten sich alle Programmveranstalter im Wesentlichen an allgemeine Spielregeln.

Inhaltlich hat sich allerdings einiges getan: Auch für die privaten Rundfunkveranstalter ist der Videotext zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihrer Präsentation geworden. Allerdings dürfen die Privaten auch mit dem Videotext durch Werbeanzeigen Geld verdienen. So ist auf manchen Programmen aus einem Informationsmedium ein „VideoteXXXt“ geworden, in dem im großen Umfang und mehr oder weniger verschleiert Pornografie angeboten wird.

ZDF Tafel 111
ZDF: Newsticker
RTL Tafel 100
RTL: Leitseite
SuperRTL-Werbung
S-RTL: Werbung
DSF: Pornowerbung
DSF: VideoteXXXt
Informationen aus der analogen „Austastlücke“

Wäre nicht das digitale Fernsehen, so würde der Videotext nach wie vor in der „Austastlücke“ verbreitet werden. Dieses Prinzip ist denkbar einfach: Das Fernsehbild wird zeilenweise geschrieben. Dafür wandert der Elektronenstrahl von links nach rechts. Ist eine Zeile fertig dargestellt, wird der Strahl zurückgeführt und beginnt etwas tiefer mit der folgenden Zeile. Findige Köpfe hatten in den 70er Jahren entdeckt, dass sich während dieser Rückführung - eben der Austastlücke (englisch: Vertical Blanking Interval, VBI) - noch Inhalte im Fernsehsignal unterbringen lassen. Das ist die technische Grundidee des Videotextes (und übrigens auch die des analogen VPS-Signals). Weil aber die Informationsmenge, die in der Austastlücke untergebracht werden kann, recht begrenzt ist, werden die diversen Videotextseiten nacheinander übertragen. Häufig genutzte Seiten (z.B. die aktuellen News der Seite 111) werden öfter gesendet, selten genutzte Seiten weniger oft.

Videotext - noch nach 35 Jahren ein erstaunliches Erfolgskonzept

Die technischen Limitierungen haben dazu beigetragen, dass der Videotext auch 35 Jahre nach dem Startschuß noch fast genauso aussieht wie 1980. Also: Irgendwie unzeitgemäß und analog. Das tut freilich der Beliebtheit des Mediums, die wohl auch durch die einfache Bedienung mittels der TV-Fernbedienung entsteht, ebenso wenig Abbruch wie die kurze Form. So zählten ARD und ZDF im Jahresschnitt 2014 täglich rund 11,68 Mio. Nutzer und erreichten mit den Text-Angeboten aller öffentlich-rechtlicher Kanäle einen Marktanteil von 62,3 Prozent an der Textnutzung.

Das ZDF will 2015 seine Angebote sogar noch erweitern: ZDFinfo bekam zum 1. Juni einen eigenständigen Videotext. Für 2015 wurde zudem ein „responsives Internetangebot auf HTML5-Basis“ angekündigt. Damit könne ZDFtext „auf allen gängigen Browsern, Tablets und Smartphones barrierefrei“ genutzt werden.

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