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Fernsehen + Internet = „Smart-TV“ (1/5)

Interaktivstandard HbbTV setzt Maßstäbe

HbbTV Nachdem sich die MultiMedia Home Platform (MHP) und andere Versuche in Richtung auf das interaktive Fernsehen nicht durchsetzen konnten, geht die „Verheiratung“ von Fernsehen und Internet ab 2009 mit Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) gänzlich neue Wege.

Die TV-Veranstalter setzen dabei auf das Zusammenwirken ihrer Programme und begleitender Inhalte (Mediatheken, Videotext, EPG, Nachrichtenportale usw.), die aus dem Web auf den Fernseher gebracht werden. Wurden die Geräte für solche „Red Button“-Dienste bis Ende 2010 noch etwas technisch „hybrid-Fernseher“ genannt, so „leiht“ sich die Industrie ab Anfang 2011 eine griffigere Vokabel von der Telekommunikation: „Smart-TV“.

So wird der TV-Transportweg von Zusatzdaten, die die Bildqualität einschränken würden, entlastet. Es wird möglich, solche Angebote grafisch völlig neu gestaltet und mit Fotos und Videos ergänzt auf den Fernseher zu bringen. Das geht aber auch mit nicht programmbezogenen Diensten - naturgemäß zuerst internetbasierte Bewegtbildanwendungen wie Video On Demand oder Videowebsites. Darüber hinaus bieten entsprechende Technologien auch neue Möglichkeiten für Werbung und Sponsoring, mit denen die privaten Programme ihr Geld verdienen.

Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft, sieht großes Potenzial in dieser Interaktivität des Fernsehens. „Hybrid-TV“ sei die „perfekte Plattform für die Heimvernetzung. Das alte Fernsehen ist tot, es wird neue Aufgaben übernehmen.“ Und das bis hin zum „Ein-Fernbedienungshaus“.

Die technische Brücke soll Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) schlagen und herstellerspezifische Lösungen ersetzen. Mit der Standardisierung durch die ETSI im Juni 2010 wurde der erste Schritt zur Einführung von Diensten und Geräten ab 2011 getan.

Dem kommt entgegen, dass die Internetanschlüsse schneller geworden, massenhaft verbreitet sind und mit Flatrates bepreist werden. Der große Marktdurchsatz von W-LANs und das Vordringen des Datentransports über die Stromleitungen („Powerline“) sind ebenfalls Pluspunkte fürs interaktive Fernsehen. Denn es müssen keine Kabel mehr zwischen dem Fernseher und dem Webrouter verlegt werden.

HbbTV statt „Gatekeeper-Denke“

Nach dem Fehlschlag mit der MHP gingen die TV-Hersteller ab 2007/2008 dazu über, Internetzugänge in ihre Fernsehgeräte zu integrieren. YouTube und Co. sollten nicht mehr nur am Computer nutzbar sein. Sony, Samsung, Panasonic, Philips und andere setzten dafür eigene Verfahren ein. Diese öffnen den Zugang zu einer vom Hersteller ausgewählten Zahl von Internet-Seiten. Die herstellereigenen Webportale und die dortigen Angebote sind damit (außer bei Philips) erheblich beschränkt. Sie konzentrieren sich wesentlich auf Videoinhalte und machen im Grunde dem Fernsehprogramm Konkurrenz.

Die Inhalteanbieter fordern aus gutem Grund eine Abkehr von dieser „Gatekeeper-Denke“. Denn sie müssen ihre Inhalte und die Zugriffe darauf für jeden TV-Hersteller extra anpassen, was teuer ist, - und dort ein Eintrittsgeld für den Platz auf den Bildschirm bezahlen. Die Alternative ist daher eine gemeinsame Technik für die Integration des Internets in den Fernseher. Damit das möglich wird, setzt der HbbTV-Standard an den drei Punkten Internet, Transportweg und Endgerät an.

Die Websprache HTML und das Fernsehen

Aus dem Internet trägt neben diversen vom Internetkonsortium W3C freigegebenen Tools wie CSS 2.0 vor allem CE-HTML zum neuen interaktiven Fernsehen bei. Es handelt sich dabei um eine speziell auf die Erfordernisse des Fernsehens zugeschnittene Variante der Web-Programmiersprache HTML. Für den Datentransport ist klar, dass ein Endgerät sowohl digitales Fernsehen als auch Internetdaten (über DSL und LAN bzw. W-LAN) empfangen und abarbeiten können muss. Die DVB-Spezifikation wird dafür um Funktionen erweitert, die die Verbindung zwischen dem eingestellten TV-Programm und den dazu gehörenden Web-Inhalten herstellen.

In den Interaktiv-Fernsehern ist der Webbrowser Opera 9.5 implementiert - allerdings, im Gegensatz zum Computer, unsichtbar. Die Bildauflösung der Webseiten ist auf 1280 mal 720 Pixel optimiert; Java ist ebenso zugelassen wie die Videodatenformate H.264 und WMV. Nicht erwünscht sind PopUps, PlugIns (pdf, Flash usw.) sowie Daten-Downloads. Auch Flash bleibt draußen: Fernsehgeräte bieten allenfalls ein Zehntel der Computerleistung - da sind rechenintensive Anwendungen nicht sinnvoll.

HbbTV: der rote Knopf bringt TV und Internet zusammen Alle Anwendungen sind so optimiert, dass die rote Taste der TV-Fernbedienung die aus dem Internet kommenden Anwendungen und Inhalte auf den Fernseher bringt bzw. zurück zum Fernsehbild schaltet. Navigiert wird hauptsächlich mit den anderen Farb-, den Cursor- und Zifferntasten.

Kein Ersatz für den Surf-Computer

Damit ist klar, dass HbbTV das Fernsehgerät keinesfalls zur Surfmaschine machen soll und wird. Dies schon, weil die meisten Internetauftritte für das Endgerät nicht optimiert sind. Und weil der Fernseher einfach bedienbar bleiben soll: Mit der üblichen Fernbedienung statt der Computertastatur. Das bedeutet auch den Verzicht auf Seiten, die höher oder breiter sind als der TV-Schirm - also: Scrollen ist bei HbbTV-Seiten out.

Hinsichtlich der Inhalte werden die „Apps“ für den Fernseher in erster Linie als Erweiterung der Programminhalte gesehen. In dem Sinne war 2009 und 2010 auf der IFA zu sehen, wie sich Mediatheken, grafisch gestaltete Videotexte usw. auf dem Fernseher machen. Die Privaten machten zu diesem frühen Zeitpunkt deutlich, dass sie ihre HbbTV-Aktivitäten durch Werbung finanzieren wollen. Deutlich wurde, dass die Programmveranstalter den Aufruf konkurrierender Angebote über ihre Programme nicht zulassen werden. Inwieweit Drittanbieter (etwa Videoplattformen wie YouTube, MyVideo usw.) oder spezielle Inhalte-Plattformen Zugang erhalten, bleibt Ende 2009 offen.

Proprietäre Technik-Plattformen verhindern

Der Zugang für Drittanbieter war einer der Streitpunkte während der ab Anfang 2010 laufenden Standardisierungsphase der fertigen Spezifikation. Auf entsprechende Diskussionen verwies die Deutsche TV-Plattform im Mai 2010. Wie es scheint wollen die öffentlich-rechtlichen Anstalten verhindern, dass Inhalte fremder Anbieter über ihre Sendungen gelegt werden, während die Privaten das möglicherweise als Werbe-Einnahmequelle ansehen. Diskutiert wurden auch die Skalierung des Signals und das Speichern von (noch nicht für HbbTV standardisierte) Streams.

Indessen fordern die Privaten, wie schon bei HDTV (und aus den D-Box-Zeiten erinnerlich) zertifizierte Hybridgeräte. Mit Rücksicht auf seine Sender-Mitglieder kommentierte Gerhard Schaas für die Deutsche TV-Plattform, die Interessen der Zuschauer müssten im Vordergrund stehen. „Es werden sich nicht alle Geschäftsmodelle halten lassen.“

Neue TV-Anbieter

In den Markt drängt seit dem Frühjahr 2010 auch Google. Mit Google TV wurde eine Plattform vorgestellt, die über den Fernseher ein Massen-Publikum erreichen soll. Damit will Google, unter Benutzung von persönlichen Daten jedes Zuschauers, einzelne Zuschauer zielgerichtet mit Werbung beschicken. „Das sollte einen Haufen Geld wert sein“, sagte Google-Chef Eric Schmidt bei der Präsentation. Allein in den USA liegen die jährlichen Werbeumsätze der TV-Sender bei etwa 70 Milliarden Dollar.

Spezifikation 2.0

HbbTV-Dienste version 2.0 Seit Februar 2015 liegt die Version 2.0 des HbbTV-Standards vor. Zu den neuen Funktionen (Grafik klicken zum Vergrößern) gehört u.a. die Integration von Ultra HD und HEVC sowie verbesserte Untertitelungen und HTML5. Zugleich werden begleitende Funktionen für Zweitschirme (Smartphones, Tablets etc.) ebenso möglich wie der Zugriff auf im Gerät gespeicherte Sendungen. Neue Dienste, integriert in Geräte der nächsten Generation, sollen ab 2016 in den Handel kommen.

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