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Minimalanforderungen an die Empfangstechnik

Schon ein Jahr vor dem Sendestart wurden technische Minimalanforderungen an Empfangsgeräte veröffentlicht. Zum Start am 31. Mai 2016 folgten Vorgaben für Antennen. Wie bei DVB-T ist die Deutsche TV-Plattform die Vergabestelle.

Die Gestaltung des DVB-T2 HD-Logos orientiert sich an dem von dem Lobbyverband seit 2002 für DVB-T vergebenen Logo - grün ist wieder die Grundfarbe. Dieses Logo ist als Orientierungshilfe für Verbraucher gedacht. Damit können die Hersteller ihre Empfangsgeräte, die Verpackungen und Werbemittel, kennzeichnen. Sie müssen erklären, dass diese Geräte die Minimalanforderungen erfüllen.

Das Pflichtenheft für Empfangstechnik entstand unter Beteiligung der „wichtigsten Marktbeteiligten unter Moderation der Landesmedienanstalten “, heißt es dazu. Hervorgehoben wird, dass „neben HEVC auch die Schnittstelle für Entschlüsselungssysteme“ eingeschlossen ist. Media Broadcast, Veranstalter der privaten Pay-Plattform, ist da offensichtlich anderer Ansicht und kündigt ein eigenes Logo an.

Alles ist drin!
Wichtig für die Übergangszeit bis Mitte 2019: Alle Fernseher, Settopboxen usw., die DVB-T2 HD empfangen, tun das auch mit dem „alten“ DVB-T!


Grünes Logo: Minimalanforderungen an Empfangsgeräte

Erste Fixpunkte sind natürlich die korrekte Verarbeitung aller HDTV-Modi und der Signale in Standard-Auflösung. Ebenso zur Pflichtausstattung gehört die Decodierung von HEVC sowie der für HDTV wichtige HDMI-Anschluß. Für den Empfang der privaten Programmplattform muss die CI+-Schnittstelle implementiert sein.

Trotz des sehr technischen Inhaltes der Minimalanforderungen sind einige Aspekte für die Zuschauer interessant. So wird es vieles schon von DVB-T Bekanntes und unverzichbar Gewordenes auch bei DVB-T2 geben. Dazu gehört natürlich zuerst der Videotext (auch in der tradierten Klötzchenversion). Untertitel sollen nicht nur dort, sondern auch nach dem DVB-Standard empfangbar sein.

Der Electronic Program Guide (EPG) behält seine „Now&Next“-Funktionalität mit Angaben zur gerade eingeschalteten und der darauf folgenden Sendung. Zum Pflichtprogramm gehört die Funktion Program Map Table (PMT), die u.a. das automatische zeitweise Auseinanderschalten z.B. der Lokalsendungen der 3. ARD-Programme ermöglicht. Von DVB-T wird das Konzept des statistischen Multiplexes übernommen. Dadurch können Programme mit zeitweise geringen Veränderungen im Bild etwas von ihrer Datenraten an ein Programm im gleichen Multiplex abgeben, das aufgrund schneller Änderungen im Bildinhalt kurzfristig eine höhere Datenrate benötigt. Pflicht ist auch die automatische Übernahme von Änderungen der Sendeparameter aus dem Sendesignal.

Wie bisher wird die Möglichkeit, die Gerätesoftware aus der Ferne zu aktualisieren, den Herstellern überlassen. Damit wird die Nachbesserungen von Fehler in der Geräte-Software oder das Hinzufügen neuer Funktionen möglich. Das kostet freilich Geld und nicht jeder Hersteller tritt mit dem verbraucherfreundlichen Service an, seine Geräte-Software zu pflegen.

Datenraten fangen bei DVB-T2 an, wo sie bei DVB-T aufhörten

Das Dokument enthält eine Liste von zehn Varianten zur Kombination senderseitiger Parameter, die das Empfangsgerät selbstverständlich beherrschen muss. Die Tabelle verdeutlicht zugleich, welche Bandbreiten mit DVB-T2 möglich werden.

Multiplex-Konfogurationen
Variante Fehlerkorr. Modulation Coderate Schutzintervall PilotPattern nTi/Lf Datenrate

G1 16k 64 QAM 1/2 19/128 PP2 3/119 18,32
G2 16k 64 QAM 3/5 19/128 PP2 3/119 22,01
G3 32k 64 QAM 3/5 1/16 PP2 3/64 23,87
G4 16k 64 QAM 1/16 1/8 PP3 3/120 26,04
G5 16k 64 QAM 2/3 19/256 PP2 3/129 26,24
G6 32k 256 QAM 3/5 1/32 PP5 3/56 33,53
G7 32k 64 QAM 2/3 1/16 PP2 3/64 26,56
G8 32k 64 QAM 2/3 1/16 PP4 3/62 27,60
G9 16k 64 QAM 1/2 19/256 PP2 3/129 19,62
G10 16k QPSK 1/2 19/128 PP2 3/121 6,09

Die Datenrate ist in Megabit pro Sekunde (Mbp/s) angegeben.

Zur Erinnerung: Die meisten DVB-T Multiplexe sind zwischen 13 und 16 Megabits pro Sekunde eingestellt. Die Tabelle lässt deutlich erkennen, wie sich die wesentlich höhere Effizienz der Multiplex-Codierung mit HEVC (statt MPEG-2 oder MPEG-4) auswirkt. Im Modus G7 könnten beispielsweise schon mit MPEG-2 bis zu acht Programme in SD-Auflösung in einen Multiplex gepackt werden. Im Prinzip gilt folgende Daumenregel: MPEG-4 steigert demgegenüber die Kapazität mindestens aufs Doppelte. Wird, wie für Deutschland beschlossen, stattdessen HEVC verwendet, könnten - so bisherige Ankündigungen - sieben bis acht HDTV-Programme in einem Multiplex untergebracht werden.

Möglich: Unterschiedliche Sendeparameter in einem Kanal

Erwähnenswert sind die Physical Layer Pipes (PLP). Dieses bei DVB-T2 neue Feature ermöglicht die Aufteilung eines TV-Kanals in mehrere Teil-Multiplexe, die unterschiedlich konfiguriert werden können. Der praktische Nutzen wird an anderer Stelle dieser Website ausführlich dargestellt. Hier ein Auszug aus einem Bericht über den Berliner Test von 2010, in dem naturgemäss noch von MPEG-4 (H.264) ausgegangen wird.
„Die Konfiguration des Kanallayouts umfasste zwei Physical Layer Pipes, die zusammengefasst in einem Multiplex übertragen wurden. Layer 1 ermöglichte den TV-Empfang eines H.264-encodierten HDTV-Kanals mit einer Datenrate von ca. 10 Mbit/s mittels Außenantenne. (...) Layer 2 war für den portablen Inhouse-Empfang von drei SD-Kanälen optimiert (ZDF bzw. ARD, RBB, Pro Sieben). Die H.264 encodierten Programme wurden gleichberechtigt im statistischen Multiplex mit einer mittleren Datenrate von 3 Mbit/s übertragen.“ (Grafik klickbar).
Dieses „Zwei-in-eins“-Prinzip lässt sich genauso gut einsetzen, um beispielsweise frei empfangbare regionale Privatprogramme in einem gemeinsamen Kanal mit der Plattform der Konzerne unterzubringen und so Senderessourcen zu sparen. Jedoch ist vorab nicht bekannt, ob, wo und wie das eingesetzt werden wird.

Unterschiedliche Konzepte der Sendetechnik

Bei der praktischen Umsetzung der Parameter-Kombinationen ist mit unterschiedlicher Handhabung in den Multiplexe von ARD/ZDF und der privaten Programmplattform zu rechnen.

Die drei öffentlich-rechtlichen Multiplexe werden, wie schon bei DVB-T praktiziert, eher auf den mobilen Empfang ausgelegt sein. Damit soll das Ziel einer breiten Versorgung - eben auch für die portable Nutzung - gewährleistet werden. Dort ist daher von einem höheren Fehlerschutz zulasten der Datenrate auszugehen.

Wie vorab zu erfahren ist, setzen die Privaten umgekehrt auf die Variante G8 - also eher auf den stationären Empfang mittels Dachantennen und folglich mit geringerer Robustheit. Für den mobilen Empfang verläßt man sich offenbar auf Diversity-Techniken - d.h. aufwändige Geräte mit zwei oder noch mehr parallel laufenden Tunern und nachgeordneter Elektronik, die sich bei schlechtem Empfang (der z.B. im fahrenden Auto durch den Doppler-Effekt bedingt ist) gegenseitig ergänzen.

Weitere Anforderungen

Bemerkenswert ist, dass die Störfestigkeit gegen LTE-Mobilfunkdienste ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Denn der Mobilfunk will schon ab 2018 den Kanal 49 (der höchste Kanal für das Fernsehen ist der benachbarte Kanal 48) verwenden. Filter gegen Einstrahlungen von Mobilfunk-Anwendungen sollten Pflicht sein. Vorgesehen ist, dass diese Funktion vom Nutzer freizuschaltenist. Die Filter sollen ab Auslieferungsbeginn 2020 eine erhöhte Leistung aufweisen.

Zur freiwilligen Ausstattung zählt wieder HbbTV für „smarte“ DVB-T2 Fernseher. Damit wird der Zugriff auf weitere Programme, Apps usw. der Plattform Multithek möglich. Media Broadcast will das auch in Verbindung mit DVB-T2 anbieten. Dafür wird schon die künftige HbbTV-Version 2.0 eingeplant. Interessant ist der Umstand, dass künftig auch für die interaktiven Anwendungen Bezahlmodelle möglich sind. Es könnte sein, dass einige auf diesem Weg nutzbare Fernsehprogramme davon betroffen sind. Ebenso könnte dort ein Zugang zu kostenpflichtigen OnDemand-Diensten geschaffen werden, die gemeinsam mit dem DVB-T2HD-Zugang vermarktet werden könnten.

Neben HDMI bleiben vor allem die digitalen Audioschnittstellen für Kupfer- und Glasfaserverbindungen - und die analogen Audiokabel - wichtig. Und sogar analoge Videoverbindungen - wie etwa Scart - sind zumindest als Kann-Ausstattung weiterhin gefragt. Eine Settopbox würde beispielsweise über HDMI einen alten HDready Flachbildfernseher anstandslos mit einer Bildauflösung von 1.366x768 Pixeln versorgen. Und (wenn vorhanden) könnte über Scart sogar ein Röhrenfernseher an die Box angeschlossen werden. Nur macht das keinen Sinn, weil - vor allem im zweiten Fall - die ausgezeichnete Bildqualität auf der Hardware-Strecke bleibt.

Grünes Logo auch für Antennen

Seit Anfang Juni 2016 wird das Grüne Logo auch für Antennen vergeben. Das Logo soll Verbrauchern eine Orientierung geben, wenn ein Neukauf nötig wird. Prinzipiell geht es um „portable“ Antennen. Diese Definition schließt Zimmer- und Außenantennen mit und ohne Verstärkung ein. Dachantennen noch Gemeinschafts-Empfangsanlagen werden nicht erfaßt.

Grundlage sind auch hier technische Minimal-Anforderungen, die an das 2008 vorgestellte Logo für DVB-T Antennen (das nicht genutzt wurde) anschließen. Die wesentliche Änderung betrifft den Verlust von Sendefrequenzen. Aufgrund der Digitalen Dividende verlor das Fernsehen ab 2010 den UHF-Bereich oberhalb von 800 MHz (Kanal 60) an den Mobilfunk. Um Störungen des TV-Empfangs im benachbarten Frequenzbereich zu verhindern, ist eine Filterung oberhalb von 700 MHz notwendig. Die Digitalen Dividende 2 wird dieses Thema ab 2019 in die Frequenzen ab 694 MHz (Kanal 49) fortsetzen. Dann kann eine Filterung schon ab 700 MKz sinnvoll werden. Die Minimalanforderungen halten das als „Soll“ fest. Ähnliche technische „Abgrenzungen“ nach unten zum VHF-Frequenzbereich (seit 2010 ausschließlich für DAB eingesetzt) sind nicht notwendig.
Mehr über Antennen.

Weitere Infos zur Einführung von DVB-T2 HD:
Minimalanforderungen an DVB-T2 HD Empfangsantennen (TV-Plattform).
Minimalanforderungen an DVB-T2 HD Endgeräte (TV-Plattform).
DVB-T2 HD Webspecial (TV-Plattform).
Homepage des Projektbüros DVB-T2 HD (BMT).
PR-Webauftritt Freenet TV für das Pay-Paket von Media Broadcast.
dehnmedia-Meldung: Grünes Logo jetzt auch für Antennen vom 6.6.2016.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast avisiert zweites Gerätelogo vom 24.3.2016.
dehnmedia-Meldung: zu Projektbüro und Logo vom 8.6.2015.

Allgemeine Informationen zu DVB-T2
Factsheet DVB-T2 (DVB-Project).
Whitebook mit Infos zu HEVC (TV-Plattform).
Q&A-Papier zur Verbraucherfragen (TV-Plattform).




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