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DVB-T2 HD: Fernsehen mit dem Computer

Wie andere Geräte auch müssen Empfänger für PC, Laptop, Tablet, Handy usw. neben dem Sendestandard DVB-T2 auch die HEVC/H.265-Kompression beherrschen. Das ist in der Einstiegsphase ab Ende Mai 2016 nur in Einzelfällen gewährleistet. Die grundverschlüsselten Pilot-Programme der Privaten werden den Zuschauern am Computer oder Mobilgerät zu diesem Zeitpunkt komplett vorenthalten.

Sobald 2014 klar wurde, dass man den HEVC-Codec (H.265) in Deutschland einsetzen würde, wurden auch USB-Empfänger getestet. Es handelte sich um Prototypen künftiger Produkte oder importierte DVB-T2-Serienprodukte mit HEVC-Software von Drittanbietern. Zum Start des DVB-T2 HD Pilot-Kanals am 16. Mai 2016 waren weniger als zehn Sticks bekannt, die entweder kraft mitgelieferter Software oder mittels Free- bzw. Shareware von Drittanbietern die beiden zu der Zeit frei empfangbaren Programme auf den Monitor bzw. das Display bringen.

Auch grundverschlüsseltes Freenet TV am Computer nutzen

Weitaus weniger Zeit gab es für die Entwicklung von Computer-Geräten, die die dort genutzte IRDETO-Entschlüsselung und das entsprechende Zugangsmanagment nutzen. Zu beachten ist dabei auch, dass sich Media Broadcast als Anbieter von Freenet TV auch für Computerprodukte für ein kartenloses Zugangssystem entschieden hatte. Dadurch können auch kleine Geräte - die beliebten USB-Stick z.B. - grundverschlüsselte DVB-T2 HD Programme empfangen. Und zugleich hält Media Broadcast den Daumen auf der Entwicklung und ist einziger Vertreiber.

Ein solches Produkt hatte Media Broadcast schon frühzeitig angekündigt, Die Softwareentwicklung für den USB-Stick bei der chinesischen Firma SMIT integriert alle Funktionen - einschließlich der Prüfung der Zugangsberechtigung und der Entschlüsselung des Datenstroms. Das ist programmiermässig sehr anspruchsvoll und die Lösung dauerte offenbar viel länger als urprünglich erwartet. Ein Prototyp noch mit einer externen Programmierschnittstelle (dehnmedia-Foto oben) wurde auf der IFA 2016 funktionsfähig demonstriert. Im November 2016 war bereits ein äußerlich fertiges Exemplar (dehnmedia-Foto rechts) zu sehen; allerdings war die Benutzeroberfläche noch nicht fertig.

Das endgültige Produkt (Foto klickbar, Media Broadcast) kam zum Beginn des Regelbetriebs von DVB-T2 HD bzw. Freenet TV im März 2017 für 60 Euro in den Handel. Dazu gibt es eine ab Windows 7 bzw. MAC OS 10.9 arbeitende Software und eine Freischaltung für einen Monat. Danach kostet der Zugang 69 Euro pro Jahr. Ein späterer Software-Update soll den Zugang zum HbbTV-Angebot Freenet TV Connect öffnen. Möglicherweise wird softwaremässig auch DAB+-Radio noch eingebaut.

FreeTV mit DVB-T2 HD im Test am IRT

Ralf Pfeffer ist als Mitarbeiter des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) auch beruflich mit DVB-T2 HD befasst. Er stellte dehnmedia eine Ausarbeitung und Screenshots zum Thema „DVB-T2 HD am Computer“ zur Verfügung. Diese wird hier - mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfeffer - in einer Bearbeitung von dehnmedia verwendet.

Herr Pfeffer stellt voran, dass vor allem die Dekodierung der HEVC-FullHD-Signale sehr rechenaufwändig ist. Reicht die Leistungsfähigkeit des Rechners nicht aus, kommt es zu unschönen Bildrucklern. Vor dem Kauf sollte also unbedingt geprüft werden, ob der PC die für das Wunschprodukt angegebenen Vorausgaben erfüllt. Und natürlich gilt auch für den Empfang am PC, dass das an der Antenne anliegende Signal stark genug sein muss ...

Nachfolgend handelt es sich um Beispiele, mit denen Herr Pfeffer sich beschäftigt hat. Andere Kombinationen von Hard- und Software sind ebenso möglich, wurden hier aber nicht getestet. Umgekehrt zeigte sich, dass etliche als „für DVB-T2 geeignet“ beworbene Sticks etc. in Deutschland nicht brauchbar sind. Sie erfüllen z.B. die 2012 veröffentlichte DVB-T2 Spezifikation 1.3.1 nicht und kommen mit den in Deutschland verwendeten Multi-PLPs des DVB-T2 Standards nicht klar.

DVB-T2 HD mit DVB-T2-USB-Sticks und dem VLC Mediaplayer

Dies vorausgeschickt erläutert Herr Pfeffer die Installation des USB-TripleStick (292e) von PCTV und der kleinen USB-Box 5520 (auch für Kabel und Sat) von TBS und ihr Zusammenspiel mit dem freien VLC-Player (64bit, Version 2.2.3) unter Windows 10 Pro. Erfolgreich getestet wurde aber auch unter Windows 7. Damit können im Pilot-Kanal Das Erste HD und ZDF HD in Full-HD-Auflösung - und später alle öffentlich-rechtlichen Programme - kostenfrei empfangen werden. Die grundverschlüsselten privaten Sender finden sich als Listeneinträge, können aber nicht freigeschaltet werden. Auch der Zugriff auf die Internet-Programme der HbbTV-Plattform Multithek von Media Broadcast konnte nicht zum Laufen gebracht werden.

Installation
TBS 5520
Download
TBS liefert den Treiber sowie ein ChangeMode-Tool nicht mit dem Produkt aus, beides muss von der Produkt-Website (Reiter Download) herunter geladen werden. Den Windows-Treiber mithilfe der beigefügten setup.exe installieren. Die Box wird an einen freien USB-Anschluß gesteckt. Windows richtet nun selbstständig den Treiber ein. Die ChangeMode_Tool.exe aus dem anderen Zip-Ordner starten. Hier unter Setting Mode den Mode DVB-T/T2 auswählen und mit dem Set-Knopf bestätigen. Dann kann das Programm geschlossen werden.
PCTV 292e
Download
Unter nebenstehendem Link ist der Treiber für den PCTV tripleStick 292e auszuwählen. Das Zip-File entpacken. Der USB-Stick wird nun an einen freien USB-Anschluß angesteckt. Im Geräte-Manager (Systemsteuerung - System und Sicherheit - System) findet sich unter Andere Geräte der Eintrag PCTV 292e. Mit einem Rechtsklick darauf wählt man Treibersoftware aktualisieren und dann Treibersoftware suchen. Den Pfad des entpackten Ordners angeben und auf Weiter klicken. Die Frage, ob dem Treiberhersteller vertraut werden soll, mit Ja beantworten. Der Treiber PCTV 292e wurde nun erfolgreich installiert und befindet sich nun im Geräte-Manager unter Audio-, Video- und Gamecontroller.
VLC-Player
Download
Die 64-bit Version findet sich unter dem VLC herunterladen-Button auf Andere Systeme. Unter Windows findet man den Download-Link für die 64bit-Version. Das Installations-Menü führt einen durch die Installation des VLC. Um Fehler zu vermeiden, sollten zuvor alle Versionen von VLC sowie der Cache gelöscht werden.

Fernsehen mit VLC
Möchte man nur gelegentlich einen Kanal anschauen, öffnet man den VLC und wählt in der Menüleiste Medien - Aufnahmegerät öffnen (Strg+C) aus. Den Aufnahmemodus ändert man auf TV-digital. Das Übertragungssystem muss man unbedingt auf DVB-T stellen (die Option DVB-T2 hat bei diesem Aufbau mit diesen Komponenten nicht funktioniert). Unter Optionen stellt man die Multiplex-Frequenz ein. Diese ist hier in Kilohertz anzugeben - das entspricht den üblichen
Angaben in Megaghertz mit drei zusätzlichen Nullen (statt 650 MHz also 650000 kHz eintragen). Verbreitet ist die Angabe der Sendekanäle. Der dehnmedia-Datenbank können beide Werte aller DVB-T2 HD-Multiplexe entnommen werden. Dann auf Wiedergabe drücken und das Programm sollte laufen. Die anderen Programme im Multiplex findet man unter der Menüleiste Wiedergabe-Programm.

Eine Playlist erstellen
Soll die Kombination von VLC und USB-Stick immer wieder verwendet werden, empfiehlt Ralf Pfeffer, eine VLC-Playlist zu erstellen. Dazu müssen zunächst die Empfangsfrequenzen der Multiplexe und die Service-IDs aller Programme bekannt sein. Dazu startet man wie beschrieben einen Kanal und wählt dann in der Menuleiste Werkzeuge-Codec-Informationen (Strg+J) aus. Hier findet man neben dem Programm-Namen die dazugehörige Service-ID.

Eine Playlist erstellt man mit einem beliebigen Texteditor, z.B. dem von Windows mitgelieferten. Die fertige Datei muss mit der Endung m3u
(alle Screenshots anklicken zum Vergrößern.
© R. Pfeffer/IRT).
(z.B. Programm-Liste.m3u) gespeichert werden. Für den Inhalt dieser Datei gelten folgende Prinzipien:
Als erste Zeile der Datei muss #EXTM3U eingetragen werden. Jeder Programm-Eintrag besteht aus drei Zeilen:
Zeile 1... enthält den in der Liste anzuzeigenden Namen des Programms in der Form #EXTINF:1,Das Erste HD
Zeile 2... enthält die zum Programm gehörende ServiceID in der Form #EXTVLCOPT:program=769
Zeile 3... nennt die Frequenz in kHz(s.o.). Als „bandwidth“ ist für UHF-Kanäle „8“ einzutragen dvbt://frequency=514000:bandwidth=8

Eine Playlist könnte zum Beispiel so aussehen:
#EXTM3U
#EXTINF:1,Das Erste HD (T2 Erste Stufe)
#EXTVLCOPT:program=769
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
#EXTINF:1,ZDF HD (T2 Erste Stufe)
#EXTVLCOPT:program=16961
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
#EXTINF:1,RTL HD (T2 Erste Stufe scrambled)
#EXTVLCOPT:program=16962
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
#EXTINF:1,Pro7 HD (T2 Erste Stufe scrambled)
#EXTVLCOPT:program=16963
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
#EXTINF:1,SAT.1 HD (T2 Erste Stufe scrambled)
#EXTVLCOPT:program=16964
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
#EXTINF:1,VOX HD (T2 Erste Stufe scrambled)
#EXTVLCOPT:program=16695
dvbt://frequency=514000:bandwidth=8
Oben: Playlist für den DVB-T2-Testmux des IRT und DVB-T in München (Download).
Links: Beispielliste für den DVB-T2 HD Pilotkanal in München/Südbayern).

PC-Produkte für frei empfangbare Programme

Den Aussagen einiger Hersteller folgend (Stand: Ende 2016) sind weitere Kombinationen von Hard- und Software möglich. Alle lieferbaren Produkte können jedoch nur die unverschlüsselten Programme von ARD und ZDF empfangen.

Zu beachten ist, dass nicht alle Anbieter Komplettpakete von Hardware und Software für DVB-T2 und den HEVC-Codec ausliefern. Vielfach wird auf H.265/HEVC-Codecs von Drittanbietern verwiesen, die kostenlos per Download verfügbar sind. Beispielweise empfiehlt Hauppauge für seine DVB-T2 Produkte und den PCTV-Stick 292e auf den LAV-Codec (Info-Seite).
dehnmedia-Gerätedatenbank: PC-Geräte für DVB-T2 HD.

Weitere Informationen:
dehnmedia-Meldung: Freenet stellt USB-Stick vor vom 22.3.2017.
dehnmedia-Meldung: USB-Stick verkaufsfähig designed vom 21.11.2016.
dehnmedia-Meldung: USB-Projekte von Freenet TV und anderen vom 4.9.2016.
Presseinfo zum Freenet-Stick von SMIT vom 8.6.2016.



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