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Freenet TV - die Plattform der Privaten (2/2)

Dass RTL und ProSiebenSat1 ihre terrestrischen HDTV-Programme nicht gratis verbreiten würden, war frühzeitig klar. Mit dem Umstieg auf DVB-T2 HD folgt die Antenne dem Vorbild von Kabel und Satellit - die Privatsender vermarkten ihre HDTV-Kanäle nun auch terrestrisch. Die Plattform Freenet TV sorgt seit dem 29. März 2017 für Programme, Technik und Vermarktung. Nach eigenen Angaben hatte man Ende 2017 975.000 Abonnenten. Im März 2018 - also ein Jahr nach dem Vermarktungsstart - wurde die 1 Mio.-Grenze überschritten.

Kosten und Konditionen

Der am 31. Mai 2016 gestartete DVB-T2 HD „Pilot-Kanal“ brachte mit vier grundverschlüsselten - aber freigeschalteten - Programmen einen kostenlosen Vorgeschmack auf das spätere Freenet TV-Paket, das am 29. März 2017 mit dem kompletten Programmangebot startete. Technische Voraussetzung ist ein von Freenet TV zertifiziertes und mit dessen Logo ausgestattetes Empfangsgerät. Das kann laut AGB „Set-Top-Box, CI+-Modul, USB-Stick“ sein. Geeignete Produkte werden im Handel angeboten. Das Zugangsmodul für Fernsehgeräte mit CI+-Schnittstelle (79,99 Euro) und der USB-Stick (59,99 Euro) werden unter Freenet TV vermarktet.

Bis Ende Juni 2017 - bzw. drei Monate nach dem ersten Einschalten eines später gekauften Gerätes - gibt es eine dreimonatige Gratisphase. Eine Ausnahme ist der USB-Stick, dessen Käufer nur einen Freimonat erhalten. Basis der Kosten für den weiteren Zugang zu den Freenet TV-Programmen nach der Gratisphase ist der Jahrespreis von 69 Euro. Für die Abwicklung werden mehrere Möglichkeiten angeboten.

Option 1: Prepaid mit Rubbelkarte
Freenet TV wurde im Vorfeld des Starts ausschließlich als Prepaid-Angebot beworben. Ende Februar 2017 begann der Verkauf von Guthabenkarten für 69 Euro. Enthalten ist der Zugang zu den privaten HDTV-Programmen für ein Jahr ab Freischaltung. Wird eine Verlängerung gewünscht, muss rechtzeitig eine neue Karte gekauft werden. Sonst werden die Programme automatisch abgeschaltet. Eine besondere Kündigung ist nicht erforderlich.

Die Freischaltung bzw. Verlängerung kann über die Website von Freenet TV oder telefonisch erfolgen. Erforderlich sind nur die auf der Guthabenkarte frei zu rubbelnde Codenummer (siehe klickbares Foto von Freenet TV) und die Freenet TV ID, die sich auf einem Aufkleber am Empfangsgerät befindet. Persönliche Daten werden nicht abgefragt. Wer sich mit der Guthabenkarte online registriert soll einen zusätzliche Freimonat bekommen, der an die 12 Monate Laufzeit angehängt wird.
Service: Freischaltung über Telefon 0221-4670-8700 oder Internet.

Option 2: Monatlich kündbares Abo
Der Plattform-Betreiber Media Broadcast hatte schon Ende 2016 andere, später einzuführende, Optionen nicht ausgeschlossen. Ein paar Tage vor dem 29. März 2017 tauchte ein Monatsabo auf der Website des Bezahlpaketes auf, eine offizielle Presseinfo dazu kam erst im Mai 2017. Es handelt sich um ein Abo mit einem Monat Laufzeit für jeweils 5,75 Euro (also pa wieder 69 Euro). Das Abo verlängert sich automatisch in den Folgemonat oder kann zum Ende des Vertragsmonats gekündigt werden. Voraussetzung ist das Anlegen eines Kundenkontos und die Teilnahme am Lastschriftverfahren. Für das Anlegen des Kundenkontos verspricht Freenet TV einen Gratismonat, der auf der ersten Rechnung gutgeschrieben wird.
Service: Registrierung für Monatsabos im Internet.

Option 3: Haushalts-Rabatt
Ende Mai 2017 wurde eine dritte Gebühren-Option angekündigt: Für Zweit- oder Drittgeräte im Haushalt sollte ein Rabatt von 20 Prozent gewährt werden. Das sollte nur per Bankeinzug (also nicht mit Guthaben-Karte) zu bezahlen sein. Unverständlich ist auch bei dieser Option die Benachteiligung der Käufer des USB-Sticks, der nach bisherigen Informationen nicht in die Rabattierung einbezogen werden kann. Wann diese Option eingeführt wird, bleibt seither offen.

Service-App
Seit Mitte Juni 2018 bietet FreenetTV eine Service-App zum kostenlosen Download an. Diese bietet Möglichkeiten für die Erst-Einrichtung bzw. die Verlängerung des Zugangs (einschließlich der Bestellung von Guthabenkarten) und die Auswahl der Bezahl-Option. Dort gibt es ebenso Infos über den Stand des Guthabens und die weitere Laufzeit des Zugangs. Über die App können mehrere Zugänge verwaltet werden. Zu ausgewählten Empfangsgeräten werden Produktinformationen
(Grafik klickbar. Screenshots: Media Broadcast)
vorgehalten.

Änderung der Geschäftsbedingungen
Im April 2018 wurden neue Konditionen für die dreimonatige Gratisphase bekannt gegeben. Wer die kostenpflichtigen Programme sehen will, muss sich nun zunächst mit der Gerätekennung und einer Mailadresse bei FreenetTV anmelden. Erst dann erfolgt die Freischaltung für die Gratiszeit. Die Freischaltung endet, sofern nicht rechtzeitig ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen wird.

Empfangsgeräte

Das Zugangsverfahren stammt von der Firma Irdeto. Es schließt die Möglichkeit einer Implementierung des Zugangs ins Endgerät ein. In diesem Fall sind keine Smartcards notwendig. Für den Zugang bietet Freenet TV zwei Möglichkeiten.

Der „kartenlose“ Zugang („cloaked“) kommt grundsätzlich bei Settopboxen zum Einsatz. Sinnvoll ist das für noch kleinere Geräte für Computer, Tablets, Smartphones usw., deren Nutzung nicht auf die öffentlich-rechtlichen Programme beschränkt sein soll. Einen USB-Stick (Prototyp siehe Foto rechts) bietet FreenetTV seit 2018 an. Ab Mitte 2018 nutzen erste Fernsehgeräte kleinerer Dimensionen dieses Verfahren.
dehnmedia-Gerätedatenbank: Settopboxen mit Freenet-Logo, Fernseher mit integriertem Zugang.

Die Alternative - vor allem für Fernsehgeräte - ist das Zugangsmodul, das Freenet TV für 79,99 Euro anbietet. Auch hier ist die Funktion der Smartcard schon integriert. Das Modul wird auf die CI+-Schnittstelle gesteckt. Hintergrund ist, dass die meisten Fernsehgeräte (und einige Settopboxen) für mehrere Empfangswege gedacht sind. Diese Fernseher sind mittels einer CI+-Schnittstelle für Pay-Angebote wie Sky oder HD+ vorbereitet.
dehnmedia-Gerätedatenbank: Fernseher und Settopboxen für das Freenet TV-Modul.

Egal welches der beschriebenen Zugangsverfahren im erworbenen Geräte eingebaut ist - nach Ende der Gratisphase muss für die Nutzung der privaten HDTV-Programme des Freenet-Paketes bezahlt werden. Der Empfänger muss freigeschaltet werden.

Gerätelogos: Hilfe oder Irritation?

Nicht auf den ersten Blick verständlich ist vielleicht, welche Bedeutung das grüne DVB-T2 HD-Logo und das Logo von Freenet TV haben. Worauf muss man beim Gerätekauf achten?
Settopboxen mit dem Logo von Freenet TV empfangen die grundverschlüsselten privaten Programme zu den Geschäftsbedingungen des Anbieters und in dessen Verbreitungsgebieten. Die Irdeto-Entschlüsselung ist integriert, ebenso der „kartenlose“ Zugang (ohne Smartcard).
Die Geräte können zusätzlich das grüne Logo der Deutschen TV-Plattform tragen.

Fernsehgeräte mit dem grünen DVB-T2 HD Logo haben eine „CI+-Schnittstelle“. Mittels des gesondert im Handel zu erwerbenden Zugangsmoduls für Freenet TV werden dessen grundverschlüsselte Programme gemäß deren Geschäftsbedingungen und in den entsprechenden Verbreitungsgebieten freigeschaltet.
In den meisten Settopboxen mit dem grünen DVB-T2 HD Logo ist das kartenlose Irdeto-System von Freenet TV eingebaut. Nur wenige Boxen haben eine CI+-Schnittstelle.
DVB-T2 HD Geräte ohne eines der beiden Logos empfangen zumindest alle Programme von ARD und ZDF sowie wenige Private ohne zusätzliche Kosten. Jedoch können Geräte ohne CI+ oder ohne ab Werk integrierten Zugang später nicht für Freenet TV nachgerüstet werden.
Minimal-Anforderungen der TV-Plattform, Tipps für den Gerätekauf.
dehnmedia-Datenbank: Settopboxen und Fernseher mit dem grünen Logo.

Businessplan für Freenet TV

Für die Freenet TV-Plattform nannte Freenet-Chef Christoph Vilanek Mitte April 2017 auf einer Investorenkonferenz folgende geschäftlichen Ziele:
Termin DVB-T2 Haushalte Abonnenten DVB-T2 HD-Migration

12.4.2017 1,2 bis 1,5 Mio. 160.000 2 Wochen nach dem Start von DVBT2 HD
30.6.2017 1,7 bis 2,2 Mio. 500.000 Ende der Gratisphase in den Startregionen
Ende 2017 2,5 Mio. 800.000 Start von FreenetTV in 8 Regionen am 8.11.
Ende 2018 3,4 Mio. * 1 Mio. Ende Freenet-Ausbau (6 Regionen)

* Es wird von 3,4 Mio. Haushalten ausgegangen, die nur per Antenne empfangen (also ohne Nutzer von Zweit- und Drittgeräten).

„Zu den Wachstumstreibern des Freenet TV Endkundengeschäfts zählen neben dem Austausch alter Set-Top-Boxen auch die Umrüstung von Zweit- und Drittfernsehern sowie von anderen Kommunikationsgeräten auf DVB-T2 HD zum Beispiel über einen USB-Stick sowie die geplante Abschaltung des analogen Kabelfernsehens in einigen Regionen Deutschlands“, kommentiert die Freenet AG ihre geschäftlichen Hoffnungen. Für Ende 2017 geht Vilanek von einem monatlichen Umsatz je Kunde (ARPU) von 4,50 Euro aus. Den Umsatz mit Freenet TV will Vilanek von 12 bis 16 Mio. Euro in 2017 auf 35 bis 50 Mio. Euro in 2018 steigern.

Fast 1 Mio. Abos bis Ende 2017

Die Prognose der Freenet AG scheint in der ersten Umstiegsphase aufzugehen. Ende Juni meldete das Unternehmen Planerfüllung mit 500.000 zahlenden Kunden. Ende August gab man schon 700.000 Zahlende von 2,3 Mio. DVB-T2 HD-Haushalten bekannt. Damit sieht der Betreiber Media Broadcast (bzw. dessen Mutterfirma, die Freenet AG) den Marktanteil von DVB-T2 HD in den im März 2017 umgeschalteten Regionen bei 11,7 Prozent, einschließlich der mobilen Nutzer sogar bei 14,7 Prozent.

Für Ende September wurden 875.000 zahlende Kunden von 3,4 Mio. Ende März 2017 mgestellten Haushalten gemeldet. Damit wurde das Ziel für 2017 frühzeitig überschritten. Dadurch erhöhen sich die Erwartungen - und das Ziel wurde auf 950.000 zahlende Kunden bis Jahresende 2017 hochgesetzt. Die Freenet AG meldete in ihrem Jahresabschluß für 2017 sogar 975.000 Abonnenten. Wenige Tage vor dem ersten Sendejubiläum meledete Media Broadcast den einmillionsten Kunden für das Pay-Paket.

Von der Spekulation zur Strategie

Richtig Geld verdienen mit Freenet TV ließe sich, wenn es gelänge, das eher bescheidene Kundenpotenzial der Terrestrik erheblich zu erhöhen. Das könnte durch eine zusätzliche Verbreitung via Satellit erreicht werden. Ähnliches wird bereits in England, Italien und Frankreich praktiziert. In Österreich startete das kommerzielle DVB-T2 Paket SimpliTV im Sommer 2017 via Satellit.

Gerüchte um eine solche Strategie wies Media Broadcast im Juni 2017 zurück: Es gebe „keine konkreten Pläne in diese Richtung“. Im Februar 2018 kam die Kehrtwende und die offizielle Ankündigung von Media Broadcast: Freenet TV startete Ende März 2018 über den Astra-Satelliten. Damit wurde das Kundenpotenzial schlagartig von etwa 3,4 Antennen- um 17,6 Mio. Sat-Haushalte und auf etwa 55 Prozent der deutschen Fernsehhaushalte erweitert. Gegenüber konkurrierenden Anbieter von HDTV-Satellitenpaketen wie HDplus vo Astra oder Diveo des Anbieters M7 hat Freenet TV damit einen einzigartigen Vorteil.

Auch aus dem Orbit kommt Freenet TV für 5,75 Euro monatlich. Neben einer ersten zertifizierten Settopbox sollen die schon verkauften CIplus-Module für beide Empfangswege geeignet sein. Auch könne man per Online-Ummeldung jederzeit spontan zwischen Antennen- und Sat-Empfang wechseln.

Das wurde Ende Mai 2018 noch vorangetrieben: Sat-Kunden können seither ihr CI+-Modul für Freenet TV verwenden, um beide Empfangswege zu kombinieren. Sat-Kunden von Freenet TV könnten über einen Fernseher mit Multistandard-Tuner beispielsweise ein Programm via Sat live ansehen und ein anderes via Terrestrik empfangen und aufzeichnen.

Ganz so einfach wie beworben ist das freilich nicht. Um die bei HDTV-Programmen üblichen Aufnahme-Einschränkungen zu umgehen, erfolgt die Aufzeichnung nicht in Full HD, sondern in der auf 1/4 der Bildqualität reduzierten Standard-Bildauflösung („SD“). An Freenets Antennenzuschauern geht das neue Verfahren eher vorbei. Sie müssten eine Sat-Schüssel aufstellen, was oft aus mietrechtlichen Gründen gar nicht zulässig ist. Dazu kommt, dass die Ausrichtung der Schüssel nach Süden auf die Astra-Satelliten nicht möglich ist.

Links zum Thema
Homepage Freenet TV.
Wikipedia-Eintrag zu HEVC.
White Book Beyond HD der Deutschen TV-Plattform mit Ausführungen zu HEVC.
Erste Fernseher ohne CI+ für FreenetTV vom 1.7.2018.
FreenetTV jetzt mit Service App vom 27.6.2018.
Freenet nutzt Multituner für Aufzeichnungen vom 28.5.2018.
FreenetTV - neue Bedingungen für die Freiphase vom 4.4.2018.
FreenetTV via Satellit gestartet vom 28.3.2018.
Freenet - 1 Mio. Kunden / Warten auf Lokalmuxe vom 21.3.2018.
FreenetTV meldet 975.000 Abonnenten vom 1.3.2018.
FreenetTV geht Ende März in den Orbit vom 22.2.2018.
Freenet TV läuft besser als geplant vom 10.11.2017.
700.000 Kunden für Freenet TV vom 30.8.2017.
Media Broadcast sieht Antenne bei 14,7% vom 5.9.2017.
Antenne trotz HDTV rückläufig vom 5.9.2017.
Wechsler gesucht - neue Freenet-Kampagne vom 7.8.2017.
Freenet TV meldet 500.000 zahlende Kunden vom 5.7.2017.
Gratisphase geht für Frühkäufer zuende vom 27.6.2017.
Kommt auch Freenet TV künftig aus der Umlaufbahn? vom 8.6.2017.
Plant Freenet TV einen Haushalts-Rabatt? vom 8.6.2017.
Kein „Ende der Gratisphase“ vom 1.6.2017.
Freenet TV mit neuer Werbe-Phase vom 30.5.2017.
Freenet verkündet Monatsabo offiziell vom 24.5.2017.
Antenne gewinnt 100.000 Haushalte vom 4.5.2017.
Bis Jahresende 800.000 Kunden für Freenet TV? vom 12.4.2017.
Freenet TV jetzt auch mit Monats-Abo vom 24.3.2017.
Freenet stellt USB-Stick vor vom 22.3.2017.
Guthabenkarten für Freenet im Handel vom 21.2.2017.
Freenet-Guthabenkarten kommen Ende Februar vom 14.2.2017.
Kampagne mit Irritationspotenzial vom 5.2.2017.
Projektbüro nennt weitere Fakten vom 24.11.2016.
Nicht viel Neues von Freenet TV vom 21.11.2016.
FreenetTV startet Werbekampagne vom 22.8.2016.
Freenet TV mit weiteren Preismodellen? vom 14.7.2016.
Freenet TV für 69 Euro im Jahr vom 5.7.2016.
Mit dem Mobilfunk „Kopf an Kopf“ vom 8.6.2016.
Freenet TV aktualisiert Website vom 1.6.2016.
Freenet TV-Module bestellbar vom 20.5.2016.
Projektbüro mit Klarstellung zum Logo-Doppel vom 5.5.2016.
Freenet TV - Module / AGB vom 20.5.2016.
Freenet TV kündigt sich offiziell an vom 2.5.2016.
Pay-TV wird Freenet TV heißen vom 1.5.2016.
Media Broadcast avisiert zweites Gerätelogo vom 24.3.2016.
Antenne in HDTV ab dem 31. Mai 2016 vom 22.3.2016.
Telestar vertreibt Zugänge für Privatplattform vom 18.3.2016.
Freenet kauft Netzbetreiber Media Broadcast vom 6.3.2016.
Präzisierungen zur Plattform vom 9.9.2015.
DVB-T2 HD auf der IFA 2015 vom 6.9.2015.
Media Broadcast plant eigene Online-Kampagne vom 27.8.2015.
FullHD und „cardless“-Decryption (19.8.2015).
Media Broadcast zur Infokampagne vom 6.7.2015.

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