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DMB - Handy-Fernsehen mit „Watcha“

Watcha-Logo Als erstes Angebot des Handy-Fernsehen mit DMB startete Debitel die Vermarktung des Dienstes „Watcha“ am 31. Mai 2006. Das Programmangebot kam von der Firma Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD), die als Plattformbetreiber Lizenzen aller Landesmedienanstalten erhalten hat. An der TU Ilmenau war kurz zuvor ein Forschungssender ein Betrieb genommen worden.

Nach der „Empfehlung“ der GSPWM zugunsten der Firma MFD und der beendeten juristischen Auseinandersetzung um die Lizensierung in Baden-Württemberg war der Weg für den Start der DMB-Plattform von MFD frei. Die Zulassung durch die Landesmedienanstalten erfolgte in den meisten Bundesländern zunächst für einen dreijährigen Versuchsbetrieb. Nur Baden-Württemberg (acht Jahre) und Berlin-Brandenburg (sieben Jahre, aber für zwei Bedeckungen) haben längere Projektlaufzeiten beschlossen. Die Ausstrahlung erfolgt im L-Band (etwa 1,5 Gigahertz).

Geschäftsmodell á la Kabel-TV

Debitel und MFD starteten zunächst in den WM-Spielorten Berlin, Frankfurt/Main, Köln, München und Stuttgart. Bis Jahresende 2006 sollen 40 bis 45 Sendegebiete erreicht werden. Zielstellung ist es laut Debitel/MFD, bis Ende 2008 die Versorgung von 80 Prozent der Wohnorte zu erreichen.

Die Vermarktung von „Watcha“ ist mit Abschluß oder Verlängerung eines Handy-Vertrages verbunden, wie ihn debitel für alle vier Netzbetreiber anbietet. Die Konditionen zum Start: Wurde bei Debitel eine Grundgebühr von 14,95 Euro abgeschlossen, kostete die monatliche Handy-TV-Flatrate 9,95 Euro, sonst 14,95 Euro. Beim Abschluß wurde ein einmaliges Freischaltentgeld von 7,50 Euro sowie 199 Euro für das erste verfügbare TV-Handy SGH-P900 (Datenblatt) von Samsung fällig.

Im September 2006 wurde das V9000-Handy von LG für 99 Euro - und in Verbindung mit einem Abopreis von nur noch 4,95 Euro - ins Angebot genommen. Debitel hat damit die Abo-Preise für „Watcha“ auf die Hälfte bzw. zwei Drittel reduziert. Seit Mitte Oktober 2006 als Vertragsdraufgabe (auch ausserhalb des DMB-Gebiets) schon für nur noch einen Euro verkauft.

Zum 4. Oktober 2006 wurde der Einstieg von Mobilcom als zweiter Vermarkter in den Vertrieb des Dienstes angekündigt. Auch dort soll Watcha „deutlich weniger als zehn Euro pro Monat kosten“. Bis Mitte Oktober war dazu jedoch auf der Website von Mobilcom nichts zu finden.

Programmangebot

MFD-Geschäftsführer Henrik Rinnert. Foto: dehnmedia Die Sendungen der Privaten werden bei „Watcha“ verschlüsselt ausgestrahlt. MFD-Geschäftsführer Henrik Rinnert begründete das gegenüber der Zeitschrift
Digitalfernsehen mit seinem Geschäftsmodell, das dem des Kabelfernsehens angelehnt sei: „Wir haben eine TV-Plattform und dazu vermitteln wir einen Zugang. Das kostet, vergleichbar mit dem Betrieb eines Kabelnetzes Geld. Wir machen damit auch kein Pay-TV. Die MFD bietet eine technische Plattform an. Der Zugang zu dieser technischen Plattform wird durch eine einmalige Freischaltung vermittelt. Jedes Signal muss im kommerziellen Bereich grundverschlüsselt werden, ansonsten könnte jeder dieses Programm aufgreifen und vervielfältigen oder weiterleiten.“ MFD hat sich übrigens auch um DVB-H Lizenzen beworben.

Angeboten werden vier Fernseh- und ein Radioprogramm. Vertreten sind MTV und N24 sowie ein Comedy-Kanal, der mit Konserven von Pro7Sat1 bestückt ist. Das ZDF-Vollprogramm und der „Visual Radio“-Sender BigFM2see kommen hingegen „Free to air“ aufs Handy und sind damit auch mit DMB-Geräten ohne Vertragsbindung empfangbar. Ein zweites Radioprogramm soll später von der Regiocast Digital GmbH & Co. KG kommen. Dieser Veranstalter will sportliche und kulturelle Großereignisse, tagaktuelle Informationen, Nachrichten und Serviceelemente ausstrahlen.

Mehr Radioprogramme aufs Handy mit DAB?

Mit allen DMB-Geräten sind alle Ausstrahlungen im L-Band zu empfangen, so dass über das DMB-Angebot hinaus auch die regionalen DAB-Radiosender gehört werden können. Hier wird ein Mangel des
Samsung-Handys deutlich: der fehlende DAB-Radioempfang im VHF-Band. MFD-Geschäftsführer Henrik Rinnert begründete das damit, „dass die Markteinführung unter Zeitdruck geschah und man auf vorhandene Hardware zurückgreifen musste“, berichtet der Informationsdienst xdial.de. Rinnert kündigte für August 2006 ein Handy von LG (Datenblatt: V-9000) an, dass sowohl auf VHF wie auch im L-Band empfangen könne. Samsung zeigte auf der IFA 2006 das SGH-P900D für beide Spektren. Diese Geräte können dann auch die im VHF-Spektrum ausgestrahlten DAB-Radioprogramme der ARD-Anstalten empfangen.

Schnelles Ende

Bis Anfang 2008 konnten zwar noch einige weitere Vermarkter gefunden werden und die Monatsgebühren sackten ab. Wegen der wenigen Programme erwies sich „Watcha“ als nicht besonders attraktiv. Offizielle Kundenzahlen wurden nie genannt. „Leider konnte sich das DMB-Format bei den Kunden nicht durchsetzen“, kommentierten die Landesmedienanstalten. Nicht nur angesichts drohender finanzieller Verluste fiel es MFD Ende April 2008 sicher eher leicht, die Notbremse zu ziehen: „Watcha“ wurde am 30.4.2008 eingestellt, die Lizenz zurückgegeben. MFD hatte schließlich mit Partnern ein weiteres Eisen im Mobilfernseh-Feuer: Das Konsortium Mobile 3.0 war auf dem besten Wege, die Plattformlizenz für ein Großprojekt mit DVB-H zu bekommen.

„Watcha“ mit dem SGH-P900 im im Praxistest.
DMB-Geräte in der dehnmedia.de-Datenbank.
Die MFD-Gesellschafter

Die Firma MFD wird nach Angaben der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) von folgenden Gesellschaftern getragen:
MIH Germany BV 37,53 %: Alleingesellschafter Myriad Int. Holdings BV (Naspers-Gruppe, Südafrika)
Catharina Verwaltungs GmbH 22,27 % (33,17 %): Alleingesellschafter Jürgen Stender
Grazia Equity GmbH: 19,55 % (33,75 %): Alleinges. 5R Private Equity GmbH (Fam. Rauschenbach)
Rechtsanwalt Henrik Rinnert 11,17 % (16,64 %)
Ammax Verwaltungs GmbH 5,65 % (9,81 %): Alleingesellschafter Dieter Ammer
J² Verwaltungs GmbH 3,83 % (6,63 %): Jan Rinnert, Julia Heraeus
Im Juni 2007 übernahm der süafrikanische Medienkonzern Naspers über seine Tochterfirma MIH Group Anteile von den Gründungsgesellschaftern (Gründungsanteile in Klammern). An dem Mitte 2007 mit Neva Media gegründeten Joint Venture Mobile 3.0, das den Zuschlag für die DVB-H Betreiberplattform erhalten hat, ist MFD mit 55 Prozent beteiligt.
Noch bevor auch dieses Projekt offiziell abgebrochen wurde, tritt MFD-Gründer Henrik Rinnert öffentlich als Co-Geschäftsführer des Österreich-Zweiges des Sendenetzbetreibers Media Broadcast auf.




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