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Kann es nur einen geben? DxB als Mittelweg?

Allen Leuten, die sich für das Fernsehen auf dem Handy interessieren, kann es eigentlich egal sein, wie das Kind heißt, wer daran verdient, welche Frequenzen benutzt werden und erst recht, wie sich die Landesmedienanstalten zu Technologien positionieren. Entscheidend sind sicher das Programmangebot, die Kosten und die einfache Nutzung.

T-Systems beurteilt als Dienstleister für die Inhalteanbieter die Lage so: „Da die Erfüllung möglichst vieler Zuschauerinteressen 'der' kritische Erfolgsfaktor von MobileTV ist, müsste selbstverständlich die Wahl auf DVB-H fallen.“ Nachdem DMB aufgrund der Frequenzsituation früher an den Start gehen konnte, zeichne sich ein Nebeneinander beider Techniken ab. Die Mobilfukunternehmen, die die Dienste letztendlich an den Kunden bringen sollen und wollen, bevorzugen eindeutig DVB-H.

Besser wäre jedoch eine universelle Lösung, das liegt auf den ersten Blick nahe. Ein Standard, eine Gerätetechnik - langfristig das ist für den Verbraucher günstiger. Klaus Illgner-Fehns, Geschäftsführer des Instituts für Rundfunktechnik fasst das so zusammen: „Egal, ob DMB oder DVB-H auf dem Gerät steht – es geht nur um den erlebbaren Mehrwert.“ (Quelle)

Die Technikentwicklung orientiert sich in Richtung auf solche „One for all“-Lösungen. So wird bei Samsung an Hardware gearbeitet, die DMB- und DVB-H-Signale darstellen kann. Bei Dibcom entstand das Referenz-Design eines Diversity-Kombiempfängers für DVB-T und DVB-H. Aus Israel meldet Siano einen Quadband-Chiptuner (UHF, VHF, L1, L2) und einen Signalverarbeitungschip für DVB-T, DVB-H, DAB und DMB; beide Silicons werden auf Miniplatinen mit SD- oder USB-Schnittstelle angeboten.

Solche technischen Lösungen auf der Empfängerseite sprechen für den „Tanz auf zwei Hochzeiten“, den derzeit die Landesmedienanstalten praktizieren. Sie wollen offenbar keine der Industriegruppen vor den Kopf stoßen, die für DVB-H bzw. DMB stehen (und mit ihren Patenten und Produkten daran verdienen wollen).

Noch zwei Kürzel - „DxB“ und „eDAB“

Bevor diese Lösungen produktionsreif waren, wurde ein weiteres Projekt für die Senderseite angeschoben.

Einer der wichtigen Unterschiede von DVB-H und DMB ist, dass bei DVB-H die Daten ähnlich wie beim Web-Streaming auf Grundlage der Internet-Protokollfamilie als „IP Datacast“ abgestrahlt werden. DVB-H weist damit auch interaktive Funktionen auf. DAB und DMB hingegen nutzen einen MPEG-Transportstrom. Zwar können begleitende Datendienste gesendet werden, DMB fehlt jedoch die für multimediale internetähnliche Anwendungen notwendige Interaktivität. Beide Systeme „passen“ eigentlich nicht zusammen.

Verschiedene Forschungsinstitute und Firmen arbeiten im Projekt DxB (Digital Extended Broadcasting) an einer übergreifenden sendetechnischen Lösung, um die beiden „feindlichen“: Plattformen dennoch unter einen Hut zu bringen. Im Prinzip geht es darum, einen einzigen Datenstrom auf Basis von IP-Protokollen zu senden und damit beide Plattformen zu bedienen. „DxB ist keine Technologie, sondern ein Systemkonzept zur Harmonisierung“, erläutert Dr. Ralf Schäfer vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut, wo das Projekt initiiert wurde.

Das DxB-Projekt wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Partner sind das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, das Institut für Rundfunktechnik, Siemens, Sony, T-Systems und Vodafone. Greifbare Ergebnisse sollen im Herbst 2006 vorliegen.

Ende Mai 2006 begann die Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen LfM einen
technischen Betriebsversuch mit DxB. Noch im Laufe des Jahres soll ein Sender in Betrieb gehen. Das Zusammenwirken der verschiedenen Sendetechniken wird erprobt, um Erkenntnisse für Endgeräte und deren Handhabung abzuleiten. Ergebnisse werden nicht vor März 2008 vorliegen und sollen in eine erweiterte Plattform für DAB - dann eDAB (extended DAB) geheissen - einfließen.

Das liest sich ganz im Sinne der Verbraucher. Allerdings könnte es, bis DxB marktreif ist, schon fast zu spät für eine Einführung sein. Bis dahin dürfte auch DVB-H in die Spur gekommen sein und bisher ist unklar ob bis dahin verkaufte DMB- und DVB-H Endgeräte für die Kompromißtechnik geeignet sein werden.

Außerdem fragt, sich, ob DxB dann - angesichts der oben beschriebenen Multi-Standard-Technologien - schlicht überflüssig sein könnte. Diensteanbieter, die auf Interaktivität Wert legen, würden sich für DVB-H entscheiden, andere für DMB - und dennoch können alle Dienste mit einem Gerät genutzt werden. Dahin könnte der Trend gehen, nachdem der für die Entwicklung von DAB zuständige Organisation WorldDAB sich im Juli 2006 gegen DxB ausgesprochen hat.

DVB-H via Satellit

Einen anderen Weg beschreitet der französische
Alcatel-Konzern. Das terrestrische DVB-H soll im Projekt „Unlimited Mobile TV for Mass Market“ um eine Satelliten-Option erweitert werden. Gesendet wird dann nicht nur terrestrisch im UHF-Bereich, sondern auch via Satellit im S-Band (2,2 Gigahertz). Die hybride Lösung biete unbegrenzte Netzabdeckung, wodurch ein unbegrenztes Publikum ohne Qualitätsverlust mit TV-Empfang versorgt werden könne, heißt es dazu. Dabei wird ein vom Satelliten aus großflächig verbreitetes Programmangebot über terrestrische Umsetzer (Repeater) für den Indoor-Empfang aufbereitet. Teile eines breitbandigen Gesamtsignals können in einzelnen Ländern und dort auf Frequenzen, die sich gegenseitig nicht stören, weiter verbreitet werden.

Alcatel brachte das Vorhaben ins DVB-Projekt ein und führte einen ersten Praxistest der Systemtechnik im Juli 2006 durch. Im Februar 2007 wurde die Technik im DVB-Projekt als DVB-SH in zwei Varianten standardisiert. DVB-SH A setzt COFDM für beide Strecken ein, während DVB-SH B auf der Sat-Strecke das Verfahren Time Division Multiplex (TDM) verwendet.




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