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Digitalradio: Privatradios in Sachsen (1/4)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Überraschung: 37 Bewerbungen gingen auf die Ausschreibung der SLM vom Oktober 2021 ein. Weil die Kapazitäten für alle reichten, bekamen alle ihre Zulassungen. Nach Änderung des TKG können sie sich erstmals einen Plattformbetreiber „auswählen“. Das Interesse hat aber vielleicht auch einen Haken.

Zur Ausschreibung waren fünf Multiplexe gelangt, die zusammen erstmals eine überregionale Struktur der DAB+-Versorgungsgebiete im Freistaat Sachsen ergeben. Zwei landesweiten Bedeckungen bedienen einerseits die Interessenten an einer landesweiten Verbreitung, von denen etliche nicht in Sachsen beheimatet sind.


Sachsen: Programmangebot | Nationale Muxe | Chronik


Die für drei Gebiete regionalisierte zweite Bedeckung trifft dagegen die Bedürfnisse der schon über UKW aktiven großen Privatprogramme Sachsens. Sie können die Reichweiten ihrer lokalen Auskopplungen in den drei Senderegionen zum Teil erweitern, wofür es auf UKW keine Chance gibt.

Landesweites Ensemble

Auf Landesebene wird sich ein Mix aus lokalen DAB+-„Aufsteigern“ und Anbietern mit auswärtigen Wurzeln etablieren. Zur erstgenannten Gruppe gehören Detektor FM und Second Radio. Deren bisherige Präsenz im Leipziger Lokalmux bzw. in beiden sächsischen Stadtmuxen wird damit überflüssig. Aus diesem Bild fällt nur das Rundfunk-Kombinat Sachsen, mit dem der Sächsische Landesverband Freier Radios e.V. i.G. einen Platz für seine Mitgliedsradios geblockt hat.


Hingegen sind Oldie Antenne, Radio Teddy und das Schlager Radio für ihre Strategie des bundesweiten Ausbaus über landesweite Ressorucen bekannt. Aus Bayern zielt das Funkhaus Würzburg mit einem Ableger der Marke Galaxy auf die Erweiterung der bayerischen Hörerschaft auf Publikum in Sachsen. Erstmals schaut auch Skyline Medien (RTL-Gruppe) mit Jam FM über ihre bisher einzige DAB+-Region Berlin hinaus. Ostrock, ein Ableger von Secondradio, wurde nachträglich zugelassen.

Dreimal regional gibt einmal landesweit

Norden, Osten und Südwesten mit den Zentren Leipzig, Chemnitz und Dresden beschreiben die Versorgungsgebiete der drei geplanten regionalen Multiplexe zumindest schlaglichtartig. Die drei Regionen ergeben zusammen eine landesweite Bedeckung. Das nutzen u.a. überregionale Programme aus Sachsen, die schon auf UKW lokale Ableger anbieten. Dafür war der Andrang mit bis zu 15 Bewerbern am Stärksten.

In allen drei Regionen wollen die großen Player des Bundeslandes
Das 3-Regionen-Konzept. Karte SLM, klickbar.
um Hörerschaft kämpfen. Dabei sind die BCS-Gruppe mit seiner Antenne-Marke, Hitradio RTL und Energy. Die in zahlreichen DAB+-Regionen aktive Regiocast-Gruppe hat sich mit ihren überregionalen sächsischen Stationen PSR und R.SA für die regionale Struktur entschieden. R.SA ging bereits 2016 als erstes Privatprogramm im Rahmen eines Projektes auf DAB+-Sendung. Dieser Gaststatus im MDR-Ensemble endet laut SLM-Beschluß mit „einer sachsenweiten Einführung von DAB+“.

Mux Nord (Leipzig)

Mux Ost (Dresden)

Mux Südwest (Chemnitz)


Mantel und Fenster

Für die BCS-Gruppe soll die Sächsische Lokalrundfunk Dienstleistungsprogramm GmbH & Co. Studiobetriebs KG ein Mantelprogramm in allen drei Regionen ausstrahlen. Die BCS-Lokalsender Radio Dresden, Radio Lausitz und Radio Chemnitz wurden als Fensterprogramme zugelassen. Auch die konkurrierende Energy-Familie kündigt ein Mantelprogramm an. Die Regionalwellen für Chemnitz, Dresden und Leipzig haben den Status von Fensterprogrammen.

Neuer lokaler Multiplex für Dresden

Mit den beiden Small Scale-Ensembles Leipzig und Freiberg läuft es ganz gut - hatte es bisher den Anschein. Weil aber die dritte Aufschaltung des Chemnitzer Stadtensembles - angeblich wegen Problemen mit der Frequenzzuteilung - seit der Programmzulassung im Oktober 2020 auf sich warten läßt, kam die Ausschreibung einer vierten Sendeinsel für Dresden unerwartet. Andererseits scheiterte ein Lokalmux in der Landeshauptstadt 2018 nicht etwa am Interesse der Radios sondern an unzureichenden Fördermitteln, wie der damalige SLM-Geschäftsführer Deitenbeck verlauten ließ. Mit 8 Bewerbungen fand dieser Mux jetzt allerdings das geringste Interesse der 2021er Ausschreibungen.

Stadtmux Dresden


Sächsische Stadtmuxe ohne Zukunft?

Allerdings werden die bisherigen DAB+-Stadtensembles von der neuen großflächigeren regionalen Struktur angegegriffen. Dorthin wechseln werden u.a. die Stadtsender der BCS-Gruppe, Schlager Radio, Second Radio, 90s90s, EgoFM und Radio Blau sowie fünf Programme im inaktiven Chemnitz-Mux. Doppelt in einer Stadt und der umgebenden Region bzw. landesweit vertreten zu sein, macht natürlich keinen Sinn.

In Leipzig verblieben dann höchstens acht von 14 Programmen. Ob der seit 2020 nicht aktive Chemnitz-Mux, der vom Uniradio UNICC angeschoben wurde, mit höcshtens vier von ursprünglich zugelassenen neun Programmen. Schlimm sieht es mit dem Freiberger Lokalensemble aus. Dort werden wohl nur die kleinen wirklich lokalen Pogramme InPulz und Ostrock übrig bleiben.

Ob BCS sein Gemeinschaftsprogramm Apollo in Leipzig halten will und ob die nichtkommerziellen Radios Mephisto (Leipzig) und Unicc (Chemnitz) künftig im „Kombinat“ der freien Radios vertreten sein werden, kann erst später gesagt werden.
Programme, die aus den Stadtmuxyen wecsheln, sind hier gedimmt dargestellt (klickbar).
Können die in den Stadtmultiplexen verbleibenden - in Freiberg nur zwei - Programme den Sendebetrieb allein tragfähig finanzieren? Welche Zukunft haben Programme, die nicht gewechselt haben, wenn ihre Multiplexe aufgegeben werden müssen?

Die Medienanstalt SLM ist gefordert, die digitalterrestrische Zukunft aller lokalen Programme zu gewährleisten.

Veranstalter suchen sich ihren Plattformbetreiber erstmals selbst

Die 37 Zulassungen für die neue Struktur gelten „zunächst für die Dauer von zehn Jahren“ und zwar ab dem Monatsersten der Bereitstellung der Sendetechnik“, so die SLM im Frühjahr 2022. Die Medienwächter hüteten sich aber davor, eine Orientierung zu Startterminen zu geben - von einem breit interpretierbaren „in naher Zukunft“ einmal abgesehen. Dies war mit dem Hinweis verbunden, dass den 37 noch eine Aufgabe bevorsteht: „Die Zulassungen erstrecken sich nicht auf die Modalitäten der technischen Bereitstellung der Übertragungskapazitäten. Hierfür ist eine gesonderte Vereinbarung zwischen dem jeweiligen Lizenznehmer (nach TKG: Inhalteanbieter) und den Betreibern der Sendeanlagen (§ 96 Abs. 1 TKG) erforderlich.“

Das heißt im Klartext: Die Programmanbieter jedes Multiplexes müssen sich miteinander über einen Betreiber für das jeweilige Sendernetz einigen. Und mit diesem müssen sie sich zu den Kosten (und damit auch zur Ausbaustrategie und deren Finanzierung) vereinbaren. Klappt das nicht, muss die Bundesnetzagentur den Plattformbetrieb ausschreiben, was einige Verzögerungen bedeuten dürfte.

Ende August 2022 wurde bekannt, dass sich die Radioveranstalter mit dem Sendenetzer Divicon Media Holding, der bereits die Stadt-Muxe Leipzig und Freiberg betreibt, vereinbart haben. Es ist die erste Berufung eines Plattformbetreibers auf der genannten Rechtsgrundlage.

Die Vereinbarung betrifft die drei regionalen Multiplexe für den Norden, Osten und Südwesten des Bundeslandes sowie für die Stadt-Ensembles Dresden und Chemnitz. Divicon will u.a. in den Neubau eigener Antennenanlagen in Chemnitz und Dresden investieren. Divicon setze „auf digitale Signalzulieferung, redundant abgesicherte Sendekonzepte und ein 24/7-Monitoring im Network-Operation-Center in Leipzig“. Parallel zum Zustimmungsverfahren habe man bereits Vorbereitungen für den Sendebetrieb getroffen. Dieser soll, so das Unternehmen, „im Frühjahr 2023“ beginnen. In welchem Umfang die Versorgung von Anfang an einsetzt bzw. später ausgebaut wird, verlautete nicht.

Immerhin war ein Maximalprogramm für die Senderstandorte schon im Juli 2022 der wöchentlichen Liste der Bundesnetzagentur zu entnehmen:
Landesweiter Mux : Block 12A Leipzig-Messegrund, Chemnitz, Chemnitz-Reichenhain, Schöneck, Dresden-Wachwitz, Löbau, Reichenbach Vogtl. mit je 10 kW Sendeleistung.
Nordmux (Region Leipzig) : Block 10A Leipzig-Messegrund, Roitzsch (je 10 kW), Oschatz (9 kW).
Südwestmux (Region Chemnitz) : Block 8A Chemnitz, Chemnitz-Reichenhain, Schöneck (je 10 kW), Freiberg Ost (2 kW).
Ostmux (Region Dresden) : Block 7A Dresden, Neustadt i.S. (je 10 kW), Hoyerswerda, Löbau (je 9 kW), Görlitz Stadt (2 kW), Zittau (1 kW).
Stadtmux Dresden : Block 8C Dresden-Wachwitz (2 kW).
Stadtmux Chemnitz : Block 5B Chemnitz-Reichenhain (2 kW).

Der Plattformbetrieb des landesweiten Multiplexes ist nicht Teil der Vereinbarung mit Divicon Media Holding.

Things to come ...

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Senderseiten für Sachsen.
Hintergrund: Small Scale DAB+.
Neue Sachsen-Ensembles ab Frühjahr 2023 vom 25.8.2022.
Femotion bald in Bremen und Sachsen? vom 21.7.2022.
Startet der Chemnitz-Mux im Juni? vom 21.3.2022.
SLM bringt 37 DAB+-Programme auf den Weg vom 1.3.2022.
37 Interessenten für Sachsen-Ensembles vom 14.12.2021.
DAB+ auch landesweit und regional für Sachsen vom 6.10.2021.
10 Programme für den Chemnitz-Mux vom 5.10.2020.
Stadtmuxe Leipzig und Freiberg im Regelbetrieb vom 1.2.2020.
R.SA-Projekt verlängert / Small Scale vor Start vom 16.1.2018.

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Diese Seite wurde zuletzt am 25.08.2022 geändert.
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