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DAB+: Privatmux - was vorher geschah (2/2)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Die Bemühungen, die drei landesweit aktiven und andere Privatradios Thüringens auf den DAB+-Weg zu bringen, scheiterten mehrfach seit 2011. Nach der Ausschreibung für eine Programmplattform dauerte es jedoch lange, bis der Sendestart in Sicht kam.

Mit Antenne Thüringen und der Landeswelle Thüringen nutzen zwei Privatsender mit ihren regionalen Inhalten ein leistungsstarkes UKW-Netz. Der Antenne-Ableger RadioTop40 sendet in einem Lowpower-Netz auf UKW. Ein weiterer Antenne-Ableger ist die 2021 im Web gestartete Classics-Welle. Eine landesweite Zulassung hat außerdem der kommerzielle Kindersender Radio Teddy. Vogtlandradio ist der einzige lokale Kommerzsender des Bundeslandes. Darüberhinaus werden mehr als zehn lokale Sender als Einrichtungsfunk, Offene Kanäle o.Ä. geführt.


Thüringen: Programmangebot | Nationale Muxe | Chronik


Ausschreibungen für DAB+ waren 2010, 2011 und 2013 ohne Bewerbungen verpufft. 2015 machte die TLM einen Grund für das Desinteresse der Privaten aus: Die zusätzlichen Kosten des Simulcast von UKW und DAB+ sind nicht finanzierbar. Daher forderte TLM-Direktor Jochen Fasco die Landesregierung auf, Fördermittel für den Einstieg der Privatradios bereit zu stellen. Die Landesregierung stellte dem die Bedeutung der Bürgermedien und deren Finanzierung durch die TLM entgegen. Damit spielte die Politik zwei an der digitalen Terrestrik potenziell interessierte Gruppen gegeneinander aus.

Privatradios brauchen Förderung

Schon ein paar Monate später im Januar 2016 stellte die Versammlung der TLM einen Trend fest: „Die Nutzungszahlen für digitale Programme steigen, so dass sich das Gremium auch mit der Frage der Beteiligung privater Thüringer Veranstalter an der digitalen Verbreitung beschäftigte.“ Mit den drei landesweiten Radios auf DAB+ war damals nach Gesprächen aber nicht zu rechnen.

Die TLM sah sich weiterhin nicht in der Lage, eine Förderung aus dem eigenen Etat zu schaffen. Die Anstalt wiederholte ihre Aufforderung an die Landespolitik. Weil aber die gesetzliche Grundlage für eine Förderung erst geschaffen werden müsste, war ein DAB+-Mux für Privatradios für Thürigen auf Jahre nicht absehbar. Zudem hatte die TLM ein Angebot des MDR für eine Zusammenarbeit abgelehnt, und damit diese kurzfristig realisierbare (und in etlichen Bundesländern praktizierte) Lösung verhindert.

Ein weiteres Jahr später und angesichts der Entwicklung zugunsten von DAB+ wiederholte TLM-Direktor Jochen Fasco seine Forderungen an den Landtag zu prüfen, „ob es Formen der finanziellen Unterstützung für private Veranstalter geben kann“. Er verwies auf den Verfassungs-Auftrag an die Politik, „für ausgewogene Verbreitungsmöglichkeiten zu sorgen“.

Im März 2018, nach einem weiteren Jahr, kündigte die TLM eine Interessensbekundung an. „Mit dem Aufruf sollen die Diskussion der privaten Thüringer Radiosender befördert, notwendige Frequenzen für die Beteiligung der privaten Hörfunkveranstalter gesichert, neue Interessenten angesprochen und im Ergebnis eine Thüringer Netzplanung begonnen werden.“ Weitere Veröffentlichungen dazu wurden nicht bekannt.

2019: MDR-Länder auf Platz 2 bei der Haushaltsausstattung

Einen Sinn machen die Bemühungen um das Engagement der Privatradios. Die Haushaltsausstattung in den drei MDR-Bundesländern stieg laut dem Digitalisierungsbericht Audio 2019 der Landesmedienanstalten in den letzten Jahren kräftig: 2016 lag der Wert bei 14,2 Prozent und war bis 2018 auf 19,2 Prozent gestiegen. Von da bis Mitte 2019 machte der Wert einen Sprung um rund 25 (!) auf 24,1 Prozent. Damit belegt Thüringen gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Sachsen Platz 2 der bundesweiten Statistik. Nur für Thüringen nennt die TLM
DAB+-Ausstattung.
Grafik: Digi-Bericht Audio 2019 (klicken zum Vergrößern).
eine Haushaltsausstattung von 15 Prozent im Jahr 2017. Gleichzeitig erreiche die Versorgung mit DAB+ (also nur des nationalen und des MDR-Multiplexes) 84 Prozent.

TLM wartet auf Zuteilung einer Frequenz

Mitte 2019 entstand endlich Bewegung: Die Versammlung der TLM bereitet eine Ausschreibung für landesweite Privatradios vor. Das Gremium hält DAB+ für sinnvoll hinsichtlich der „Perspektiven für den privaten digitalen Hörfunk in Deutschland ... im Interesse des Katastrophenschutzes und der Verkehrstelematik“. Man votierte auch für die „Einbeziehung weiterer Geräteklassen wie Mobiltelefone und DAB+-Empfänger in LKWs“ - eine Anspielung auf die ab Ende 2020 EU-weit geltenden EU-Vorgaben zu Hybridtunern, die nur die Autoradios in PKWs betreffen.

Die TLM ziele auf die kommerziellen Sender. Nichtkommerzielle Radios bleiben außen vor, weil „die TLM keine Finanzierung für die Bürgerradios neben der UKW-Verbreitung ermöglichen kann“.

Die Ausschreibung war für September 2019 angekündigt. „Die Thüringer Staatskanzlei hat auf die Thüringer Bedarfsanmeldung bislang keine Rückinformation der Bundesnetzagentur erhalten“, teilte die TLM wenig später mit. Die Zuweisung der Frequenz wolle man jedoch abwarten. Das war auch im Dezember 2020 Stand der Dinge.

Inoffiziell hatte die BNetzA bereits den Kanal 12B in Aussicht gestellt. Laut der BNetzA-Senderliste von Anfang September steht Kanal 12B für alle thüringischen Standorte zur Verfügung, von denen auch der MDR sendet. „Die Mitnutzung von errichteten Sendern des 1. Bundesmultiplexes und des MDR-Multiplexes macht Sinn“, teilte die TLM dazu mit. Ein Problem wird aber geltend gemacht: Eine Studie der TLM und der Staatskanzlei hatte sich mit der unzureichenden Versorgung von Erfurt beschäftigt. Für den Kanal 12B hat BNetzA auch einen Sendestandort „Erfurt Ost“ vorgesehen. Für diesen und alle anderen MDR-Standorte hat BNetzA auch den Kanal 11A reserviert.

Vorentscheidung im November 2019, Sendestart im Oktober 2021

Gerade noch rechtzeitig vor dem Ende der Amtszeit schaffte die TLM-Versammlung die Ausschreibung eines kompletten Multiplexes. Dafür wurden sowohl ein Plattformbetreiber gesucht als auch Radioprogramme angefragt. Das Netz soll zunächst für den Raum Erfurt/Weimar errichtet und kann später „bedarfsorientiert in Stufen“ landesweit ausgebaut werden.

Um den Plattformbetrieb hatten sich die etablierten Sendetechnik-Dienstleister Divicon Media und Media Broadcast sowie die schon genannte Digital Radio Thüringen GbR beworben. Spekulationen richteten sich darauf, dass der letzgenannte Bewerber von den UKW-Radios im Bundesland ausging.

Mitte Juli 2020 gab die TLM-Versammlung ihre Entscheidung zugunsten der Leipziger Divicon Media bekannt, die als Plattformbetreiber das Sendenetz aufbauen, und auf acht Jahre mit zugelassenen Programmen belegen kann. Dazu gehören auf alle Fälle die drei landesweit auf UKW sendenden Privatradios und eine ihrer DAB+-exklusiven Neugründungen.

Nach einiger Verzögerung teilte die Bundesnetzagentur dem Vorhaben den Block 12B zu, so dass die beiden zum Start geforderten Senderanlagen aufgebaut werden konnten. Gleichwohl verzögerte sich der Sendestart offenbar weiter - von September auf Oktober 2021, Ankündigungen der Medienanstalt TLM folgend.

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Senderseiten für Thüringen.
TLM vergibt DAB+-Plattform an Divicon vom 15.7.2020.
Bewerbungen für den Thüringen-Mux vom 10.1.2020.
TLM schreibt Privatmultiplex für Thüringen aus vom 18.11.2019.
DAB+-Privatradios für Thüringen auf dem Weg vom 21.6.2019.
„Call for Interest“ für Thüringen in Vorbereitung vom 7.3.2018.
TLM-Chef fordert Unterstützung vom Land vom 7.1.2017.
Nachdenken über Private für Thüringen (2) vom 22.1.2016.
Nachdenken über Private für Thüringen (1) vom 21.1.2016.
TLM fordert Umstiegsförderung für DAB+ vom 27.8.2015.
Ausschreibung für Thüringen (2) vom 14.5.2013.
TLM schreibt landesweit aus vom 15.10.2011.
Kaum Bewerbungen für Mitteldeutschland vom 10.5.2010.

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