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DAB+: Zweiter Bundesmux in den Startlöchern (1/2)

Digitalradio-Schriftzug ab 6/2015 Deutschland DAB+ machts möglich: Am 1. August 2011 startete erstmals ein nationales Radiopaket. Schon im November 2011 wurde ein zweiter nationaler Multiplex orakelt. Mitte 2016 wurde die Verwirklichung angegangen. Derzeit läuft das Zuweisungsverfahren für eine Betreiber-Plattform.

2016: Ein neuer Bewerber meldet sich

Nach mehreren ergebnislosen Initiativen hat eine Digital Audio DAB+ GmbH Greifbares ausgelöst. Der Leipziger Unternehmer Steffen Göpel hatte sich im Frühjahr 2016 bei den Medienanstalten als Betreiber einer nationalen Sendeplattform ins Gespräch gebracht. Geschäftsführer ist Florian Schuck; er steht auch an der Spitze von The Radio Group, einer Holding von 18 Lokalradios in Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland und Brandenburg. Den Landesmedienanstalten liegt „eine Interessensbekundung (für) Übertragungskapazitäten für einen zweiten bundesweiten privaten Digitalradio-Multiplex“ vor, wurde von dort bestätigt.

Ob die Digital Audio DAB+ GmbH einen bundesweiten Multiplex oder ein auf Ballungsräume begrenztes Sendenetz konzipiert ist nicht bekannt. Die Beantragung scheint aber überzeugt zu haben, denn die Medienaufsicht reagierte - ganz anders als bei früheren Initiativen - überraschend schnell: Schon Mitte Mai 2016 und nach einer Äußerung des Vorsitzenden der Direktorenkonferenz der Medienanstalten Siegfried Schneider, schien dort hinter den Kulissen Einigkeit zu bestehen: „Die Landesmedienanstalten sprechen sich für die Einrichtung eines zweiten bundesweiten DAB+-Multiplex aus und werden die entsprechenden Kapazitäten nach einem Frequenzzuordnungsverfahren bundesweit ausschreiben.“

Spekulationen um weitere Plattformanbieter

Neben Steffen Göpel, dem der Anstoß an der später erfolgten Ausschreibung (s.u.) zuzurechnen ist, wurden bis Ende 2016 weitere potenzielle Bewerber um die Sendeplattform genannt. An erster Stelle steht die Bauer Media-Gruppe, das nach eigener Angabe „mit täglich 24 Millionen Hörern größte Radiohaus Europas“. Viele der 80 britischen Radiostationen des Konzerns werden dort über DAB verbreitet. „Bauer Media ist mit 11 Millionen Digitalradio-Hörern pro Woche der Marktführer unter den privaten Rundfunkunternehmen in Großbritannien“. Interessant: Bauer Media ist in UK auch an der dortigen nationalen Senderplattform Sound Digital für Digitalradio beteiligt und könnte sich in Deutschland - mangels eigener Radioprogramme - in diesem Bereich anbieten. Einzige deutsche Hörfunkbeteiligung ist Radio Hamburg. Das könnte sich ändern - angeblich sollen Profis aus England und Finnland Radiokonzepte für Deutschland entwickeln.

Ein Investment bei DAB+ wäre für die Uplink Network GmbH „technisch und kommerziell sehr interessant“, zitiert Meedia den Geschäftsführer Michael Radomski kurz nach der Ausschreibung. Das Düsseldorfer Unternehmen betreibt UKW-Sendeanlagen und die Signalzuführung vom Studio zum Sendeturm. Investoren sind u.a. der frühere Focus-Chefredakteur Markwort und Ex-Bundespostminister Schwarz-Schilling. Im Zuge der Übernahme der Technikfirma Derutec wurde Regiocast 2014 beteiligt. Das ist der Veranstalter zahlreicher Radioprogramme auf UKW und im ersten nationalen Mux sowie diversen Bundesländern.

Als Kandidat ist selbstverständlich auch Media Broadcast zu nennen. Der inzwischen zur Freenet AG gehörende Dienstleister hat jahrzehntelange Erfahrungen mit dem Betrieb terrestrischer Sendeanlagen für Radio und Fernsehen und betreibt bei DAB+ u.a. den nationalen und den Hamburger Privat-Multiplex und bei DVB-T2 HD die Plattform Freenet TV. Mit dem bis Mitte 2018 geplanten Verkauf der UKW-Netze will man eine „klare Digital-Strategie“ in den „Wachstumsfeldern DVB-T2 HD und DAB+“ einleiten.

Dezember 2016: Die Bundesländer und Medienanstalten bringen Mux2 auf den Weg

Den Beschluß der ZAK-Kommission der Medienanstalten vom 21. Juni 2016, die Frequenzen anzumelden, begründete Schneider mit dem „nachhaltigen Interesse des Marktes an der bundesweiten Verbreitung eines Hörfunkpakets über DAB+“ (...) Ein das bisherige DAB+-Angebot ergänzendes „weiteres bundesweites Hörfunkangebot erweitert nicht nur die Angebotsvielfalt im digitalen Hörfunk, es kann auch einen Beitrag zur künftigen Entwicklung des digital-terrestrischen Hörfunkmarkts leisten“.

Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer gaben am 8. Dezember 2016 den Weg für den zweiten nationalen DAB+-Multiplex frei. Der Beschluß hat folgenden Wortlaut:
„Die zur Realisierung der gemeinsamen Bedarfsanmeldung der Länder vom 19. September 2016 zur Verfügung stehenden Übertragungskapazitäten für eine zweite bundesweite Versorgung mit digitalem Hörfunk werden auf der Grundlage der Verständigung von ARD, Deutschlandradio und Landesmedienanstalten nach § 51 Abs. 2 RStV bis zum 8. Dezember 2036 den Landesmedienanstalten zugeordnet.“
Schon am nächsten Tag veröffentlichte die ZAK ihre vorbereitete Ausschreibung der Programm-Plattform. Die bis zu 15 neuen national verbreiteten Radios seien „nicht nur ein Zugewinn an Vielfalt, wir versprechen uns davon auch einen Schub für die DAB+-Reichweite insgesamt“, so wiederum Siegfried Schneider.

Kriterien für die Vergabe, ...

Die Plattform-Ausschreibung der Landesmedienanstalten gibt bereits allgemeine Bedingungen für das spätere Programmangebot vor. Erwartet wird, dass das Konzept
a) die Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt fördert,
b) auch das öffentliche Geschehen, die politischen Ereignisse sowie das kulturelle Leben darstellt und
c) bedeutsame politische, weltanschauliche und gesellschaftliche Gruppen zu Wort kommen lässt.
Neben der wirtschaftlichen Perspektive soll berücksichtigt werden, ob „Nutzerinteressen und -akzeptanz hinreichend berücksichtigt sind und inwieweit die Plattform eine Vielfalt unterschiedlicher Veranstalter aufweist“.

... Bewerbungen für die Sendeplattform und ...

Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 24. Februar 2017 waren foglende vier Bewerbungen eingetroffen:
Media Broadcast Die heutige Tochter der Freenet AG kann auf jahrzehntelange Erfahrung mit Sendetechnik verweisen. Es betreibt den ersten nationalen DAB+-Mux und das lokale Hamburger Angebot.
DABP GmbH Die Firma des Leipziger Immobilienunternehmers Steffen Göpel gab den Anstoß für die Ausschreibung zum Bundesmux 2.
Absolut Digital Die Nürnberger Firma betreibt Absolut Relax im Bundesmux und Absolut Hot (DAB+ Hessen, Bayern). Geplant sei ein Paket aus 16 eigenen Spartenprogrammen unter dem Label „Absolut“.
Radi/o digital Dahinter stehen Peter Löw (Investor u.a. bei der insolventen Agentur dapd) und Ulrich Ende (Ex-Chef von N24). Sie wollen Löws Agentur Spot on news, die auf Unterhaltung, Lifestyle sowie Gesundheit fokussiert ist, um das Radiogeschäft erweitern. Sie wollen offenbar von national konzipierten Werbekampagnen profitieren.
Die oben zitierten Spekulationen waren also nur teilweise zutreffend. Sowohl der Bauer-Konzern als auch Uplink und die anderen neuen Betreiber von UKW-Sendenetzen haben sich herausgehalten.

Die ZAK wird sich nun am 7. März 2017 mit den Bewerbungen beschäftigen und ggfs. bei den dazu eingeladenen Bewerbern nachfassen. Die formale Zuweisung an den Betreiber könnte noch vor der Jahresmitte 2017 erfolgen, so die ZAK.

... Spekulationen um interessierte Programme

Der ausgewählte Plattform-Betreiber muss das Sendenetz kalkulieren, planen und errichten. Er kann - ohne gesondertes medienrechtliches Verfahren - Programme in sein Paket aufnehmen, sofern diese bereits für eine bundesweite Verbreitung lizenziert sind.

Über die bis zu 15 oder 16 Programme kann bis zur Bekanntgabe nur spekuliert werden. Genannt wurden u.a. das Evangeliumsradio mit seiner zweiten Welle ERF Pop oder der Kindersender Radio Teddy. LuLu Media war bei der letzten Lizenzrunde für den nationalen Kanal 5C unterlegen und hatte schon zuvor starkes Interesse an einer Verbreitung über die Ballungsräume Berlin und Hamburg hinaus deutlich gemacht. Aus Bayern brachten sich Kultradio und Rockantenne ins Gespräch. Bundesweite Pläne soll die FFH-Gruppe für ihre in Hessen digital sendende Jugendwelle Planet Radio verfolgen. Im Zusammenhang mit dem Ende 2019 endgültig auslaufenden NRW-Pilotprojekt wird Domradio als interessierter Radioveranstalter von der Medienanstalt LfM genannt. Auch das 2012 lizenzierte Bibel TV Radio galt als Interessent - sofern die Lizenz nicht bereits wegen Nichtwahrnehmung erloschen ist.

Plattformkonzepte

„Absolut Digital bietet ein Plattformkonzept mit 16 eigenen Sendern unter der Dachmarke Absolut an“, teilte das Untermehmen zum Bewerbungsschluß der Plattform mit. Ob dieses Konzept den zitierten Erwartungen der Medienwächter an eine publizistische Vielfalt entspricht, wird man sehen.

Mitbewerber Radi/o digital verfolgt im Grunde das gleiche Geschäftsmodell, will aber Gespräche mit anderen Anbietern nicht ausschließen. Man setzt nach eigenen Angaben auf das Prinzip „Radio lebt von Personality und Inhalten. Musikplaylisten suchen sich junge Leute dagegen heute im Internet.“ In diesem Sinne wolle mit zunächst acht Wellen starten. Als Programme werden ein Sender für Frauen, ein gesellschaftsrelevantes Wortprogramm mit Talkthemen, ein Jugendprogramm für Digital Natives sowie ein „Überraschungsradio zum Thema Sport“ genannt. Die Wortbeiträge kommen von der Agentur Agentur spot-on-news, die Vermarktung übernimmt Airmotion Media. Beides sind Firmen des radi/o-Partners Peter Löw.

Erste technische Eckwerte für den Multiplex und den Netzausbau

Die „Bedarfsanmeldung für den 2. bundesweiten DAB+-Multiplex“ der Bundesländer vom 28. Juni 2016 legt einige technische Eckpunkte fest. Dabei wird recht vorsichtig formuliert. So heißt es zum Gleichwellenbetrieb: „Der Bedarf soll vorzugsweise mit großflächigen Frequenzverteilgebieten umgesetzt werden.“ Zugleich „sollen überwiegend Sender zum Einsatz kommen, die national und international mit einer Strahlungsleistung von mindestens 10 kW koordiniert werden können.“ Desweiteren wird folgende Marschroute für den Ausbau des Sendenetzes (jeweils ab Zuweisung der Plattform) vorgegeben:
Zum Sendestart:80 Prozent der Bevölkerung jeder Landeshauptstadt der beteiligten Länder. 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit, „ausgelegt für guten Empfang in Gebäuden“.
24 Monate später:Zusätzlich 40 Prozent der Bevölkerung mit 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (indoor) sowie 50 Prozent aller Autobahnstrecken mit 99 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (mobil).
6 Jahre später:70 Prozent der Bevölkerung Deutschlands mit 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (indoor) und 90 Prozent aller Autobahnen mit 99 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (mobil).
Dieses Konzept ähnelt dem des ersten Bundesmuxes, der Ende 2016 - fünf Jahre nach Sendestart - mit 110 Sendestandorten das vorgegebene Versorgungsziel erreicht hat. Das war ein ähnlicher Zeitrahmen.

Noch nichts gesagt werden kann über Frequenzen. Ein Konzept von 2012 nennt die drei Gebiete Nord (Kanal 8A), Mitte (9B) und Süd (7B). Im März 2017 wurde der K 9B für die Bundesländer NRW, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen genannt, was dem alten Netzkonzept Großteils entspricht.

Analoger Behördenfunk und digitales Radio

2016 hatte es um eine bundesweite Nutzung des Kanals 5A gerüchtelt. Dieser steht aber erst bereit, wenn Störungen des benachbarten analogen Einsatzfunks ausgeschlossen sind. Weil das Ende 2011 für NRW, Baden-Württemberg, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen nicht der Fall war, musste der Kanal 5A des DAB-Bundesmuxes 1 während mehrerer „Großlagen“ Ende 2011 mehrfach abgeschaltet werden.

Der analoge und störanfällige „BOS“-Behördenfunk ist sechs Jahre später immer noch nicht überall gegen störungssichere digitale Funktechnik ausgetauscht. Das Problem besteht also weiterhin und die Kanäle 5A und 5B können nur punktuell genutzt werden, so SLM-Direktor Martin Deitenbeck im März 2017. Daraus ergibt sich, dass nur fünf der ursprünglich angedachten sieben (nach einigen Quellen auch acht) nationalen Bedeckungen nutzbar seien. Für den Bundesmux 2 werde bereits auf eigentlich für landesweite Multiplexe gedachte Frequenzen zurückgegriffen. Daher sei ein dritter nationaler Multiplex nicht möglich.

Allein aufgrund der notwendigen technischen Installationen scheint es unwahrscheinlich, dass der zweiten nationale DAB+-Multiplex noch im Jahr 2017 den Sendebetrieb aufnimmt.

Things to come!

Links zum Thema:
Dokument: Ausschreibung vom 9.12.2016.
Dokument: Bedarfsanmeldung vom 28.6.2016.

dehnmedia-Meldung: Verständigungsverfahren beim 2. Bundesmux vom 21.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Betreiberbündnis für den Bundesmux 2? vom 15.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Holt Bundesmux 2 den Kanal 9B zurück? vom 7.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Kein dritter Bundesmux in Aussicht vom 2.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Mehr zum Bundesmux-Plan von Radi/o Digital vom 2.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Vier Kandidaten für Bundesmux2-Plattform (2) vom 28.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Vier Kandidaten für Bundesmux2-Plattform (1) vom 24.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Will Rockantenne in den Bundesmux 2? vom 20.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast will UKW-Geschäft loswerden vom 15.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Ende des DAB+-Pilotprojektes ... (Domradio) vom 23.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Bundesmux 2-Entscheidung im Mai 2017? vom 15.12.2016.
dehnmedia-Meldung: Weiterer Interessent für den Bundesmux 2? vom 15.12.2016.
dehnmedia-Meldung: Ausschreibung für Bundesmux 2 läuft vom 9.12.2016.
dehnmedia-Meldung: MPs bringen Bundesmux 2 auf den Weg vom 8.12.2016.
dehnmedia-Meldung: Auch Kultradio am 2. Bundesmux interessiert vom 20.11.2016.
dehnmedia-Meldung: ZAK kündigt Plattform für Bundesmux 2 an vom 18.11.2016.
dehnmedia-Meldung: Spekulation um Bauer und 2. Bundesmux vom 10.10.2016.
dehnmedia-Meldung: ZAK steht auf Schlager, 2. Bundesmux kommt vom 21.6.2016.
dehnmedia-Meldung: Bundesmux 2 kommt / Masterplan für DAB+ vom 12.5.2016.
dehnmedia-Meldung: ZAK diskutiert über 2. Bundesmux vom 1.5.2016.
dehnmedia-Meldung: Fünf Kandidaten für freien Platz im Bundesmux vom 18.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Gerücht um 2. Bundesmux bekommt Namen vom 14.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Neues Gerücht um 2. Bundesmux vom 4.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Radioabkömmling von BibelTV zugelassen vom 25.4.2012.

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