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DAB+ - Broadcast oder Mobilfunk fürs Radio? (2/2)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Nach der BLM und Teracom ließ auch die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) mehrere Sendetechniken untersuchen. Das geschah mit besonderem Blick auf die wirtschaftliche Effizienz für lokale und regionale Sendenetze. In den Vergleich waren DAB+, DRM+ und LTE-A(dvanced im Broadcastmodus eMBMS) sowie HD Radio einbezogen.

Ausgegangen wird davon, dass die grundsätzliche Entscheidung zwar schon für DAB+ gefallen ist. Das habe bisher aber den lokalen und regionalen Hörfunk und die Bürger- und Ausbildungsradios nicht betroffen. Zu berücksichtigen seien „sehr unterschiedliche räumliche und organisatorische Ausprägungen“ der Lokalradios in Deutschland. „In manchen Ländern haben Lokalfunkgebiete bis zu 150 km Durchmesser, in anderen nur 10 km. Zudem finden sich neben kommerziellem und nichtkommerziellem Hörfunk Bürger- und Ausbildungsfunk sowie Campusradios.“ (Anmerkung: Die einzigen Beispiele mit Sendegebieten nahe der unteren Grenze finden sich in den vier lokalen Multiplexen Bayerns. Die obere Grenze wird z.B. durch Berlin markiert.)

DRM+ sei allenfalls mittelfristig denkbar, stellt die Untersuchung fest. Das Fehlen entsprechender Radios sei ein internationales Problem. Das könnte europaweit zwar durch „Marktentwicklungen und die Bereitstellung von Multinormempfängern befördert werden“. Jedoch wäre „die Relevanz für den deutschen Markt abzuwarten“. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Programmzahl in einem Multiplex beschränkt ist.

Eine Markteinführung des in den US entwickelten HD Radio sei ausgeschlossen. U.a. ist HD Radio in Europa nicht standardisiert und könnte technisch erst nach einer Abschaltung von UKW verwendet werden.

Schlechte Radiokarten für den Mobilfunk

LTE-A bekommt ein eher vernichtendes Urteil - auch mit Blick auf den Wunsch der Mobilfunkunternehmen, dort einzusteigen. Im Zuständigkeitsbereich der Bundesländer fehlen die medienrechtlichen Voraussetzungen. Diese können „nicht nachträglich auf die im Mai/Juni 2015 mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2033 versteigerten Frequenzen des Mobilfunks angewendet werden.“ Zudem fehle es auch an Geschäftsmodellen sowie an Empfangsgeräten, z.B. für den Inhouse-Einsatz.

Mit eMBMS müssten Radioinhalte in den Netzen aller drei Anbieter parallel verbreitet werden. Die hohen Kosten könnten durch ein gemeinsames Vorgehen der drei Netzbetreiber gemildert werden. Die beiden älteren Studien hatten die Kosten von Radio mit LTE-A/eMBMS gegenüber DAB+ mit dem Faktor 35 kalkuliert. Aktuell sei Hörfunk über Mobilfunknetze nur um den Faktor 10 teurer.

Auf die schon praktizierte IPbasierte Radioverbreitung in den Mobilfunknetzen wird nicht näher eingegangen; jedoch wird auf die Kosten von Streaming-Diensten für die Radioveranstalter verwiesen: „Je mehr Hörfunknutzer via Internet das Angebot nutzen und je länger deren Hördauer ist, umso höher sind die Kosten für den Hörfunkanbieter.“

Fazit: DAB+ kann auch lokal wirtschaftlich sein

DAB+ erweise sich - vor allem wegen der Verfügbarkeit von Geräten und Frequenzressourcen - für die genannten Radiokonzepte derzeit als „das einzige geeignete Übertragungssystem für die digitale terrestrische Hörfunkverbreitung“. Um lokale Anbieter in Richtung eines wirtschaftlichen Netzbetriebs zu unterstützen, werden drei Maßnahmen vorgeschlagen:
Zusammenfassung mehrerer lokaler UKW-Verbreitungsgebiete zu einem größeren, gemeinsamen DAB+-Verbreitungsgebiet.
Betrieb eigenständiger lokaler Multiplexe, in denen zusätzlich zum lokalen Angebot nicht-lokal ausgerichtete Programme auf freien Kapazitäten verbreitet werden.
Nutzung von freien Kapazitäten für einen höheren Fehlerschutz zur Verringerung der Infrastrukturkosten.

Diese könnten kombiniert werden, um optimale wirtschaftliche und technische Voraussetungen für lokale DAB+-Multiplexe zu schaffen. So sei die Kombination des zweiten und dritten Vorschlags „besonders für kleine, räumlich isolierte Gebiete (geeignet), die nicht mit anderen Gebieten zusammengefasst werden können“. Zudem könnte mit einem höheren Fehlerschutz die Sendeleistung etwa halbiert - und damit die Sendekosten reduziert - werden. Die Kosten könnten auch durch Einbeziehung weiterer (nicht unbedingt lokal orientierter) Programme in lokale Multiplexe gesenkt werden. „Mit bereits 3 Programmen in einem DAB+-Multiplex sind die Verbreitungskosten pro Programm für DAB+ und DRM+ etwa gleich, bei 4 Programmen ist DAB+ günstiger.“

Links zum Thema:
Hintergrund: Das LTE/eMBMS-Projekt IMB5.
dehnmedia-Meldung zur Vergleichstudie der DLM (27.10.2015).
DLM-Vergleichsstudie im Wortlaut, dazu Presseinfo der DLM (27.10.2015).

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Diese Seite wurde zuletzt am 11.04.2017 geändert.
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