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DAB+ - das geht auch im Fernsehkabel

Kabelanschluß Was unternehmen Kabelnetzer, wenn UKW abgeschaltet wird und Radioprogramme dann terrestrisch nur mit DAB+ verfügbar sind? Im Zusammenhang mit der Kabeldigitalisierung und im Vorfeld der bis 2024 geplanten UKW-Abschaltung in der Schweiz speist UPC Cablecom Radios mit DAB+ in seine Netze ein.

Radio im Kabel ist bisher stets analog und wird aus dem UKW-Angebot in die Kabelnetze übernommen. Weil die Programme auch im Kabel im UKW-Band verbreitet werden, können sie mit jedem angeschlossenen UKW-Radio gehört werden. Vor allem Hifi-Komponenten sind mit einem koaxialen Antennenanschluß ausgestattet.

Würde UKW abgeschaltet, entfiele diese Programmquelle. Als Ersatz scheinen sich zwei Möglichkeiten anzubieten. Eine Analog-Umwandlung terrestrischer DAB+-Programme würde allerdings keinen Sinn machen - schon wegen des Qualitätsverlustes. Zudem dürfte die passende Netztechnik vergleichsweise teuer sein. Möglicherweise würde die zu erwartende Vielzahl digital-terrestrischer Radio die Kapazitäten des analogen Kabels sprengen. Der einzige Vorteil: Die bisherigen DVB-C Empfangsgeräte wären unverändert fürs Radio geeignet.

DAB+-Radios funktionieren auch in Kabelnetzen

Einen anderen Weg hat der schweizerische Netzbetreiber UPC Cablecom gewählt. Ab 2015 wurde in einigen lokalen Netzen ein Test-Paket von 20 Radioprogrammen digital - in DAB+ - verbreitet. „Damit Sie in Zukunft vom neuen DAB+ Radiostandard profitieren können“ begründete der Netzbetreiber Anfang September 2016 Änderungen der Kanalbelegung.

Ein User-Video aus Luzern vom August 2015 und weitere Berichte zeigen, dass das ganz gut funktioniert. Gezeigt wird zuerst, wie ein portables DAB+-Radio (etwas rustikal) an die Kabeldose angeschlossen wird. Desweitere sind die Anzeigen zu sehen - u.a. wird zwischen der Kennung „UPC DAB“ und der Sendefrequenz 178,352 MHz des Blocks 5C umgeschaltet sowie durch die Programme gezappt.
Shot aus dem erwähnten
Video auf YouTube.
Es würde natürlich auch ohne Improvisation gehen, denn viele Heimradios sind ohnehin mit einer „koaxialen“ Antennenbuchse ausgestattet. Von dort kann ein handelsübliches Antennenkabel ohne Weiteres die Verbindung zur Kabeldose herstellen. Die üblichen DAB+-Radios empfangen DAB+ also auch in Kabelnetzen ohne Probleme.

Wozu das Ganze? Das könnte man schon jetzt zu UKW im Kabel fragen. DAB per Kabel wäre überall da eine Alternative, wo der terrestrische Empfang von DAB+ eingeschränkt ist. Und die Kabelnetzer könnten sich ein Lob damit verdienen, Programme einzuspeisen, die vor Ort nicht terrestrisch angeboten werden. Dieser guten Idee schien der Luzerner Test zu folgen.

Vom Test zum Piloten - nur mit Spezialtechnik

Das nahm allerdings eine überraschende Wendung. Luzern ist seit dem 24. November 2016 Region eines 18monatigen Pilotprojektes mit DAB+ im Kabelnetz der UPC cablecom. Jedoch kann das Angebot nicht mit den üblichen DAB+-Radios empfangen werden. „Aus technischen Gründen sind die aktuell im Handel erhältlichen DAB+ Empfänger nicht mit dem Kabelnetz von UPC kompatibel“, heißt es in den offiziellen FAQ zum Projekt. Die Luzerner UPC-Kunden, die Kabelradio empfangen wollen, sind auf ein spezielles Gerät angewiesen. Das „P-TEC gotthard“ (Foto: UPC) kann man seit Projektbeginn für 119 CHF und ohne Lieferterminzusage vorbestellen.

Technischer Hintergrund könnte laut einem Bericht sein, dass die für DAB+ üblichen terrestrischen Frequenzen zwischen 174 und 230 MHz (Blocks 5A bis 12D) im Kabel vom Fernsehen blockiert werden. Produktinfos von UPC nennen einen erweiterten Empfangsbereich von „174MHz – 260MHz“ für das o.g. Radio. DAB+-Tuner sind üblicherweise für den VHF-Bereich bis 240 MHz (bis Block 13F) ausgelegt. In Deutschland und anderen (nicht allen) Ländern Europas wird DAB+ nur bis 230 MHz (Block 12D) verbreitet. Der terrestrische Kanal 13 (230 bis 240 MHz) ist bei uns der Bundeswehr vorbehalten.

Im Kabel entspricht der Bereich zwischen 230 und 240 MHz den Sonderkanälen S11 und S12. UPC geht noch höher: Die Programme des DAB+-Kabelprojektes können, folgt man den Gerätedaten, bis 260 MHz - in den Sonderkanälen S13 bis S15 - untergebracht werden.

Über die für DAB+ unübliche Frequenz sichert sich UPC letztlich ein Monopol auf Endgeräte. Darauf anspielend nennt die Stiftung Konsumentenschutz das Gerät eine „Set Top Box mit Lautsprecher“. Die Verbraucherschützer riefen auf, Radio wie gehabt terrestrisch zu empfangen.

Indirekt argumentiert UPC selbst dafür, die Finger von der Geschichte zu lassen: „Eine schweizweite Abschaltung von UKW-Signalen ist zurzeit nicht vorgesehen“, teilt das Unternehmen mit. Warum sollte man also ein teures Spezialgerät kaufen, wenn der Anbieter selbst die Nachhaltigkeit nicht garantiert?

Zuvor hatte der neue schweizerische Hersteller Palona DAB+-Radios ausdrücklich mit einer „neuen DABcable-Funktion für die UPC cablecom“ angekündigt.

Was passiert in Deutschland?

Das beschriebene Vorgehen wäre sicher auch für die deutschen Kabelveranstalter interessant. Sie werden sich aber erst rühren, wenn Handlungsbedarf besteht. Der könnte mit dem angekündigten Ende des analogen Kabels im Jahr 2018 gegeben sein. Eine Digitalisierung des Kabelradios würde das aber noch nicht erzwingen. Letztlich geht es einmal mehr um die Radio-Terrestrik und die Notwendigkeit klarer Entscheidungen für die Transformation von UKW nach DAB+. Man wird sehen, was die Roadmap des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur dazu aussagt.

Links zum Thema:
DAB+ im Schweizer Kabel umstritten. Zur Meldung
Erste Infos zur DAB+-Roadmap. Zur Meldung
UPC digitalisiert Kabelradio mit DAB+. Zur Meldung



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Diese Seite wurde zuletzt am 11.04.2017 geändert.
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