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DAB+ - das geht auch im Fernsehkabel (1/3)

Kabelanschluß Schweiz Seit dem 24. Oktober 2019 verbreitet ein erster Anbieter Radioprogramme mit DAB+ im Regelbetrieb in seinem Kabelnetze. Wünschenswert wäre, dass andere Kabelnetzer dem Beispiel folgen. Schon weil das Angebot von geeigneten Radiogeräten das für den von fast allen Unternehmen präferierten DVB-C erheblich überschreitet.

Der bayerische Anbieter M-Net ist deutschlandweit der erste Kabelnetzer, der - zunächst seinen seinen 60.000 Kundenhaushalten in München - 16 Programme in DAB+ anbietet. Das geschieht ohne zusätzliche Kosten, so dass den Kunden ebenso wie der Wohnungswirtschaft ein „echter Mehrwert ohne Mehrkosten“ offeriert wird.

Aus technischer Sicht könnten - das hatten die Tests in Bayern bestätigt - bis zu 25 Programme in einem DAB+-Kabelmux transportiert werden. Das Kabel ist naturgemäß weit weniger störanfällig als die terrestrische Übertragung. Daher kann der Störschutz (darunter die redundanten Daten) erheblich reduziert werden. Die so eingesparte Bandbreite steht weiteren Sendern zur Verfügung.

Erster Regelbetrieb in München

Zum Start gab M-Net ein Paket von elf Programmen des Bayerischen Rundfunks und fünf privaten Radiosendern bekannt. Alle werden terrestrisch im landesweiten BR-Mux oder den regionalen DAB+-Strukturen landesweit verbreitet.


Hinter der Idee des Kabelnetzers steht natürlich die Selbstdarstellung als technischer Innovationsträger. Der Entscheidung für Kabel-DAB+ kommt der Umstand entgegen, dass in Bayern laut Digitalisierungsbericht Audio 2019 knapp 30 Prozent der Privathaushalte über mindestens ein DAB+-Radiogerät verfügt. Etwa jedes Dritte dieser handelsüblichen Geräte soll den koaxialen Antennenschluß haben, zu dem ein übliches Antennenkabel die Radiosignale von der Kabeldose transportiert. Und man spielt damit, dass das terrestrische DAB+ nicht überall innerhalb von Gebäuden einwandfrei empfangen werden kann.

In der Vorbereitung tat man sich mit der Nürnberger AVT Audio Video Technologies zusammen. Dort wurde eine Lösung für die Datenwandlung in das Containerformat ETI over IP entwickelt. Der Bayerische Rundfunk liefert die Programme über eine 100 Mbit-Leitung ins Rechenzentrum von M-Net. Von dort geht es im Glasfaser-Backbone weiter zu den örtlichen Kopfstellen, und dann im Kupfer-Breitbandkabel in die Haushalte. Dort finden sich 16 Programme im Block 13B. Dieser wird für die Terrestrik in Deutschland nicht genutzt, dennoch können alle DAB+-Radios diese Frequenz empfangen.
Knopfdruck (v.l.): Johannes Trottberger (Bayern Digital Radio), Hermann Rodler (M-Net), Siegfried Schneider (BLM), Helwin Lesch (BR).

M-Net will nach eigenem Bekunden das DAB+-Paket ab 2020 auch seinen Kunden in Augsburg anbieten. Zudem werden weitere 20 Programme angekündigt.

Verbraucherfreundliches Vorbild

Bis 2018 wurden die Radioprogramme im Kabel auf UKW-Frequenzen übertragen. Die Sender konnte man mit handelsüblichen Radios empfangen, sofern diese mit einer Antennenbuchse ausgestattet und per Antennenkabel mit der Dose verbunden waren. Radio per DAB+im Kabel macht eigentlich nichts anderes - nur eben mit DAB+-Radios, die reichlich im Handel angeboten werden. Diese Produkte sind flexibel nutzbar, denn sie empfangen DAB+ im Kabel und terrestrisch und ebenso UKW. Das ist ein hoher Nutzen für die Radiohörer.

Im Gros der deutschen Kabelnetze werden Hörfunksender seit der Analogabschaltung mit der Technik des Kabelfernsehens verbreitet. Das kann zwar mit allen DVB-C Geräten von der Settopbox bis zum Fernseher empfangen werden. Aber wer will schon seinen Fernseher einschalten, um Radio zu hören? Auch ein Jahr nach der DVB-C Einführung gibt es ganze zwei Produkte, die für den Radioempfang entwickelt wurden - also u.a. den Sendernamen anzeigen und einen Audioausgang haben.

Andere Kabelnetzbetreiber lassen keine Bereitschaft erkennen, von ihrem Dogma DVB-C abzurücken und sich für die kundenfreundliche Radioverbreitung im Kabel mit DAB+ zu entscheiden.

Links zum Thema:
(Mehr) DAB+-Kabelradios auch für Augsburg? Zur Meldung
DAB+-Hörfunk in München ab sofort auch im Kabel. Zur Meldung
DAB+ bald bei M-Net im Draht? Zur Meldung

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