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DAB/DAB+: Frequenzen, Programme (Bundesländer)

Nationales Angebot allein ist nicht attraktiv genug

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Seit dem 1. August 2011 ist der bundesweite Radiomultiplexes mit DAB+ auf Sendung. In einigen Bundesländern begannen die ersten ARD-Anstalten zugleich mit der Aufschaltung ihrer Programme auf Landesebene in DAB+. Das Angebot wurde in einigen Bundesländern frühzeitig durch private Programme ergänzt.

Das zusätzliche Programmangebot ist sicher auch notwendig, weil die 14 überregionalen Programme allein nicht attraktiv genug scheinen, um den digitalen Hörfunk massenwirksam an den Markt zu bringen. Zur Erinnerung: Seit 1998 scheiterte die Einführung des Digitalradios mit DAB (alt) mehrfach und aus verschiedenen Gründen.

Nachdem DAB+ nun eine bessere Empfangbarkeit, mehr Programme sowie zusätzliche Datendienste bietet, sollte der letztmalige Einführungsversuch nicht an mangelndem „Content“ scheitern ... 2011 brachte mit dem Start des nationalen Multiplexes eine erste wichtige und grundsätzliche Vorentscheidung für die Radiodigitalisierung in Deutschland.

Netznutzungs-Konzept: Landesweit, regional, lokal

Programm machts
„Ohne die starken Programm-Marken der privaten und öffent-lich-rechtlichen Veran-stalter wird sich kein Gerät verkaufen lassen. Der Zugang zum Markt funktioniert nur über die Pro-gramme und Marken. Denn Digitalradio an sich ist kein Wert.“

Prof. Ulrich Reimers. Foto: Dehn Michael Rei-chert, Leiter des nationalen Projektbüros Digitalradio.
Quelle: Projektbüro.
Blockkonzept DAB+ Neben dem bundesweiten Multiplex verfügt Deutschland für DAB+ über sieben weitere international abgestimmte Bedeckungen im VHF-Band (Grafik klicken zum Vergrößern). Offenkundig wird dabei davon ausgegangen, dass je eine dieser national koordinierten - aber landesweit mit Programmen zu belegenden - Blocks der ARD, ein zweiter den Privaten zur Verfügung gestellt werden kann. Allerdings deutet sich in einigen Bundesländern bereits frühzeitig ein Programm-Mix der Privaten mit der jeweiligen Landesrundfunkanstalt an. Einerseits gibt es nicht in allen Bundesländern genug Interesse privater Radioveranstalter, um einen landesweiten Block mit 12 Programmplätzen annähernd zu füllen. Das betrifft auch die Wellen der Landesrundfunkanstalten. Schon aus Kostengründen (die DAB+-Verbreitung kommt ja zu den Aufwändungen für UKW hinzu) liegt daher die gemeinsame Nutzung von Kapazitäten eines Multiplexes durchaus nahe.

Planungen der ARD-Anstalten

WDR-Intendantin Monika Piel, seinerzeit ARD-Vorsitzende, kündigte im Februar 2011 an, dass die ARD eine erste Phase des Netzausbaus für DAB+ bis Anfang 2013 abschließen will. Piel wies allerdings darauf hin, dass „die Voraussetzungen für die Realisierung“ und damit die Zeitpläne der Anstalten „in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich“ sind. Davon zeugen die geplanten Mischensembles und die höchst unterschiedlichen Ankündigungen der Anstalten kurz vor dem Start des bundesweiten Ensembles am 1. August 2011.

BRAnf. 2011Schrittweiser Aufbau einer Senderkette im Block 11D und Umstieg der DAB (alt)-Programme in Block 12D auf Block 11D und DAB+. mehr dazu
MDR1.8.2011Start mit MDR Info, Jump, MDR Figaro und MDR Sputnik. MDR 1 Radio mit Regionalisierung für Thüringen, Sachsen bzw. Sachsen-Anhalt. MDR Klassik bis auf Weiteres in DAB (alt). Ab Q 4/2011: Erhöhung der Sendeleistung in den Ballungsräumen Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt/Weimar und eine zweite Landesvariante. mehr dazu
WDR1.8.2011Die bisher per DAB (alt) gesendeten Programme 1Live, 1Live Diggi, WDR2, Funkhaus Europa, Kiraka, WDR Event, und Vera (Verkehrskanal) werden nach DAB+ überführt. mehr dazu
SWR1.8.2011Start in Stuttgart und Heidelberg/Mannheim. Dazu kommen ab April 2012 drei private Programme; der Sendebereich wird dann auf Ulm, Karlsruhe und Freiburg ausgedehnt. mehr dazu
RBB2.9.2011Aufschaltung der RBB-Wellen Antenne Brandenburg, Radio Berlin, Radio Eins, Inforadio, Kulturradio und Fritz sowie WDR2 im Block 7D. mehr dazu
NDR22.11.2011 NDR2, NDR Kultur, NDR Info, N-JOY, NDR 1 (regionalisiert), NDR Traffic, NDR Musik Plus, NDR Info Spezial samt Zusatzdiensten. mehr dazu
HR1.12.2011HR1, HR2 Kultur, HR3, HR4, YouFM und HR Info. mehr dazu
SR1.2012„Den Start des bundesweiten Multiplexes werden wir zunächst nutzen, unser Angebot von Zusatzinformationen zeitnah auszuweiten.“ (20.7.2011) Gast auf dem Kanal ist das private Lokalradio Salü.
RB1.2.2013Der RB startete mit seinen vier Programmen als letzte ARD-Anstalt, vom WDR mit zwei Wellen unterstützt. mehr dazu

Stand: Februar 2013.

Privatradios auf Landes-, regionaler und lokaler Ebene

Im Umfeld des bundesweiten Starts gab es einige Ausschreibungen für private DAB+-Programme auf Länderebene. Das Interesse der Privaten ist aber höchst unterschiedlich. So floppte ein Call of Interest für Hamburg und Hannover. Jedoch fand sich später ein Betreiber für eine Programmplattform, der bislang neun Stationen gewinnen konnte.

Nachdem sich auf eine zweite Ausschreibung für die hessische Rhein/Main-Region nur ein relevanter Bewerber fand, wurden die dort verbliebenen fünf Programmplätze nochmals ausgeschrieben - diesmal als laufende Ausschreibung. In Thürigen gab es 2013 keine Bewerber auf eine Ausschreibung der TLM. Auch in Bayern erwies sich der landesweite Multiplex nicht als attraktiv für Teile der dort sehr breiten Radioszene; eine landesweite Ausschreibung Ende 2012/Anfang 2013 blieb ohne greifbare Ergebnisse. Megaradio wechselte 2013 vom landesweiten in die regionalen Multiplexe und erreicht so bei günstigeren Kosten eine ähnlich große Hörerschaft.

Eine Ausnahme scheint Baden-Württemberg zu sein. Eine Ausschreibung musste Anfang 2014 auf zehn Programmplätze erweitert werden, um den Ansturm auf nur drei Kapazitäten gerecht zu werden. Dies wurde durch eine Vereinbarung mit dem SWR möglich, der sich aus dem bislang gemeinsam mit Privaten besetzten Multiplex zurückgezogen hat. Damit können neben 13 kommerziellen Radios auch je zwei nichtkommerzielle Radios (im Wechsel) senden).

Lokales Digitalradio scheint auch 2014 nur in den vier bayerischen Regionen (München, Nürnberg, Augsburg und Ingolstadt) zu funktionieren, wo die Programmanbieter bereits seit längerem in DAB (alt) aktiv sind und von der Medienanstalt BLM unterstützt werden. Verlängerungen der Sendelizenzen wurden zeitweise an den Umstieg auf DAB+ gekoppelt. Ausschreibungen stießen auf reges Interesse.

Es gibt aber auch den Gegenpol: Lautstarken Widerstand gegen eine Einbeziehung von Lokalradios leisteten die Veranstalter in Nordrhein-Westfalen, unterstützt von der Landesmedienanstalt und der Landesregierung. Das NRW-Mediengesetz öffnet den Regionalzeitungen die Tür zur Radiowelt. Das entstand passend - kurz bevor die Zeitungsauflagen zu sinken begannen. Im Ergebnis kontrollieren die Zeitungsverlage den lokalen Hörfunk (auch wenn örtliche Institutionen und Vereine redaktionell einbezogen werden müssen). UKW sichert die Existenz der Verlagsradios in einer (wegen des Frequenzmangels) dauerhaft begrenzten Wettbewerbssituation. Auf UKW haben Newcomer - im Gegensatz zu DAB+ - keinen Platz.

Vorbehalte scheint es auch gegen das Schweizer Modell der Digris AG zu geben. Dort wird lokalen Radios mittels Open Source-Softwaresystemen und Kleinleistungssendern eine kostengünstige lokale Verbreitung geboten.

Digitalradio auf lokaler Ebene und mit entsprechend lokaler bzw. regionaler inhaltlicher Ausrichtung scheint also bis auf Weiteres wesentlich eine bayerische Spezialität zu bleiben.

Fehlender Umstiegsdruck

Nachdem prominente DAB+-Befürworter seit Ende 2016 keinen UKW-Abschalttermin mehr fordern, ist jeglicher „Umstiegsdruck“ verloren gegangen, der einen Wechsel von UKW auf DAB+ unterstützen könnte. Hinzu kommt, dass DAB+ - zumindest bis Ende 2016 - nicht in die Ermittlung der Radiohörer-Zahlen einbezogen wird. Darüberhinaus gibt es trotz eines beim BMVI eingerichteten „Digitalradio-Boards“ keine von allen Playern akzeptierte Entwicklungsstrategie für den digitalen Hörfunk, die es wagt, eine Abschaltung von UKW zu denken. Die von Bund und Ländern betriebene Einführung „hybrider“ Empfangsgeräte (also: für UKW und DAB+) wirkt ohne klares Bekenntnis zu einer Zukunft mit DAB+ als Sicherung für die auf UKW etablierten Privatradios.

Programmangebot und Sendefrequenzen in den Bundesländern.
Ausschreibungen und Ergebnisse auf Landes- und regionaler Ebene.




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