Home DVB-T2 Digitalradio Empfang Geräte DVB-T Mobil Allgemein Aktuell
Digitalradio: Regional, lokal - was geht (nicht)? (1/3)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Ein Platz im UKW-Band ist beinahe eine Lizenz zum Gelddrucken, denn man agiert in einem auf wenige Konkurrenten begrenzten Wettbewerbsumfeld. Zudem kommt UKW mit seiner lokalen technischen Struktur den Bedürfnissen lokaler Radioveranstalter entgegen. DAB+ wird das ändern - schon, weil ein breiteres Programmangebot möglich wird. Was den Hörer freut zwingt die etablierten Radios in eine neue Wettbewerbssituation. Allerdings hat DAB+ für lokale und regionale Sender einige Schwierigkeiten.

Die von UKW her gewohnten Sendenetzstrukturen können nicht ohne Weiteres für DAB+ übernommen werden. DAB+ arbeitet - zumindest für die bundes- und landesweiten Versorgungen - mit viel größeren Sendegebieten. Alle DAB+-Multiplexe müssen zudem mit einer bestimmten Mindestzahl von Programmen gefüllt werden, um wirtschaftlich zu arbeiten. Selbst auf Landesebene gibt es zur Zeit (und vor Festlegungen zur UKW-Abschaltung) nicht überall ausreichend Interessenten. Die Kosten sind nicht finanzierbar, es wird nicht gesendet. Der bisher übliche Zuschnitt der Multiplexe ist für Lokalradios eher zu groß - und damit zu teuer.

Lösungsansätze für die Digitalisierung regionaler und lokaler Radios

Es gibt mehrere prinzipielle Überlegungen, wie man den Interessen regionaler und lokaler Radioveranstalter entgegen kommen könnte. In jedem Fall braucht es den Willen der Radioveranstalter und Sendenetz-Betreiber, der Medienanstalten und der Landespolitik, die Digitalisierung gemeinsam nach vorn zu bringen.
Privatradios und ARD-Programme in gemeinsamen Multiplexen.
Mit vielen gemeinsamen Multiplexen auf Landesbene war DAB+ ja 2011 neu gestartet worden. Jetzt geht es darum die Regionalisierungs-Ideen der Landesrundfunkanstalten zu verwirklichen und dabei die lokalen und regionalen Privatradtios „huckepack“ mitzunehmen. Ein solches Szenario soll ab Mitte 2017 in Bayern eingeführt werden.
DAB+ regional in Bayern.
Small Scale DAB / Software Defined Radio.
Die Idee für Small Scale DAB kommt aus der Schweiz und wird dort bereits praktiziert. Grundlage ist die kostenlose Open Source-Software für wichtige Funktionen aus dem Software Defined Radio-Projekt, die auf Kleinstleistungssendern für lokale Versorgungsgebiete eingesetzt wird.
Hintergrund: Small Scale DAB.
Regionalisierung durch Bandbreiten-Management.
Zur Zeit laufen Tests in Sachsen-Anhalt. Die Auseinanderschaltung in mehrere Datenströme für Regionalsendungen funktioniert ähnlich wie beim Fernsehen mit DVB-T oder DVB-T2 HD.
Hintergrund: Statistischer Multiplex (DVB-T-Bereich).
DRM+ - eine digitale Alternative?
Eine digitale Sendetechnik, die wie DAB im VHF-Band und ebenso über UKW arbeitet und für lokale Versorgungen interessant sein könnte. Es gibt allerdings keine Empfangsgeräte dafür.
Konsequente Ablehnung von DAB+.
Die digitale Terrestrik wird als nicht marktgetrieben abgelehnt. Vordergründig wird das Internet als Verbreitungsplattform forciert. Im Hintergrund steht die Weigerung lokaler wie überregionaler Radios ihre vorteilhafte Position auf UKW aufzugeben.
DAB+ regional in NRW.
Situation in den Bundesländern

Eine Schwierigkeit für eine nationale Rundfunkpolitik ist die förderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland. Hier sind Bundesländer für die Ausgestaltung des Rundfunkwesens zuständig - und damit auch für die grundsätzlichen Konzepte Entscheidung zur Radioverbreitung.

In der Praxis ergeben sich gegensätzliche Strategien für die Radio-Digitalisierung. Das Größtmögliche tut man dafür in Bayern - einschließlich einer Förderung regionaler Simulcasts. Überhaupt nichts macht man in NRW um die Radiotöchter der im Lande aktiven Verlage vor neuer Konkurrenz zu schützen.

Zunächst aber eine Übersicht zu Regionalisierungstrends in den Bundesländern:
Baden-Württemberg Die meisten Radios im landesweiten Privatmux haben Wurzeln im Bundesland.
Einen Programmplatz „Bürgermedien BW“ teilen sich drei nichtkommerziele Veranstalter.
Eine Studie zur Perspektive des Lokalfunks ist in Arbeit.
Bayern Die sehr umfangreiche Lokalradioszene ist seit 20 Jahren auch digital aktiv. DAB+ startete mit vier Regionalinseln für Private.
Ab 2017 soll der landesweite Privatmux zum Teil in gemeinsame Muxe mit dem BR verlagert werden.
Das IRT testet Small Scale DAB+ in München.
Berlin Im landesweiten Privatmux senden 13 private und 2 öffentlich-rechtliche Radios. Nur bei wenigen Privaten kann man von einer Ausrichtung auf Berlin/Potsdam reden.
Hamburg Der landesweite Privatmux ist der erste mit Plattform-Regulierung. Inhaltlich auf die Hansestadt ausgerichtet sind allenfalls zwei der neun Programme.
Hessen Der landesweite Privatmux umfast elf kommerzielle Programme, darunter vier mit Landes-Bezug. Weitere vier Nichtkommerzielle teilen sich zwei Sendeplätze.
Vorgeschlagen wurde ein regionaler Privatmux für das Dreiländereck mit Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.
Mecklenburg-Vorp. Der NDR sendet seinen Multiplex zur Zeit über vier Frequenzen. Der Einstieg privater Radios aus den Regionen ist theoretisch denkbar.
Niedersachsen Ein zweijähriger Modellversuch beschäftigt sich bis Ende Oktober 2017 mit der Auseinanderschaltung lokaler Fenster in Gleichwellennetzen.
In derzeit fünf Netz-Regionen des NDR wäre eine Kooperation mit Privaten denkbar.
NRW Das Kölner Domradio war eines der ersten Privatprogramme auf DAB. Der Sender muss den WDR-Mux Ende 2019 und damit DAB+ verlassen, sofern nicht vorher ein Wechsel in den Bundesmux2 erfolgt.
Land, Medienanstalt und 45 Privatradios unter Führung der Zeitungsverlage lehnen DAB+ ab.
Eine Gruppe von Privatsender progpagiert einen Rheinlandmux auf Small Scale Basis. Eine Regionalisierung über die WDR-Sendestruktur wäre denkbar. Aber nicht vor 2021 und wenn die KEF die Finanzen dafür freigibt.
Rheinland-Pfalz Im SWR-Multiplex gastiert bigFM. 2014 gab es Versuche mit einem Kleinleistungs-Kombisender für DAB+ und DRM+. Mehrere kleine Sender brachten sich für Small Scale-Projekte ins Gespräch.
Saarland Radio Salü ist als einziges Privatradio - als Gast des SR-Muxes - bei DAB+ dabei.
Ein Small Scale-Projekt soll in Vorbereitung sein.
Sachsen Die Medienanstalt SLM schrieb im April 2017 ein Lokalradioprojekt auf Basis von Software Defined Radio und Lowpowersendern für Leipzig und Freiberg aus.
Sachsen-Anhalt SAW und Radio Brocken nutzen Bandbreitenmanagement um Auseinanderschaltungen von je drei Regionalisierungen vorzunehmen.
Schleswig-Holstein „Unter frequenzökonomischen und wirtschaftlichen Aspekten wäre dies durchaus sinnvoll“, kommentiert die Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein solche Ideen für Schleswig-Holstein. Das interessierte Radio R.SH (ist in den Hamburger Lokalmux ausgewichen) als Gast der Regional-Muxe des NDR für Kiel, Lübeck und Flensburg ...
Stand : März 2017.

Weitere Informationen:
dehnmedia-Meldung: SLM veröffentlicht Lokalradio-Ausschreibung vom 13.4.2017.
dehnmedia-Meldung: SAW mit drei Regionalisierungen vom 15.11.2016.
dehnmedia-Meldung: Fliegts oder fliegts nicht vom 27.10.2016.
dehnmedia-Meldung: Erste Infos zur DAB+-Roadmap vom 27.10.2016.
dehnmedia-Meldung: Privatmux fürs Dreiländereck im Südwesten? vom 30.9.2016.
teltarif.de: Fraunhofer/DRM+ vom 13.9.2016.
dehnmedia-Meldung: Schweizer Modell „ideal“ für Sachsen vom 5.9.2016.
dehnmedia-Meldung: Keine Regional- und Lokalmuxe für Ba-Wü vom 16.6.2016.
dehnmedia-Meldung: ARD setzt auf raschen Ausbau von DAB+ (20. KEF-Bericht) vom 20.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Echo zum 20. KEF-Bericht (1) (D-Radio, VPRT) vom 14.4.2016.
dehnmedia-Meldung: KEF kürzt Budget und fordert Bekenntnis (20. KEF-Bericht) vom 13.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Lokaler Testmux für Private in Leipzig geplant vom 8.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Privatradio für Sachsen als Test vom 26.12.2015.
dehnmedia-Meldung: Projekt soll lokale Fenster testen vom 23.10.2015.
dehnmedia-Meldung: Lowpower/Lowtower-Test in Stuttgart vom 28.9.2015 und Abschlußbericht der LfK.
dehnmedia-Meldung: DRM+ prinzipiell über UKW möglich vom 16.12.2009.

Seite: 1 | 2 | 3



Zum Seitenanfang

Impressum | Kontakt | Disclaimer

Diese Seite wurde zuletzt am 17.04.2017 geändert.
Webmaster & Copyright: Peter Dehn (2004-2017) | Programmierung & Gestaltung: Christian Wolff