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DAB+: Überregional in Nordrhein-Westfalen (1/3)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Nordrhein-Westfalen Ende Oktober 2021 soll das landesweite DAB+-Ensemble für NRW auf Sendung gehen - 16 Privatradios kommen nach langem Widerstand der Lokalsender ins Bundesland.Interessant sind die Vergabe des Plattformbetriebes und Strategien der Rundfunkpolitik im bevölkerungsreichsten Bundesland.

18 Programme wurden in zwei Schritten zugelassen. Weitere Interessenten standen in der Spur. Daher war die Medienanstalt LfM gefordert, ein „Verständigungsverfahren“ mit allen Beteiligten durchzuführen. „Ziel des Verständigungsverfahrens ist die einvernehmliche Aufteilung der Übertragungskapazitäten unter den Antragstellenden“, hatte die LfM in der Ausschreibung (und aufgrund des Medienrechts) den Bewerbern aufgegeben. Dass sich die drei Konkurrenten um die Plattform in nur drei Monaten auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und Verträge vereinbaren konnten, überraschte.


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Im Ergebnis konnte die Medienanstalt LfM die Plattform an die audio.digital.NRW GmbH vergeben, ein Tochterunternehmen des bekannten Sendenetzers Media Broadcast. Und: Die Kontrahenten Divicon Media und Uplink Network werden „für die Media Broadcast als Sendernetzbetreiberin der audio.digital NRW den vollständigen Betrieb der Sender übernehmen“. Damit waren offenbar auch die Programmveranstalter einverstanden, die sich beworben hatten. Erfahrungen mit solchen Kooperationen gibt es bereits. Dass Divicon rund die Hälfte der Sendeantennen für den Bundesmux 2 für Media Broadcast gebaut hat, mag die NRW-Entscheidung erleichtert haben.

Klotzen zum Sendestart

Gemeinsames Ziel wird es nun sein, bis zum 4. Quartal im Block 9D ein Sendenetz zu errichten, über das sofort „etwa 87% der Bevölkerung die neuen Programme zuhause empfangen können. Gleichzeitig werden etwa 92% der Fläche und 97% der Autobahnen in NRW für den mobilen Empfang ausgebaut sein“, sichert Media Broadcast zu. Auch diese Ankündigung erinnert an den Bundesmux2, dessen Betrieb im Oktober Divicon Media
Herscheid, Siegen Süd, Minden, Bielefeld, Eggegebirge, Dortmund, Hochsauerland.
2022: Luegde.
Uplink Network
Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster, Schöppingen, Wesel.
2022: Wuppertal.


Klickbare Grafik von Media Broadcast (7/21).
2020 mit rund 70 Senderstandorten (davon neun in NRW gelegen) begann. Im Falle des landesweiten NRW-Ensembles zeigt die Karte 15 Senderstandorte, von denen aus die Versorgung im genannten Umfang gesichert werden soll. Acht dieser Standorte wird nach eigener Aussage Divicon aufbauen, betreiben und überwachen.

Zugleich wird der vom Bundesmux 2 geprägte Trend fortgeschrieben: Statt des längerfristigen schrittweisen Aufbaus des Sendernetzes wird schon zum Sendebeginn eine großflächige Versorgung gewährleistet. „Innerhalb von zwei Jahren ab Sendebeginn wird das Netz noch weiter ausgebaut werden.“ Laut einer weiteren Grafik sind für 2022 nur geringe Änderungen im Sendenetz zu erwarten, während 2023 die Standorte Lüdge und Wuppertal dazu kommen sollen.

Die zweite Überraschung ist der Umfang des Andrang der Interessenten, so dass das Ensemble zumindest theoretisch ab dem Sendestart komplett füllen könnte. Könnte - denn einige der zehn extra zugelassenen Programme standen zum Zeitpunkt der Zulassung Ende Mai 2021 nur auf dem Papier und bedürften sicherlich umfangreicher Vorbereitungen. Zugelassen sind laut LfM folgende 16 Programme:
RadioNRW musste die Geheimnistuerei um sein landesweites Programm einschränken. Das Programm heißt Mydio, jedoch wird das Konzept immer noch unter dem Deckel gehalten.
Der Regionalisierungs-Schritt des Berliner Schlagersenders ist konsequent. Die Besetzung regionaler Sendegebiete ersetzt die Präsenz in bundesweiten Ensembles.
Auch die Energy-Gruppe plant ein Landesprogramm. Die Gruppe betreibt neben einem bundesweiten Digitalsender sieben Lokalableger, die meisten in DAB+-Stadtmuxen.
Das christlich orientierte Radio Paradiso sendet bisher digital in Berlin und Hamburg. Für NRW soll eine regionale Programmgesellschaft gegründet werden.
Sportradio Deutschland bereitet für Mitte 2020 den Sendestart im Bundesmux 2 vor und kündigt eine NRW-Regionalisierung an, die in Düsseldorf produziert werden soll.
Hinter der Top Media NRW steht der Augsburger Radiomann Peter Valentino. Das Programm soll Mega Schlager NRW heißen.
The Radio Group (Frankfurt/Main) betreibt zahlreiche Lokalradios in mehreren Bundesländern. Radio Germany One bekam 2019 in Berlin die Zulassung als englischsprachige Welle für Touristen.
Die Radio-Gruppe FFN aus Niedersachsen kann südlich des Stammlandes ihr Radio Bollerwagen aus dem Web in die Luft bringen.
NiedersachsenRock21 kündigt mit Radio 21 NRWs bester Rock'n Pop einen regionalen Ableger des Musikprogramms an.
Der in Potsdam beheimatete Kindersender betreibt bereits einen Stream für NRW und ist in mehreren Bundesländern über DAB+ zu empfangen.
Die Radiogruppe aus Bayern will in NRW mit zwei Formatradios um Hörer werben. Im Vorfeld der Zulassung wurden die Marken Charthitradio.nrw und Kulthitradio.nrw registriert.
Weitere Bewerber, die über Zulassungen verfügen:
Obwohl mit den beiden Hauptprogrammen im zweiten Bundesmux vertreten, setzt auch Antenne Bayern seine Ausdehnung in andere Bundesländer fort. In einer zweiten Entscheidung wurde Antenne NRW im Juni 2021 zugelassen.
Spekulationen betreffen ein zweites Programm von RadioNRW, das ebenfalls im Juni 2021 zugelassen wurde. Der Titel Noxx deutet auf das bisherige Nachtprogramm, dass den Lokalradios zugeliefert wird. Ob Mydio dadurch ersetzt wird, bleibt zu dem Zeitpunkt offen.
Am Stammsitz in Berlin bewarb sich auch diese Geschäftsleitung in der ersten Runde für das Bundesland NRW, um in diesem attraktiven Radiomarkt einen Regionalsender auf DAB+ aufzubauen.
Ohne Details wird Teutocast genannt, das im NRW-Mux schon mit Sportradio NRW und im zweiten nationalen DAB+-Mux mit dessen bundesweitem Mutterkanal sowie zwei weiteren Spartenkanälen vertreten ist.
Im August 2021 gab der Münchner Sender die Zuweisung einer Übertragungskapazität im NRW-Landesmux für 10 Jahre bekannt.
Aussteiger vor Sendebeginn:
Der DAB+-Pionier unter den NRW-Privatradios war aufgrund der Teilnahme am vorherigen Pilotprojekt für den Regelbetrieb gesetzt. Das Erzbistum Köln und dessen Partner sehen sich jedoch nicht in der Lage, einen zehn Jahre laufende vertragliche und Kostenbindung einzugehen.

Bemerkenswert an dieser Belegung ist, dass nur ein Veranstalter mit originären NRW-Wurzeln dabei sind: Nach dem Ausstieg von Domradio ist das nur RadioNRW mit zwei angemeldeten Programmen. Im eigenen „Heimatland“ nicht dabei ist der LGBT-Sender Lulu FM, der einen Kölner Lokalsender über UKW plant. Auch Mehr!Radio, ausgestattet mit einer landesweiten Zulassung für DAB+ fehlt. Dieses Unternehmen peilt eine regionale Plattform für Düsseldorf an, die möglicherweise mit der von der LfM als nächsten Schritt angekündigten regionalisierten landesweiten Abdeckung kommen könnte.

Überregionale Veranstalter im Wettbewerb mit NRW-Lokalradios

Auch die Bewerbungen bzw. Zulassungen schreiben also einen Trend fort: Einige größere Veranstalter, die möglicherweise nationale Verbreitungspläne nicht realisieren konnten, erweitern ihre Einzugsbereiche in andere Bundesländer. Der Aufbau weiterer Regionalitäten scheint keine Probleme zu bereiten. Denn der Hörfunk hat ohnehin ein wesentlich regional geprägtes Geschäftsmodell, so dass sich viele der o.g. Beteiligten durch NRW-Töchter und Zusagen über regionale Bezüge der Sendungen die Präsenz in einer neuen Region sichern konnten.

Den 44 NRW-Lokalradios beschert dieser Trend also eine Fülle neuer Wettbewerber mit Potenzial gerade auch für regionale und lokale Inhalte. Einzig RadioNRW, das Gemeinschaftsunternehmen der NRW-Zeitungsverlage, kann da mithalten und tritt die Flucht nach vorne an. Ob auch der Zulieferer von Werbung und Rahmenprogramm an die NRW-Lokalradios genau diesen mit seinem landesweiten Sender (ob Mydio oder NOXX) Hörer nimmt, bleibt abzuwarten. Denn: Mehr Programme heißt ja nicht, dass länger Radio gehört wird. Zu erwarten ist also eine Umverteilung der Hördauer auf mehr und andere Sender.

Die Lokalradios bzw. die Zeitungsverlage als deren wirtschaftliche Träger scheinen zu glauben, ihr Geschäftsmodell, das durch das Fehlen von Wettbewerb gekennzeichnet ist, durch vehementes Ignorieren von DAB+ und Verharren auf UKW solange zukunftssicher halten zu können, bis eine künftige Verbreitungstechnik ihr Geschäftsmodell auf 100 Prozent wieder trifft.

Wie sagte doch gleich Herr Gorbatschow?

Das Programmangebot

Unterm Strich ist die Belegung letztlich von Einigungen der Veranstalter mit dem Plattformbetreiber audio.digital NRW abhängig. Dieser gab Ende August acht erste Abschlüsse bekannt:
Hinweis: Für das schwullesbische Radio lulufm aus Köln gibt es ein Sendefenster bei Kulturhitradio.

Diese erste Liste bestätigt den Trend, dass Programmanbieter aus anderen Bundesländern - hauptsächlich aus Bayern und Niedersachsen - mit regionalen Inhalten und Tochterfirmen auf den attraktiven Radiomarkt im bevölkerungsstärksten Bundesland drängen.

Zweite - regionalisierte - landesweite Abdeckung ist geplant

Als nächsten Schritt kündigte die Medienanstalt LfM eine zweite landesweite Bedeckung an. Diese soll für fünf oder sechs Gebiete regionalisiert sein. Ausschreibungen sollen erfolgen, sobald die Bundesnetzagentur die benötigten Frequenzen zugeordnet hat.

Things to come ...

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Senderseiten für NRW.
Hintergrund: DAB+ lokal und regional in NRW.
NRW-Privatmux startet von 15 Standorten (5.7.2021).
Die LfM bringt NRW-Landesmux auf den Weg (2) (7.5.2021).
Die LfM bringt NRW-Landesmux auf den Weg (1) (7.5.2021).

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