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Digitalradio: Small Scale DAB+ für Lokalradios (1/4)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Verschiedene Begriffe, die letztlich Gleiches meinen: Small Scale DAB steht für die digitale Radioverbreitung im kleinen Massstab - zugeschnitten auf die verbreitungsmässigen Bedürfnisse wie auch die finanziellen Grenzen lokaler Radios. Möglich wird das durch Software Defined Radio (SDR) - d.h. kostenlose Software auf Senderseite.

Das technische Konzept basiert auf Software, die von dem kanadischen CRC-Team auf Basis der Programmiersprache Linux entwickelt wurde. Das Schweizer Projekt Open Digital Radio (ODR) setzte diese Arbeiten fort. Die Software-Komponenten für Encodierung, Multiplexing und Modulation unterliegen dem Nonprofit-Prinzip von Open Source - stehen also kostenlos zur Verfügung. Das drückt die Kosten stark und trifft die Interessen der schwierig refinanzierbaren Lokalradios im Kern.
DAB+ mit Small Scale in der Schweiz und anderen Ländern.

Einsetzbar wäre das Konzept unter bestimmten Bedingungen auch als Lückenfüller - zum Beispiel dort, wo Großsender fehlen oder zu teuer wären. Das könnten Inseln wie Sylt, Helgoland, Fehmarn, Rügen oder Usedom sein. Small Scale ist wegen der geringen Kosten und der Justierbarkeit der Versorgungsgebiete aber vor allem für lokale Radiostationen geeignet.

Der Deutschland-Erfolg des von der schweizerischen Digris AG zur Praxisreife gebrachten Konzepts hängt freilich davon ab, ob die lokalen Radios das für ihre jeweilige Situation geeignet finden und natürlich auch von der Finanzierung und den Fördermöglichkeiten. Weil die Medienpolitik in Deutschland Sache der Bundesländer ist, könnte es im Zweifelsfall zu 16 unterschiedlichen Lösungen kommen.
DAB+ für Lokalradios - gegensätzliche Positionen in Bayern und NRW.

Auf einen wichtigen Aspekt wies Joachim Lehnert, Leiter der technischen Abteilung der Medienanstalt LMK hin. Die Möglichkeit eines Plattformkonzepts wäre gerade auch für lokale und regionale Versorgungen wünschenswert: Dafür fehle jedoch (womöglich nicht nur) in Rheinland-Pfalz eine Regelung im Landesmediengesetz.

Deutschland (1): Rheinland-Pfalz (2014 ff.)

Die Medienanstalt LMK und die Hochschule Kaiserslautern hatten seit 2008 gemeinsam digtiale Kleinleistungssender entwickelt, 2017 wurde ein auf SDR aufsetzender mobiler DAB+-Kleinsender ODR2go vorgestellt und zum Nachbau freigegeben. Domradio Studio Nahe war das erste lokale Radio in Rheinland-Pfalz, das Interesse zeigte. Ab August 2017 wird (zunächst als medienrechtlich geduldeter Test) für ein halbes Jahr gesendet.
Hintergrund: Small Scale Projekt in Rheinland-Pfalz.

Deutschland (2): Sachsen startet im Herbst 2017 durch

Gut Ding will Weile haben - ein Jahr dauerte es von einem Grundsatzbeschluß der sächsischen Medienanstalt SLM bis zur Ausschreibung eines Pilotprojektes mit Small Scale Sendetechnik für Leipzig und Freiberg. „Die Multiplexe sollen nach Möglichkeit noch in diesem Sommer auf Sendung gehen“, hieß es anlässlich der Ausschreibung Anfang März 2017. Die Medienanstalt meldete mit 15 Bewerbungen für Leipzig und 13 für Freiberg ein überwältigendes Interesse, dass sich - vermutlich ab Herbst 2017 - On Air finden wird.
Hintergrund: Small Scale Projekte für Leipzig und Freiberg.

Deutschland (3): Test und Pilot in München (2016 ff.)

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München hat 2016 die ODR-Software mit passender Hardware getestet und die Ergebnisse im November 2016 vorgestellt. Dabei wurden erfolgreich zwei DAB- und drei DAB+-Programme ausgestrahlt. Die vom IRT genutzten Geräte des 100 Watt-Senders haben 10.830 Euro gekostet. Die Anschaffung einer vergleichbaren Sendeanlage üblicher Bauweise würde laut IRT 60.000 Euro kosten.

Wichtig scheint ein Hinweis von IRT-Mitarbeiter Andreas Sieber zur Auswahl von Standorten: „Die Antennenhöhe ist wirklich entscheidend. Sie können die Anlage nicht auf niedriger Antennenhöhe montieren und einfach nur die Leistung aufdrehen.
Alles im einem Rack: Der Kleinleistungssender des IRT. Foto: IRT
Das bringt nicht allzuviel.“

Die Pilottests wirden ab Februar 2017 fortgesetzt. Wieder im Kanal 8A sollte die 100 Watt-Sendeanlage im praxisnahen Dauerbetrieb und und im Gleichwellenbetrieb mit anderen (auch üblichen Hochleistungs-) Sendern getestet werden. Gesendet werden zwei Schleifen mit GEMAfreier Musik.

Deutschland (4): Tests im Saarland in Vorbereitung

Anfang 2017 verhandelt die Saar-Medienanstalt SLM über die Beteiligung von Programmveranstaltern an einem Small Scale-Testprojekt im Raum Merzig/Mettlach.

Deutschland (5): Test in Stuttgart (2015)

Die Technik der Eidgenossen kam im Frühjahr 2015 in Stuttgart zum Testeinsatz. Dort ging es um das Konzept „Lowpower, Lowtower“ - d.h. die Versorgung eines Stadtgebietes mit in eher geringer Höhe platzierten Kleinleistungssendern. Der Abschlußbericht fasst die Erkenntnisse zu Stärken und Schwächen zusammen:
Niedrige Senderstandorte in Verbindung mit Sendern geringer Leistung (200 W). bringen im Stadtgebiet im Umkreis von ca. 3 km um den Sender eine ausreichende DAB+-Versorgung in Gebäuden.
Bei der subjektiven Empfangsbeurteilung schneidet der Kleinleistungssender deutlich schlechter ab als die Hochleistungssender. Die Testpersonen bewerteten den Empfang des Kleinleistungssenders an 50 % der Testpunkte schlechter als den der Hochleistungssender – bei gleichem Fehlerschutz (EEP 3-A, r = ½).
Man made Noise führt innerhalb von Gebäuden zu großen Störfeldstärken (bis zu 50 dBµV pro Meter). Ursache hierfür sind vor allem elektronische Kommunikationsgeräte aller Art.
Für eine hohe Orts- und Zeitwahrscheinlichkeit für guten DAB-Empfang in Gebäuden sind sehr hohe Planungsfeldstärken (> 80 dBµV/m) im städtischen Bereich erforderlich. Gründe hierfür sind neben man made Noise die heute üblichen Wärmedämmungsmaßnahmen bei Fenstern und Wänden.
Nach entsprechender Technikplanung könnten solche sendetechnischen Konzepte „verhältnismässig preisgünstig“ realisiert werden. Zu kalkulieren seien aber auch die Kosten für Aufbau und Miete am Standort, Energie und Programmzuführung usw.

Deutschland (6): Gegen die NRW-Wellenbrecher

Eine Gruppe von neun Radioveranstaltern um TopstarRadio und Antenne Pulheim bringt sich mit dem „Rheinlandmux“ - einem Lowcost-Sendekonzept für Köln und Umgebung - ins Gespräch. Die klickbare Karte zeigt eine mögliche Reichweiten-Konfiguration. Die Initiatoren stellen sich gegen die 45 kommerziellen Lokalradios in Nordrhein-Westfalen, die von den Zeitungsverlagen kontrolliert werden. Landesmedienanstalt LfM, Landesregierung und Landtag lehnen (auch nach dem Wechsel der Mehrheit von der SPD zur CDU in 2017) Veränderungen der Radiolandschaft unterhalb der Landesebene ab, weil diese den etablierten Lokalradios neue Wettbewerber bringen würde.

Im September 2017 stieß LfM-Direktor Tobias Schmid die DAB+-Debatte neu an. Es hatte sich gezeigt, dass immerhin 14 Prozent der NRW-Haushalte bereits DAB+-Radios besitzen. Schmid, und wenig später auch der Lokalradio-Verband VLR, rieten den Lokalradios, ihre bisherige Abschottungsstrategie aufzugeben.
Hintergrund: Lokalradios in NRW, Homepage: Rheinlandmux.

Deutschland (7): Keine Sendeplattform auf Small Scale-Basis für Bremen

Im Sommer 2017 kam Small Scale kurzzeitig für eine regionale Plattform in Bremen ins Gespräch. Die Stadtmusikanten Radioservices UG i.G. hatte sich dort beworben. Das ist ein Konsortium der Central FM Media und von Lulu.fm. Alle Firmen haben ihren Sitz in NRW (Pulheim bzw. Köln). Weil sie im eigenen Bundesland derzeit keine Chance haben, müssen sie anderswo aktiv werden.

Das neue Unternehmen verwies auf eine ausreichende Zahl interessierter Programme. Die Sendetechnik sollte NanoCorp liefern, eine Schwesterfirma von CentralFM. Deren leistungsfähige und kostengünstige Produkte sowie Senderstandorte auf Hochhäusern statt Funktürmen sollten die Kosten drücken. Die Forderungen der BreMa zum Netzausbau wollte man schneller Erfüllen und Bremerhaven schon ab drei Monaten nach Sendestart versorgen.

Aus dem ersten Ausschreibungs-Wettbewerb mit dem klassischen Technikkonzept ging Media Broadcast erfolgreich hervor, entschied die Medienanstalt BreMa Ende August 2017.
Hintergrund: Homepage Stadtmusikanten.

Weitere Informationen:
Homepage und Wiki von Open Digital Radio.
Homepage der Digris AG.
Digitale Alternativen zu UKW.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast bekommt die Bremen-Plattform vom 1.9.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (2) vom 8.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (1) vom 3.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale-Konzept für Bremen-Plattform? vom 12.7.2017.
dehnmedia-Meldung: SLM erteilt Zulassungen für Small Scale Projekte vom 23.6.2017.
dehnmedia-Meldung: SLM bestätigt Andrang auf Small Scale Projekte vom 23.5.2017.
dehnmedia-Meldung: Noch kein Small Scale Projekt für Thüringen vom 18.5.2017.
dehnmedia-Meldung: Massenandrang auf sächsische Small Scale Projekte vom 18.5.2017.
dehnmedia-Meldung: Keine Änderungen nach NRW-Landtagswahl vom 15.5.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale-Kanal in Rheinland-Pfalz „bald On Air“? vom 9.5.2017.
dehnmedia-Meldung: LMK forciert Small Scale DAB-Konzept vom 16.3.2017.
dehnmedia-Meldung: IRT startet Smale Scale Pilot in München vom 16.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale als Chance für Privatradios in NRW? vom 3.2.2017.
dehnmedia-Meldung: LMK treibt Small Scale weiter vom 13.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale-Test auch im Saarland? vom 11.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Scheitert Domradio-Small Scale an den Finanzen? vom 2.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Open Source-Pilot für München geplant vom 22.11.2016.
dehnmedia-Meldung: Erster deutscher Lokalmux in Rheinland-Pfalz? vom 8.10.2015.
dehnmedia-Meldung: Lowpower/Lowtower-Test in Stuttgart vom 28.9.2015.
dehnmedia-Meldung: Testausstrahlungen in Stuttgart vom 4.3.2015.
dehnmedia-Meldung: DRM+: Alternative zu DAB+ und Analog-UKW? vom 20.2.2013.
dehnmedia-Meldung: Feldversuch mit DRM+ über VHF beendet vom 12.4.2009.
dehnmedia-Meldung: DRM+ prinzipiell über UKW möglich vom 16.12.2009.

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