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Digitalradio: Small Scale DAB+ für Lokalradios (3/4)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Rheinland-Pfalz Mit der Entwicklung eines kostengünstigen und transportablen DAB+ 100-Wattsenders aus Open Source-Basis hatten die Medienanstalt LMK und die Hochschule Kaiserlautern ein Zeichen über Rheinland-Pfalz hinaus gesetzt. Das griff das katholische Domradio Studio Nahe dankbar auf.

Dieses Lokalprogramm ist das erste von einer Pfarrei betriebene Radio. Neben Gottesdiensten gibt es Veranstaltungshinweise und Sendungen zu örtlichen Themen. Das Kölner Domradio liefert das Mantelprogramm. Bereits frühzeitig hatte man Interesse an DAB+ und der Erprobung eines ODR-Konzepts - parallel zur Ausstrahlung per UKW 87,9 MHz - bekundet. Ein 50 Watt-Sender wurde ursprünglich mit etwa 25.000 Euro kalkuliert. Diese vergleichsweise geringe Summe aufzubringen schien zunächst schwierig, da sich bis Ende 2016 noch kein Multiplex-Partner gefunden hatte. Im Mai 2017 meldete sich shortwaveservice.com zu Wort, ein in sonst mit Kurz- und Mittelwellentechnik befasster Sendedienstleister. Mit einer DAB+-Anlage sei man zwar „noch im Labor - aber bald regulär On Air“ - versprach der Dienstleister.

Am 5. August 2017 war es dann soweit. Zwar gab es nun einen Technik-Dienstleister, aber keine offizielle Zulassung für den Verbreitungsweg. Die Medienanstalt LMK wolle das Projekt ersteinmal ein halbes Jahr lang dulden. Man schaut aber wohl weiter voran: Laut Studio Nahe wird eine offizielle Ausschreibung parallel erfolgen, um weiteren Interessenten den kostengünstigen Einstieg in den digitalen Sendebetrieb zwischen Bad Kreuznach und Bingen zu öffnen. Denn Small Scale sei in dem Gebiet attraktiv, weil der digitale Radioempfang im Nahetal und Bad Kreuznach unbefriedigend und in geschlossenen Räumen oft gar nicht möglich sei, so Michael Pauken, Programmleiter von Studio Nahe. „Wir haben bereits einige Interessenten, die gerne unsere Sendeanlage mitnutzen würden.“ So hatte sich das lokale Jugendradio a.fm aus dem nahegelegenen Alzey grundsätzlich interessiert geäußert.

In Bretzenheim bei Bad Kreuznach ist man im Kanal 12A mit 100 Watt auf Sendung und versorgt wesentlich den Bereich zwischen Bingen und Bad Kreuznach. Die Sendetechnik könne bei Bedarf auf 500 Watt hochgeschaltet werden.

„Wir verwenden eine Kombination aus professioneller Sendetechnik und Open Source Software auf Linuxbasis. Dieser Mix ermöglicht gerade für kleinere Programmanbieter, wie z.B. Lokalradios, einen kostengünstigen Einstieg in die digitale Rundfunkwelt. Das Prinzip nennt sich Small Scale
Die klickbare Karte zeigt das Sendegebiet. Quelle: Projektseite auf facebook.
DAB, steht aber in puncto Zuverlässigkeit und Qualität den deutlich teureren kommerziellen Produkten auf dem Markt in nichts nach“, zitiert Studio Nahe seinen Technik-Partner Christian Milling. Auch wenn das in der Presseinfo nicht ewähnt wird: Milling ist Chef des bereits erwähnten Dienstleisters shortwaveservice.com.

LMK forciert Kleinleistungssender im Flightcase

Die rheinland-pfälzische Medienanstalt LMK betreibt schon seit 2008 und gemeinsam mit der Hochschule Kaiserslautern mehrere Digitalradio-Projekte mit DRM+ und DAB+. 2014 war daraus ein portabler Kombisender hervorgegangen. Für den DAB+-Teil kamen u.a. die Software-Komponenten von ODR zum Einsatz. Gesendet wurde mit 100 Watt im Kanal 12A in Kaiserslautern und 2015/2016 als Eventradio in Karlsruhe.

Diese Lösung stelle „eine einfache, aber bezahlbare digitale Sendeinfrastruktur gerade für die lokalen Hörfunkveranstalter und Bürgerradios“ bereit, bewertete die LMK die Ergebnisse der Ausstrahlungen. DRM+ war nach damaliger Einschätzung wohl eher als Ergänzung für lokale Versorgungen mit DAB+ gedacht. Das ordnet sich zeitlich lange vor den ersten Tests von Small Scale durch die Schweizer Digris AG ein. Und schon damals waren die Aussichten, dass DRM+-Chips in (DAB+-)Radio integiert würden, denkbar gering. In Europa hatte man DRM+ nur in Frankreich (und dort nur bis 2014) Chancen eingeräumt, bevor dort das Umschwenken auf DAB+ entschieden wurde.

2016/17 setzen die LMK und die Hochschule KL ihre Arbeiten mit dem nun ODR2go genannten ODR-basierten Kleinstleistungsender fort. Im Labor wurden Einrichtung, Betriebssicherheit und Performance getestet. Außerdem wurde für die ODR-Software erstmals eine Benutzeroberfläche geschaffen, wodurch die Sendetechnik auch von Programmier-Laien bedient werden kann. Damit sei die Technik aus der „Bastelecke“ herausgekommen. Die Technik ist in zwei Flightcases untergebracht. Laut LMK-Technikchef Joachim Lehnert (Grafik klicken zum Vergrößern. Quelle: LMK/Lehnert) kostete ODR2go als 100 Watt-Sender knapp 13.000 Euro. Würden geringere Ansprüche an Signalgüte und Betriebssicherheit gerichtet, könne die Investition auf 7.000 Euro reduziert werden. Die LMK stellt ihre Sendeanlage für Eventproduktionen zur Verfügung und ermöglicht den Nachbau.

Die LMK-Technik ist seit Dezember 2017 im Auslandseinsatz. Die Server-Komponenten für die Erzeugung eines Multiplexes wurden einem Projekt mit fünf belgischen deutschsprachigen Lokalradios zur Verfügung gestellt. Ein DAB-Sender der italienischen Firma Syses liefert am 25m-Mast in Eupen 250 Watt Leistung. Die Programme sind daher in bis zu 20 km Entfernung auch in Deutschland zu empfangen.

Weitere Informationen:
dehnmedia-Meldung: LMK unterstützt Small Scale Projekt in Belgien vom 12.12.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (2) vom 8.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (1) vom 3.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale-Kanal in Rheinland-Pfalz „bald On Air“? vom 9.5.2017.
dehnmedia-Meldung: LMK forciert Small Scale DAB-Konzept vom 16.3.2017.
dehnmedia-Meldung: LMK treibt Small Scale weiter vom 13.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Scheitert Domradio-Small Scale an den Finanzen? vom 2.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Jugendradio aus Alzey will regional senden vom 7.12.2015.
dehnmedia-Meldung: Erster deutscher Lokalmux in Rheinland-Pfalz? vom 8.10.2015.
dehnmedia-Meldung: DRM+: Alternative zu DAB+ und Analog-UKW? vom 20.2.2013.
dehnmedia-Meldung: Feldversuch mit DRM+ über VHF beendet vom 12.4.2009.
dehnmedia-Meldung: DRM+ prinzipiell über UKW möglich vom 16.12.2009.

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