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Fernsehen wird irgendwann dreidimensional (3/4)

Stereoskopie-Technik: Dem Kino abgeschaut

Die von den TV-Herstellern benutzten Bildgebungs-Verfahren für stereoskopisches Fernsehen sind dem Kino abgeschaut, dessen teils spektakuläre Kassenerfolge mit Filmen wie „Avatar“ man aufs Fernsehen übertragen will. Auch die Fernsehtechnik schaut aufs Kino. Daher an dieser Stelle ein Blick hinter die Kino-Kulissen.

Zumeist werden für Stereoskopie-Projektionen im Kino normale Digitalprojektoren verwendet, die der „3D“-Spezifikation der Digital Cinema Initiative für das digitale Kino entsprechen. Lediglich Sony benutzt eine Zweilinsen-Projektion.

Der Taktwechsel im richtigen Tempo kann entweder durch die Projektion oder durch die Brille unterstützt werden. Sogenannte aktive Brillen schalten selbständig und im richtigen Takt zwischen beiden Bildern um. Sollen passive Brillen verwendet werden, muss die Umschaltung am Projektor erfolgen.

Drei verbreitete Verfahren für das digitale stereoskopische Kino

Passive 3D-Brille von RealD, die u.a. Sony-Fernsehern beigefügt wird. Foto: Reald Von der amerikanischen Firma RealD, die als Kino-Marktführer gilt, kommt ein Verfahren, das die Bilder für das rechte und das linke Auge unterschiedlich polarisiert. Dafür werden passive (Foto rechts) ebenso wie aktive Brillen angeboten. Dieses System kündigen Anfang 2010 unter anderem Sony und Toshiba für ihre Fernsehgeräte an. Sony und andere Hersteller konzipierten ihre ersten Stereoskopie-Fernseher jedoch für aktive Shutterbrillen, die bei einigen Firmen nicht im Lieferumfang enthalten sind. Ab 2011 bieten einige TV-Hersteller auch das RealD-System an.
Aktive 3D-Brille von XPand. Foto: XpanD
Auch die ebenfalls in den USA beheimatete Firma XpanD arbeitet mit aktiven Polarisations-Brillen (Foto rechts). Die Synchronisierung des Bildtakts erfolgt im Kino durch Infrarot-Signale, die vom Kinoserver (auf dem die digitale Filmkopie lagert) gesteuert werden. Die Brillen benötigen Batterien.

Aktive 3D-Brille von Dolby3D. Foto: Dolby Dolby3D verwendet passive Brillen, deren Gläser für unterschiedliche Teile des Farbspektrums eines Bildes durchlässig sind. Ein Farbrad im Lichtgang des Kinoprojektors steuert in Verbindung mit einer Zusatzausstattung des Kinoservers den Bildwechsel. Das Verfahren nutzt Entwicklungen der deutschen Firma Infitec.

Polarisations- und Shutterbrillen werden auch für 3D-Fernseher verwendet. Bei den Zuschauern kommen die Polarisationsbrillen besser an. Laut einem „Blindtest“ des Herstellers LG bevorzugen 65 Prozent der 100 Testpersonen die Polarisationsbrillen. Diese dominieren nicht nur erwartungsgemäß wegen des Komforts und wegen besser empfundenen Detailtreue und Schärfe - bei größerem Abstand vom Fernseher. 26 Prozent der Befragten nehmen mit Shutterbrillen ein störendes Flimmern wahr - und sogar 47 Prozent stellen körperliche Beschwerden fest. Folgerichtig würden nur 29 Prozent eher einen 3D-Fernseher mit Shutterbrillen kaufen.

Weitere digitale und analoge Verfahren

Die Imax Großbild-Kinos nutzen Polarisations-Brillen für die digitale Doppelprojektion. Ein spezieller Server ist notwendig. Jedoch gibt es in IMAX-Kinos auch noch analoge Doppelprojektionen.

Das vorwiegend in Japan und Asien verbreitete System von Master Image trennt die beiden Bildanteile durch ein Filterrad, dass in den Lichtgang eingebracht wird (zirkulare Polarisation).

Grafik: Technicolor Eine Randglosse und allenfalls für eine Übergangszeit geeignet scheint ein Verfahren von Technicolor zu sein, durch das von analogen Filmstreifen stereoskopisch projiziert werden kann. Das mit „production to projection“ beworbene System benutzt eine spezielle Projektionslinse, um die beiden vom Filmstreifen zeitgleich kommenden Bildanteile zu trennen. Dafür sind zirkulare Polarisationsbrillen notwendig. Die Technik ist zwar billiger, teurer ist jedoch nicht nur die erforderliche Silberleinwand (die nicht jedes Kino hat). Es sind ebenfalls spezielle Filmkopien nötig, die sich erst ab einer gewissen Stückzahl bzw. Verbreitung der Technik in den Kinos rentieren. Und die Digitalisierung der Kinos kann das Verfahren auch nicht aufhalten - vor allem weil Herstellung und Logistik digitaler Kopien nun mal billiger sind.

Anaglyph-Beispielbild. Foto: Wikipedia Polen; Common License Der Vollständigkeit halber soll hier noch auf das historische anaglyphische Projektionsverfahren hingewiesen werden. Dabei wird ein Bild mittels roten und blauen (bzw. grünen) Filtern in zwei Anteile getrennt und dann wieder übereinandergelegt, so dass beide Bildteile leicht versetzt sind und die Farbränder ohne Brille erkennbar sind. Brillen mit entsprechend gefärbten Gläsern trennen die Bilder, so dass die Farbanteile nur an das „richtige“ Auge gelangen. Dieses seit 1922 für das Kino bekannte Verfahren erlebte in den 50er Jahren eine kurze Renaissance. 1982 gab es die zweiteilige Experimentalsendung „Wenn die Fernsehbilder plastisch werden“ in den 3. ARD-Programmen. Das österreichische ServusTV sendet derzeit nachts kurze Filme in einem als „ColorCode-3-D“ bezeichneten Verfahren für Brillen mti gelben und blauen Gläsern.

Weitere Informationen:
Homepage RealD.
Homepage XpandD.
Dolby3D.
Homepage Imax.
Technicolor 3D.

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