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Vorbereitungen für DVB-T2 in Deutschland (4/4)

Modellversuche nicht nur in Norddeutschland

DVB-T2 Logo (DVB Project) DVB-T2 Modellversuch Norddeutschland - Karte des Versuchsgebiets Mehrere Pilotprojekte lieferten ab 2009 praktische Erfahrungen zu unterschiedlichen Aspekten von DVB-T2. Der „Modellversuch DVB-T2 in Norddeutschland“ brachte unter anderem Erkenntnisse darüber „inwieweit eine Verbesserung der Bildqualität und eine Erhöhung der Zahl der Programme je Fernsehkanal technisch möglich sind“.

Ein Zwischenbericht vom März 2011 lieferte nicht nur erste Erkenntnisse über Fragen der Technik. Zugleich wurde ein Vorschlag für die Einführungsstrategie vorgelegt. Dieser peilt eine etwas andere Strategie an, als bis dahin diskutiert wurde. Prof. Reimers stellte in einem Papier sechs Handlungsvarianten heraus:


1. Auf DVB-T2 wird ganz verzichtet.
2. Der Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 zielt auf die Einführung von HDTV.
3. Für DVB-T2 werden zwei UHF-Kanäle und weitere VHF-Frequenzen verwendet, um einen Simulcast zu ermöglichen. Service-Ziel ist wiederum HDTV.
4. Option 2 könnte auch mit dem Ziel realisiert werden, DVB-T2 nicht nur für HDTV, sondern weitergehend als „universelles Rundfunk-Medium für Radio, SDTV, HDTV, Mobilfernsehen“ - auch im VHF-Bereich - einzusetzen.
5. Wie Option 3, aber wiederum als „universelles Rundfunk-Medium“ wie unter 4 beschrieben.
6. Wie Option 3, wobei die Frequenzresourcen ausschließlich für mobile und portable Nutzung verwendet werden.

Regelbetrieb könnte 2014/2015 starten ...

Daraus, und aus einem Beitrag des Netzbetreibers Media Broadcast, resultiert ein Vorschlag des Projektrates, der im Januar 2011 an die Sender, Landesmedienanstalten und die Bundesnetzagentur zur Stellungnahme gegeben wurde.

Vorgeschlagen wird, den Regelbetrieb von DVB-T2 2014/2015 zu beginnen. Der Umstieg soll, wie von der DVB-T Einführung her bekannt, inselweise erfolgen. Länger als seinerzeit soll der Simulcast sein: Damit wird der Verbreitung der Fernsehgeräte mit integriertem DVB-T Empfang Rechnung getragen. Sie haben eine Nutzungsdauer von bis zu acht Jahren. Für den Parallelbetrieb DVB-T/DVB-T2 werden daher zwei Jahre veranschlagt, so dass der Umstieg insgesamt 2018 abgeschlossen werden könnte.

Weiter heißt es in dem Papier: „Ziel ist es, DVB-T2 als universell einsetzbares Rundfunkmedium für die Übertragung von Audio-, Daten- und Videosignalen zu nutzen, wobei die Qualität der Videosignale von SDTV bis HDTV (und gegebenenfalls auch bis zum stereokopischen 3D) reicht.“ Damit hält der Projektrat nicht nur Fernseh-Optionen, sondern auch darüberhinaus weitere Einsatzmöglichkeiten, offen.

... oder auch nicht

Der vorgeschlagene Start von DVB-T2 in der Zeitschiene 2014/2015 setzte auf den Stand der technischen Vorarbeiten auf. Einmal mehr gerieten andere Aspekte in den Blick. So hieß es bei Öffentlich-rechtlichen wie bei den Privaten „Wann es kommt ist völlig unklar“, wie es ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky im Oktober 2011 formulierte. Das Problem liegt ganz offensichtlich in der fehlenden Einführungsstrategie, die natürlich - wie Jahre zuvor bei DVB-T - von allen Beteiligten getragen werden müsste. Das Fehlen eines gemeinsamen Migrationsszenarios machte André Prahl (RTL-Gruppe) an gleicher Stelle in unterschiedlichen Konzepten zur Sendetechnik aus; eine gemeinsame Vision seit nötig.

Letztendlich löste die für 2015 geplante Versteigerung des 700 MHz-Frequenzbandes (Digitale Dividende 2) gravierende Änderungen der Frequenz-Vorplanungen aus. Denn es wurde klar, dass für einen Regelbetrieb von DVB-T2 nur noch die Kanäle 21 bis 48 zur Verfügung stehen werden; die Kanäle 49 bis 60 müssen an den Mobilfunk abgegeben werden.

Weitere Planungen wurden erst sinnvoll, nachdem der Koalitionsvertrag der Bundesregierung von Ende 2013 Klarheit zur Frequenzsituaton schaffte. Damit waren die Befürchtungen der Privaten bezüglich der Nachhaltigkeit ihres möglichen Engagements für DVB-T2 vom Tisch. Zudem löste deren Wunsch nach einer Grundverschlüsselung regulatorische Massnahmen aus, die erst im November 2014 mit der Ausschreibung des Betriebs einer Sendeplattform für die Privaten in die Gänge kam. Ab 2014 schälte sich heraus, dass der Umstieg auf DVB-T2 Mitte 2016 beginnen wird.

Netzkonfiguration

Der Umfang des gegenwärtigen Programmangebots - in der Regel also vier Programme pro Multiplex - könnte in Verbindung mit einem Umstieg auf HDTV (statt der bisherigen SDTV-Programm) beibehalten werden könnte. Das ist eine erste Erkenntnis aus den bis Ende 2010 durchgeführten Testsendungen und Messungen.

Wichtig ist die Feststellung, dass die Erfahrungen des britischen Regelbetriebs von FreeviewHD sicherlich berücksichtigt werden. Jedoch werden die dort verwendeten Konfigurationen bzw. Parameter-Kombinationen (14 Parametersätze sollen getestet werden) nicht kopiert werden. Die Sendetechnik in England ist für den stationären Empfang mit Dachantennen optimiert. Wie schon DVB-T soll auch DVB-T2 in Deutschland jedoch auf den mobilen Empfang ausgerichtet werden.

Zudem wird über die Kombination unterschiedlich konfigurierter Dienste innerhalb eines Multiplexes zumindest nachgedacht. Da die Sendetechnik dafür erst im Dezember 2010 eingebaut wurde, können Multiple Physical Layer Pipes (M-PLP) gründlich erst 2011 getestet werden. Ein weiterer diskutierter Aspekt ist die Kompression. Statt des bislang international üblichen MPEG-4 kam ab 2013 die neuere und wesentlich effizientere HEVC-Kompression ins Gespräch.

Weitere Testprojekte

Ein weiteres Testprojekt lief Anfang Dezember 2009 im Raum München an. Dort wurden auf dem Kanal 43 mit 1 kW Sendeleistung und einer Reichweite von etwa 5 Kilometern um den Sender Freimann Testsignale verbreitet. Das Institut für Rundfunktechnik untersuchte Mobilität, Robustheit und Datenratenmanagement der Signale für eine flächendeckende Versorgung im Indoor- und Outdoor-Modus und mit verschiedenen Konfigurationen. Interessant ist der Umstand, dass auch der Schmalband-Modus getestet werden sollte, der besonders für Radioprogramme interessant ist. Die Ausstrahlungen begannen mit 256QAM-Modulation, Guard-Intervall 1/128, Coderate 5/6 und FFT 8k.

In Berlin wurde im Juni 2010 ein „Plug-Fest“ als System- und Endgeräte-Test durchgeführt. Kanal 51 wurde wenig später auch während der IFA 2010 für DVB-T2 genutzt.

Übersicht: Frühe DVB-T2 Projekte in Deutschland

Modellversuch DVB-T2 in Norddeutschland (bis 3/2012)


Sendestandorte, Frequenzen, Leistungen
Standort
Start / Abschaltung
Kanal
Frequenz
Leistung
Polarisation
ModulationFehlerschutzGuardint.Datenrate

Lüneburg
1.8.2009 bis 30.5.2016
48
690 MHz
0,037 kW
vertikal
k. A.k. A.k. A.k. A.
MBit/s
Rosengarten
1.8.2009 bis 30.5.2016
0,04 kW
horizontal

Bemerkung:Es handelt sich hier um einen Erprobungskanal im Rahmen eines vom 1.8.2009 zunächst bis zum 31.7.2012 laufenden Modellversuchs. Der Sendebetrieb endete im März 2012. Partner waren u.a. die genannten Programmveranstalter.
Hintergrund: DVB-T2.
DVB-T2 Testkanal Berlin


Sendestandorte, Frequenzen, Leistungen
Standort
Start / Abschaltung
Kanal
Frequenz
Leistung
Polarisation
ModulationFehlerschutzGuardint.Datenrate

Alexanderplatz
6.2010 bis 30.5.2016
51
714 MHz
2,3 kW
k. A.
k. A.k. A.k. A.k. A.
MBit/s

Bemerkung:Es handelt sich um einen Erprobungskanal, der im Juni 2010 für Testausstrahlungen von HDTV- und SDTV-Programmen mit DVB-T2 Technik im Multi-PLP Verfahren genutzt wurde. Veranstalter war das DVB-Projekt.
DVB-T2 Testprojekte vom Sender München-Freimann


Sendestandorte, Frequenzen, Leistungen
Standort
Start / Abschaltung
Kanal
Frequenz
Leistung
Polarisation
ModulationFehlerschutzGuardint.Datenrate

M-Freimann
1.12.2009
43
650 MHz
1 kW
k. A.
256QAM5/61/128k. A.
MBit/s

M-Freimann
2.9.2010 bis 30.5.2016
50
708 MHz
1 kW
vertikal
k. A.k. A.k. A.

Bemerkung:Der Standort München-Freimann, 1954 vom Bayerischen Rundfunk errichtet, wird für Erprobungskanäle verwendet. Betreiber des K43 ist das Institut für Rundfunktechnik. K50 war Anfang 2010 zeitweise mit dem MPEG-4/Conax-Paket Viseo+ belegt. Seit dem 2. September 2010 testet der Bayerische Rundfunk dort zeitweise verschiedene DVB-T2-Konfigurationen. Ab September 2012 werden DasErste (HD,SD) und BR3 (SD) übertragen.
Pilotprojekte vor der Einführung

Als Fortführung der bisherigen Tests betreiben der BR und das IRT seit Juli 2014 ein Gleichwellennetz im Kanal 43 an den Münchner Standorten Ismaning, Freimann, Funkhaus. Später folgten Projekte in Berlin und in Köln/Bonn. Sendetechnik nähert sich dabei wesentlich dem Regelbetroieb an. Neben der Eprobung von Parametersets geht es vor allem um den Einsatz der HEVC-Kompression und der Grundverschlüsselung.
Hintergrund: Drei Pilotprojekte mit HEVC.

Weitere Infos zu DVB-T2 Tests:
NRW-Pilot startet am 18. August 2015 (August 2015).
HEVC-Tests in München (Dezember 2014).
Details zum Berliner Projekt (November 2014).
Projektankündigung Köln/Bonn ab August 2015 (Oktober 2014).
Projektstart in Berlin (Oktober 2014).
HEVC-Test in Berlin (August 2014).
HEVC-Test im München (Juli 2014).
Verlagsinfo zum Abschlußbericht des Modellversuchs Norddeutschland (August 2012).
dehnmedia-Meldung zur fehlenden Startstrategie vom 27.10.2011.
Homepage des DVB-T2 Projekts Nord.
dehnmedia-Meldung zum Test in München vom 12.12.2009.
dehnmedia-Meldung zum Test in Niedersachsen vom 26.10.2009.
dehnmedia-Meldungen vom 15.10.2008 (IRT-Test mit MPEG-4), 18.10.2008 (HDTV mit DVB-T2 in England), 20.10.2008 (HDTV mit DVB-T in Frankreich) und 21.10.2008 (ARD zu DVB-T2).

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