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DMB - Impulse aus Bayern und Korea

In der frühen Phase der Diskussionen um die „richtige“ Technik für das Handy-Fernsehen hatten sich zwei Fraktiionen herausgebildet: Während die norddeutschen Landesmedienanstalten und Berlin/Brandenburg eher DVB-H zuneigen, vergaben vor allem Bayern und Baden-Württemberg ihre Priorität eindeutig an DMB. Das sorgte für spannende Diskussionen, die mit Blick auf die Verpflichtung der Anstalten zur Neutralität in Sachen Technik geführt werden mussten.

Ein Handy-Fernsehangebot kann nur attraktiv sein, wenn es bundesweit vermarktet werden kann. Nachdem das Grundgesetz Deutschlands die Medienhoheit in die Hände der Bundesländer und ihrer Behörden legt, waren die Landesmedienanstalten an einen Tisch gezwungen, um ein nationales Angebot zu ermöglichen. Im gemeinsamen Vorgehen wurde die komplizierte Lizensierungsrozedur (in jedem Bundesland müssen Anträge gestellt werden) koordiniert.

Nachdem sich 2005 zeigte, dass ein nationales Angebot aus frequenzrechtlichen Gründen nur im L-Band - also mittels DMB - realisierbar wäre, bekundeten die Anstalten zunächst ihre Unterstützung für „Interessensbekundungen, zur WM Projekte zu starten, die mittels DMB Bewegtbildangebote auch für den Handyempfang ermöglichen sollen“. Baden-Württemberg startete im Spätherbst 2005 die erste Ausschreibung für eine Betreiberplattform.

Bereits im Februar 2006 - die Ausschreibungen waren noch nicht in allen Bundesländern angelaufen - gab die Gemeinsame Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz der Landesmedienanstalten (GSPWM) der Anstalten eine „Empfehlung“ für einen der bis dahin aufgetretenen Bewerber ab. Es handelte sich um die Firma Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD). In der Folge sprachen sich (bis Anfang Juni 2006 mit Ausnahme der schweigenden ULR für Schleswig-Holstein) alle Anstalten folgsam für die MFD aus. Deren Angebot konnte unter dem Namen „Watcha“ am 31. Mai 2006 von Debitel auf den Markt gebracht werden.

Impulse aus Bayern

Zu den bemerkenswerten Begleitumständen der DMB-Einführung zählt nicht nur jene, die Entscheidung prägende, frühzeitige „Empfehlung“ für einen der Bewerber um die Plattformbetreiberschaft. So war in Bayern in Verbindung mit dem DVB-T-Start in München/Südbayern im Mai 2005 von einem DVB-H-Projekt die Rede. Aus technischen Gründen war dieses Vorhaben offenbar von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Nach einer Denkpause und einigen Verwirrungen legte jedoch der Bayerische Rundfunk mit seinem Projekt Mobiles Taschenfernsehen nach.

Vor allem Samsung suchte Anfang 2005 einen Referenzmarkt in Europa für DMB, das in der koreanischen Heimat noch im gleichen Jahr eingeführt werden sollte. Etwa zeitgleich mit den Planungen für DVB-T stellten sich die Koreaner bei der Landesregierung Bayerns ein und fanden dort offene Ohren. Ein Abkommen wurde im März 2005 geschlossen. Zeitgleich wurde das zweijährige DMB-Pilotprojekt „MiFriends “ („Mobiles Interaktives Fernsehen, Radio, Information, Entertainment und Neue Digitale Services“) bekanntgegeben, dass Anfang Juni 2006 - passgerecht zur Fußball-WM - den Sendebetrieb aufnahm. Netzbetreiber T-Systems hatte schon im Februar 2005 bei Samsung eine nicht genannte Anzahl DMB-Telefone geordert, die DMB-Serienhandy SGH-P900 von Samsung










Samsung lieferte das
DMB-Handy SGH-P900 rechtzeitig zum Start
von „Watcha“ aus.
während der Fussball-WM in München Verwendung finden sollen. Auf der IFA 2005 hatten die Koreaner eine Fülle von DMB-Geräten vom Handy bis zum DVD-Kombi - für terrestrisches wie satellitenbasiertes DMB - gezeigt. Im Zuge einer „gerechten Verteilung der Pfründe“ (könnte man polemisch sagen), erhielt LG Electronics den Zuschlag für die Ausstattung des „MiFriends“-Projektes München.

Mitte 2007 wurden zudem Projekte der Öffentlich-rechtlichen bekannt: So pane der WDR einen Test im 4. Quartal 2007 in Köln, Leipzig soll im 3. oder 4. Quartal Schauplatz eines Projetkes des MDR sein.

DMB - Ein deutscher Alleingang?

In Korea werden seit Mitte 2005 DMB-Dienste vom Satelliten und seit Dezember 2005 auch terrestrisch abgestrahlt. Hier ist übrigens die deutsche Firma Rohde & Schwarz mit Sendetechnik beteiligt, die von vier koreanischen Netzbetreibern geordert wurde. Zum Umfang der Übertragungen berichtet das Unternehmen, dass ein Bouquet aus „bis zu einem TV-Programm, drei Radioprogrammen und ein Datenprogramm“ bestehen kann. Im Mai 2006 hieß es bei Samsung, 1,1 Million Geräte seien bis dahin in Korea verkauft worden.

Angekündigt wurde ebenfalls der Verkauf von 500.000 DMB-Enpfängern nach China. Weitere Vorhaben außerhalb Koreas sind bis Mai 2006 nicht bekannt geworden. Es hat den Anschein, dass DMB trotz der Einführung in Deutschland und des „Supermarkts“ China feststeckt. Jedenfalls ist die Zahl der Länder, in denen Pilotprojekte mit DVB-H laufen, weitaus höher. Und in Finnland, Italien und den USA wird DVB-H im Laufe des Jahres 2006 in den Regelbetrieb gehen.

Andere Einsatzgebiete

Das Haus Bosch war nicht nur massgeblich an der Entwicklung des digitalen Hörfunks DAB beteiligt, sondern auch an dessen Weiterentwicklung DMB. Über Versuchsbetriebe kam dieses System allerdings jahrelang nicht hinaus. Darüber berichtet der für die Entwicklung bei Bosch zuständig gewesene Prof. Dr. Gert Siegle:
„Schon früher wurde Deutschland über längere Zeit DMB ausgestrahlt: 1997 - 2000 sendete N-TV in den damals modernsten Neigetechnik-Zügen auf der Strecke Frankfurt-Saarbrücken. Als die Züge wegen der laufenden Probleme mit der Neigetechnik aus dem Verkehr gezogen wurden, endete auch der Pilotbetrieb. In der Stadtbahn Hannover und in der U-Bahn Berlins läuft DMB völlig problemlos seit dem Jahr 2000. Selbst in den Tunneln werden so die Reisenden mit den den neuesten Nachrichten und Informationen über große Doppelbildschirme versorgt. Selbst im Transrapid hatten wir anläßlich einer Demonstration bei 406 km/h einwandfreien Fernsehempfang - und damit geht dann natürlich auch immer die Übertragung von Daten und Ton.“ DMB-gespeistes Fahrgast-Infosystem in der Berliner U-Bahn. Foto: Berliner Fenster
Einschränkend muss bemerkt werden, dass es sich in Berlin und Hannover nicht um Fernsehen (im Sinne eines permanent gesendeten Programms) sondern um Fahrgast-Informationssysteme handelt: Computerdaten werden kurzzeitig über DMB-Funkstrecken in die Züge übertragen und als Datenschleife von der Festplatte abgespielt. der Vergleich mit dem Fernsehen hinkt schon, weil die Funkstrecke bei diesen Anwendungen auf wenige Meter beschränkt ist. Für die Berliner U-Bahn installierte die Bosch-Tochter Inova Multimedia dafür 188 Transmitter für das „Berliner Fenster“, der Empfang ist in 1100 Wagen möglich.




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