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Mobile Zukunft: DVB-SH und DVB-NGH

Das mobile Fernsehen hängt - nicht nur in Deutschland - durch. DVB-H erreichte nur mit staatlichen Förderungen, wie in Italien, eine Akzeptanz. DMB scheiterte in Europa. Zwei DVB-Spezifikationen wollen mit neuen technischen Qualitäten die Lücke schließen und neue Angebote - nicht nur Fernsehen und Radio - den Weg bereiten.

DVB-SH - Satellite services to Handhelds

DVB-SH LogoDas Konzept des Konsortiums Solaris Mobile, gegründet 2008 von den Satelitenbetreibern Astra und Eutelsat, kombiniert die Möglichkeiten von Satellit und Terrestrik zu einem hybriden Verbreitungskonzept. Es kombiniert die Möglichkeiten von Satellit und Terrestrik zu einem hybriden Verbreitungskonzept (Grafik rechts anclicken zum Vergrößern).
DVB-SH Netzkonzept. Grafik: Solaris Mobile
Solaris geht davon aus, dass bis zu 10 Fernseh- und 50 bis 100 Radioprogramme über die Plattform verbreitet werden können. Dafür stehen für die 27 Mitgliedsländer der EU zwei Frequenzblocks von je 15 Megahertz Bandbreite im S-Band zwischen 2,0 und 2,2 Gigahertz auf dem 2009 gestarteten Satelliten W2A (10 Grad Ost) zur Verfügung. Dessen europaweite Ausleuchtzone soll mit der terrestrischen DVB-H Technik - DVB-SH Footprints. Grafik: Solaris Mobile das heißt letztlich Fernsehen mit einer für die kleinen Bildschirme von Handys, PDAs usw. optimierten Bildauflösung - kombiniert werden.

Die Signale werden vom W2A-Satelliten an die terrestrischen Stationen verteilt, die ebenfalls im S-Band und im Gleichwellenbetrieb mit dem Satelliten arbeiten können. Um die Verbreitung nationaler Programme zu begrenzen, gibt es mehrere Footprints (Grafik anclicken zum Vergrößern).

Die Systementwicklung stammt von Alcatel-Lucent. Als Anwendungsbereiche werden nicht nur der mobile Rundfunk gesehen, sondern auch andere Mobilitäts- und Sicherheitsdienste. Dafür wurde ein „Mobile Pocket Gateway“ entwickelt. Es dient im Auto als Decoder und Schaltstelle, von wo aus Satelliten-Daten per WiFi über einen integrierten Mini-Webserver ans eigentliche Endgerät weitergeleitet werden. Damit sei, so Solaris, im Grunde jedes Mobilgerät mit WiFi und Internetintegration ohne weitere Änderungen für DVB-SH geeignet.

IP-basierte Mediendaten können in zwei Varianten zuum Endgerät gebracht werden: DVB-SH A nutzt COFDM für Sat und Terrerestrik und hat die Möglichkeit, beide Plattformen als Gleichwellennetz zu betreiben. SH B kombiniert das Verfahren Time Division Multiplex (TDM) für den Satellitenanteil mit COFDM für die Terrestrik.

Erste Demonstrationen des Systems gab es beim Mobile World Congress 2008, Sagem lieferte damals Prototypen von Empfangsgeräten. Ein erstes terrestrisches Testnetz errichtete der Projektpartner TowerCast in Paris. Der Versorgungsbereich wurde im April 2010 auf Rennes und Nancy erweitert.

Auch in Deutschland gibt es ein Testprojekt. Das Nürnberger Fraunhofer-Institut betreibt mit den Partnern Uni Erlangen und dem Verband öffentlich-rechtlicher Regionalfernsehsender Europas Circom seit Oktober 2009 ein solches Netz.
DVB-SH Testreceiver für Autos von Quantum. Foto: Solaris Mobile






KfZ-Testreceiver für DVB-SH von Quantum.

Das DVB-Projekt hatte Anfang 2007 eine Spezifikation für das System vorgestellt und an ETSI zur Standardisierung weitergereicht.

DVB-NGH - Next Generation Handheld

Das DVB-Projekt arbeitet derzeit auch an der Weiterentwicklung von DVB-H, bezeichnet als DVB-NGH. Kommerzielle Anforderungen wurden bereits formuliert. Dort werden über das übliche Mobilgerät (Auto, Handy, Notebooks usw.) hinaus unter anderem Kopfhörer mit Radioempfang, MP3- und Videoplayer vorgeschlagen. Die Systembeschreibung lässt eine Verknüpfung mit einer Sat-Übertragung offen. Die Abwärtskompatibilität zur DVB-H Systemtechnik ist erwünscht.

Sie enthält zudem eine Kampfansage an die Telekommunikationsbranche: DVB-NGH soll effizienter als ein Broadcast mit UMTS/LTE sein und bei ähnlicher Abdeckung kostengünstiger sein. Dieser Anspruch wurde formuliert, als klar war, dass die EU Frequenzen unter anderem im oberen UHF-Bereich als „Digitale Dividende“ vom Rundfunk an die Telekoms für mobile Online-Dienste auf LTE-Basis übergeben will. Während sich das DVB-Projekt den Call for Technologies vom Februar 2010 auswertet, lief in Deutschland Mitte April 2010 die europaweit erste Frequenzauktion für die LTE-Dienste an.

Ziel ist es, die Kapazitäten eines DVB-H Multiplexes um etwa 50 Prozent ebenso wie die Übertragungssicherheit zu erhöhen. Die parallele Übertragung in einem Kanal, gemeinsam mit DVB-T2, soll möglich sein.

Mit der Standardisierung durch ETSI wird 2011, mit dem Vermarktungsbeginn ab 2013 gerechnet.

Weitere Informationen:
DVB-SH Factsheet in Frankreich vom 22.4.2010.
dehnmedia-Meldung zur Erweiterung des Testgebiets des DVB Projektbüros vom September 2010.
Homepage Solaris Mobile.
BR-Meldung zum DVB-SH Test in Nürnberg vom 6.10.2009.
Presseinfo des DVB-Projekts zur DVB-SH Spezifikation vom 14.2.2007.
Kommerzielle Anforderungen des DVB-Projekts für DVB-NGH vom Juni 2009.




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