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DAB+ in Österreich: Der Weg zum Regelbetrieb

DABplus-Logo Schriftzug Österreich Das Digitalisierungskonzept 2015 der Medienbehörde KommAustria sah bereits zum Beginn des Wiener DAB-Testprojektes vor, „abhängig von den Ergebnissen ... spätestens im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen für digitalen terrestrischen Hörfunk im Übertragungsstandard DAB+ aus(zu)schreiben“. Der Weg in den Regelbetrieb wurde Anfang 2017 beschritten.

KommAustria hatte Bedingungen genannt: „Der bestehende Bedarf an digitalen Übertragungskapazitäten in dem beantragten Versorgungsgebiet (muss) nachgewiesen“ werden. Erwartet werden außerdem die Realisierbarkeit der technischen Konzepte und die Finanzierbarkeit eines Plattform-Betriebes. Damit schreibt KommAustria den Trend des vorherigen Berichts von 2013 fort.

Zugleich hatte sich die Medienbehörde auf ein Plattform-Konzept festgelegt. Zunächst werden fünf von sieben vorhandenen Multiplexen technisch vorgeplant, darunter einer für einen nationalen Multiplex, die anderen für landesweite oder regionale Verbreitung. Sämtliche Aktivitäten zu DAB+ sind jedoch ausdrücklich nicht mit einer Festlegung zur UKW-Abschaltung verbunden.

Auf dem Weg in den Regelbetrieb

Grundlage der weiteren Entwicklung war eine „Interessenbekundung“ im Februar und März 2016. Ein Teil der 41 Reaktionen wurde veröffentlicht. KommAustria leitete den Regelbetrieb im Januar 2017 mit der Veröffentlichung von „Auswahlgrundsätzen“ und zweier Ausschreibungen für Plattformlizenzen ein. Für den nationalen Multiplex („Mux I“) gibt es zwei Sendenetz-Konzepte mit unterschiedlicher Regionalisierung. Der lokale bzw. regionale „Mux II“ hat umfangreichere Möglichkeiten für eine Regionalisierung. Ein zweiter nationaler Mux („Mux III“) könnte ausgeschrieben werden, wenn ausreichend Bedarf besteht.

Die klickbaren Karten von KommAustria zeigen die beiden Netzkonzepte für den nationalen Mux I (links und Mitte) und die regionale Struktur des Mux II.

Dem Plattform-Konzept entsprechend verantwortet der Betreiber neben der Sendetechnik auch das Programmangebot. Im März 2017 startete der Netzbetreiber ORS eine Interessensabfrage unter den Radioveranstaltern, um bis zum 12. Juni 2ß17 ein Paket vorzulegen. ORS Comm zielt deutlich auf die Etablierung zweier nationaler Senderketten mit unterschiedlicher Ausbaustrategie (und entsprechend unterschiedlicher Entwicklung der Sendekosten). KommAustria rechnet im 4. Quartal 2017 mit der Vergabe der Sendeplattform.

Wenig später führte der Lobbyverband Digitalradio Österreich eine Veranstaltung mit ORS comm und drei weiteren potenziellen Bewerbern durch. UKW-Anlagen in Deutschland betreiben die Divicon Media Holding und Uplink Network. Der Hochschulsender Radio Technikum will für einen lokalen Mux in Wien bieten.

Den interessierten Radioveranstaltern wird eine Förderung der Sendekosten von zunächst 2 Mio. Euro aus dem Digitalisierungsfonds für den Zeitraum 2017 bis 2020 angekündigt. Davon sollen 1,5 Mio. Euro den Beteiligten am nationalen Multipliex zugute kommen. Bis zu 50 Prozent der Sendekosten werden übernommen; ausgezahlt wird bis 2020 in degressiven Tranchen. RTR kalkuliert die Sendekosten eines Multiplexes mit 15 Programmen und einer Versorgung von 80 Prozent der Bevölkerung bei etwa 100.000 Euro je Programm und Jahr. Für etwaig erforderliche regionale Muxe hält RTR weitere 0,5 Mio. Euro in Reserve. Ein zweites Förderpaket von 2 Mio. Euro steht für die Programme zur Verfügung, die aus späteren Ausschreibungen hervorgehen.

Im April 2017 wurde zudem beschlossen, das Wiener DAB+ Pilotprojekt um ein drittes Jahr zu verlängern und anschließend in den Regelbetrieb übergehen zu lassen.

Radioperspektiven im Digitalisierungskonzept 2017

Das von der Medienbehörde KommAustria Ende April 2017 verabschiedete Digitalisierungskonzept 2017 nimmt umfangreich Stellung zur Entwicklung des digitalen Hörfunks mit DAB+. Neben den bekannten Muxe I, II und III (s.o.) wird die Struktur für vier weitere und gleich konzipierte DAB+-Multiplexe mit jeweils zehn technischen Sendegebieten bekannt gegeben. Ein weiterer Ausbau des Angebots (und vorausgehende künftige Ausschreibungen) können begonnen werden, wenn der Bedarf nachgewiesen wird, ein technisch
Die Karte (klickbar) zeigt die Verteilung der Frequenzen für vier zusätzlich vorhandene DAB+-Multiplexe. Quelle: KommAustria.
realisierbares Konzept vorliegt und die Finanzierung nachgewiesen ist.

Hindernisse

Bevor Weiteres geschehen konnte, meldete sich im Juni 2017 der Digitalradio-Verein mit einem Warnzeichen zu Wort: Aufgrund einer horrenden Forderung über Urheberabgaben drohe eine Verzögerung des DAB+-Starts von einem Jahr. Die Verwertungsgesellschaft AKM hatte für elf Radiostationen zwei Mio. Euro schon in der Startphase verlagt, die bis zum Endausbau auf vier bis fünf Mio. Euro steigen sollen. AKM gehe vom Bestand an UKW-Radios aus. Die gebe es in jedem Haushalt, während DAB+-Geräte noch wenig verbreitet sind, hielt Vereins-Geschäftsführer Matthias Gerwinat dagegen. Die Forderung sei absurd, zumal man sich mit einer anderen Verwertungsgesellschaft über jährlich 66.000 Euro hatte einigen können.

Things to come ...

Weitere Infos:
Stellungnahmen zur DAB+-Interessenerhebung.
Homepage Digitalradio Österreich.
dehnmedia-Hintergrund: DAB+-Testprojekt in Wien.
dehnmedia-Meldung: Zwei Bewerber für DAB+-Multiplexe vom 13.6.2017.
dehnmedia-Meldung: KommAustria mit Droht ein Jahr Verzögerung für den DAB+-Start? vom 9.6.2017.
dehnmedia-Meldung: KommAustria mit Digitalisierungskonzept 2017 vom 28.4.2017.
dehnmedia-Meldung: Konkurrenz für Netzbetreiber ORS? vom 1.4.2017.
dehnmedia-Meldung: RTR versüßt DAB+-Einstieg mit 4 Mio. Euro vom 22.3.2017.
dehnmedia-Meldung: ORS sucht Programme für DAB+-Muxe vom 9.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Zwei DAB+-Muxe ausgeschrieben vom 31.1.2017.
dehnmedia-Meldung: RTR startet Verfahren für DAB+-Regelbetrieb vom 20.1.2017.



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Diese Seite wurde zuletzt am 13.06.2017 geändert.
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