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DAB+ - Für Autofahrer mehr als nur Radiohören

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Ein Großteil des Radiohörens findet im Auto statt, denn nicht nur wegen der Verkehrsdurchsagen ist das Radio während der Fahrt fast ständig eingeschaltet.

Abgesehen von der besseren Empfangsqualität und neuen Diensten überzeugt DAB+ durch seine Übertragungstechnik. Das erste nationale Radioangebot wird bundesweit einheitlich im Gleichwellenbetrieb (SFN) im Kanal 5C gesendet. Das Nachregulieren des Tuners entfällt während der Fahrt von der dänischen bis zur österreichischen Grenze.

Offen ist, ob dieses Frequenzkonzept beim 2016 angeschobenen zweiten nationalen Multiplex aufgegriffen werden kann. Diese Programme könnten auf drei Frequenzen (Nord, Mitte, Süd) verteilt werden. Setzt sich ein auf Ballungsräume orientiertes Konzept durch, wird dies andere frequenzmässige Vorzeichen haben. Die Senderketten landesweiter Multiplexe nutzen ebenfalls das SFN-Prinzip, wo immer das technisch machbar ist und die Frequenz mit den Nachbarländern koordiniert werden kann.

Ende 2016: 22 Prozent Autoausstattung

Mitte 2016 - etwa fünf Jahre nach dem DAB+-Neustart - waren in Deutschland schon etwa 3 Mio. DAB+-Autoradios im Einsatz. Innerhalb der 12 vorangegangenen Monate hatte sich der Abverkauf dieser Geräte mit 1,9 Mio. Stück mehr als verdoppelt. Diese fünf Prozent der 61,5 Mio. zugelassenen Kfz (Ende 2015) sind mehr als nur ein Anfang, auch wenn unklar bleibt, inwieweit es sich um Nachrüstungen oder Neuwagen handelt.

Dazu bringt der DAT-Report 2017 Aufschluß: 21 Prozent der Neuwagen und 10 Prozent der gehandelten Gebrauchten hatten 2016 ein DAB+-Autoradio. Damit verfügen 22 Prozent der Autohalter über ein Digitalradio.

Die Autohersteller beanspruchen etwa fünf Jahre von der Idee bis zur Auslieferung ihrer Modelle. Diese Geräte - vom einfachen Radio bis zum Hightech-Gerät - bieten die Autohersteller dann entweder als Serien- oder Sonderausstattung ab Werk an. Sie werden entsprechend den Vorgaben der Autohersteller von Fachbetrieben produziert.

Informationen über die Angebote von 46 Autoherstellern als Serie oder Ausstattungs-Option von über 1.000 Fahrzeugmodellen (Stand: Oktober 2016) finden sich auf der Website digitalradio.de.
Hintergrund: DAB+ im Auto bei digitalradio.de / Datenbank: Autoradios etc. (Nachrüstung).

Die Schweiz und England sind weiter als Deutschland. Die schweizerische Entscheidung, UKW bis 2024 zugunsten von DAB+ abzuschalten, sorgt für einen Umstiegsdruck. Anfang 2016 waren schon 65 Prozent der verkauften Neuwagen mit einem DAB+-Radio ausgestattet. In England wurden sogar 80 Prozent der dort 2015 verkauften Neuwagen mit einem DAB-Classic Autoradio ausgeliefert.

Hybride Gerätekonzepte und Mobilitätsdienste

Wie fast alle DAB+-Geräte sind auch die Autoradios grundsätzlich „hybrid“ - d.h. sie empfangen mittels DAB+ und UKW. Manche haben auch (nicht mehr notwendige) Tuner für Mittel-, Kurz- und Langwelle.

Adapter und Blackboxen - als Ergänzung für UKW-Autoradio - können auf einen eingebauten UKW-Empfang verzichten. Die Verbindung mit der vorhandenen Audioanlage erfolgt am Besten per Kabel. FM-Transmitter erscheinen wegen der knappen Frequenzen eher problematisch. Zudem gehen die digitale Hörqualität und die begleitenden Datendienste verloren.

DAB+ bietet auch auf der Autobahn gegenüber UKW zusätzliche Empfangssicherheit. Gleichwohl nutzen etliche Hersteller eine automatische Umschaltung - wenn der Empfang eines auf beiden Plattformen vertretenen Programms sich verschlechtert, wird in den besseren Modus gewechselt.

Eine weitere Gerätegruppe kombiniert Navigation und digitalen Rundfunk. Die Königsklasse der DAB+-Autoempfänger berücksichtigt aktuelle Verkehrsinformationen bei den Routen-Empfehlungen der Navigation. Gegenüber dem analogen Traffic Message Channel (TMC) des Radio Data Systems (RDS) bietet die digitale Verkehrinfo-Generation mittels des Verfahrens der Transport Protocol Expert Group (TEPG) nicht nur schnellere, umfangreichere und präzisere Informationen über das Verkehrsgeschehen: TPEG kann auch Fahrpkäne des Nahverkehrs und Infos zu Parkmöglichkeiten übermitteln. Nicht zuletzt kann DAB+ als Plattform für den Transport von Notfall-Meldungen mittels der
Konzeptradio für DAB+, UKW
und TPEG-Navigation.
Foto: Visteon.
Emergency Warning Function dienen. Die zuständigen Institutionen haben hier die Option, (geeignete) Radios aus der Ferne einzuschalten, um möglichst viele Hörer zu erreichen. Das wurde bereits in bayern erprobt - ebenso wie ein Audiokanal für Notfalldurchsagen.

Perspektivisch sollte die Kombination mit einer Datenübertragung per Mobilfunk (LTE) nicht ausgeschlossen werden; als Schnittstelle wäre eine Variante des vom Fernsehen her bekannten HbbTV denkbar.
Hintergrund: Mobilitätsdienste, HbbTV im Auto?
Datenbank: Autoradios etc. (Nachrüstung).

Weitere Informationen
Datenbank DAB+ im Auto (digitalradio.de).
Presseinfo von digitalradio.de (15.10.2016).
dehnmedia-Meldung: Attraktivität steigt (16.9.2016).
dehnmedia-Meldung: DAB-Radios in vier von fünf britischen Neuwagen (20.1.2016).
dehnmedia-Meldung zu DAB+ ab Autowerk in Deutschland.
dehnmedia-Meldung zu DAB+ ab Autowerk in Italien.
dehnmedia-Meldung zu DAB+ beim Jetta Hybrid.
dehnmedia-Meldung und Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk vom Juni 2012.
Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk vom Mai 2011.



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