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DAB+: Verkehrsfunk - schnell, umfassend, genau (1/3)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Seit Beginn der Ausstrahlung von Verkehrsinformationen im Radio wachsen die Anforderungen an die Mobilität. 2017 kam es in Deutschland nach Angaben des ADAC zu 723.000 Staus mit einer Gesamtlänge 1,5 Mio. Kilometern. Der Zeitraum vom Ereignis bis zur Meldung im Radio wurde verkürzt, aber die analogen Möglichkeiten sind ausgereizt.

Wer kennt das nicht: Man ist mit dem Auto unterwegs und allen Verkehrsmeldungen zum Trotz landet man am Ende eines Staus. Oder: Man bekommt eine Staumeldung für einen Strassenabschnitt, den man gerade staufrei durchquert. Solche Mängel sollen mit digitaler Technik und in Verbindung mit DAB+ bald Vergangenheit sein.

TPEG steht für Transport Protocol Experts Group - die dritte Generation des Verkehrsfunks. Diese Expertengruppe wurde von der EBU eingesetzt. Der Standard bringt Informationen über das Verkehrsgeschehen schneller, umfassender und präziser zum Nutzer als das mit dem aktuellen (analogen) Traffic Message Channel (TMC) als Teil des Radio Data Systems (RDS) oder der klassischen gesprochenen Info zwischen den von 1974 bis 2017 genutzten Pieptönen („Hinz-Triller“) möglich ist: TMC kann maximal 300 Meldungen
Wer erinnert sich? Solche Schilder zeigten an, welcher Radiosender vor Ort Verkehrsmeldungen bringt.
transportieren. Bei TPEG sind es, abhängig von der Bandbreite der Datenübertragung, bis zu 6.000.

Nicht zuletzt: Alle Daten eines TPEG-Dienstes laufen als eigenständiger Datenstrom im jeweiligen DAB+-Multiplex. Navis nutzen das und sind unabhängig von eingeschalteten Radioprogrammen. Navigationsradios nutzen Radiosender und Datenempfang parallel.

ARD-Anstalten setzen auf regionale Kompetenz

Die ARD sendet schon seit dem 1. Juni 2005 TPEG-Daten in ihren DAB-Multiplexen. Aber erst seit September 2017 befindet sich das System im Regelbetrieb. Federführende Anstalt ist der WDR. Nach deren Angaben will Garmin noch 2018 ein Produkt einführen, das die ARD-Daten empfängt und nutzt. Auch Autohersteller seien interessiert: Die ab Werk in PKWs implementierten Mobilitätsdienste nutzen bisher zumeist den Mobilfunk zur Datenübertragung ins Auto. Weil das wohl nicht immer zufriedenstellend funktioniert wird der permanent verfügbare und lastunabhängige Übertragungsweg DAB+ zur Ergänzung oder gar Alternative für den Mobilfunk.

Die Basisinformationen der Verkehrsdienste kommen üblicherweise von der Polizei, der Feuerwehr, anderen Behörden, den Automobilclubs usw. In digitalen Zeiten, und abhängig vom Anbieter, kommt Weiteres dazu. Bei allen ARD-Anstalten werten Verkehrsredaktionen die hereinkommenden Informationen für ihr Sendegebiet aus. Die ARD setzt dabei ausdrücklich nicht auf voll automatisierte Abläufe:
Die Stärke des ARD-Verkehrsservice ist ja - nicht nur bei den Datendiensten - die hohe regionale Kompetenz der Verkehrsredaktionen. Die dort tätigen Redakteure kennen das Straßennetz in ihrem Verbreitungsgebiet genau und können Ereignisse unabhängig von mathematischen Algorithmen einschätzen. Dies machen wir uns auch für den TPEG-Dienst zunutze.
Folgerichtig verzichtet die ARD auf die Übertragung gesamtnationaler Daten in den landesweiten Multiplexen der Anstalten. Das würde die Performance des Dienstes stark beeinträchtigen, heißt es dazu beim WDR. Nationale Dienste - basierend auf der Übertragung im Bundesmux (Kanal 5C) bieten derzeit jedoch Mediamobile und Here über ihre Gerätepartner wie Tomtom und Garmin an.

Die fertigen Meldungen liegen auf einem zentralen TPEG-Austauschserver mit Standort beim SWR zum Abruf bereit. Das ARD-Konzept für den TPEG-Dienst erfasst auch Nachbarregionen des Sendegebiets der ausstrahlenden ARD-Anstalt bis zu etwa 25 km Entfernung - einschließlich Baustellen und Sperrungen. Für eine 100 km-Zone werden nur Stauinfos übernommen. Bundesweit Sperrungen. Bundesweit beschränkt sich der ARD-TPEG auf Infos
Arbeitsplatz der Verkehrsredaktion.
Foto (klickbar): WDR.
zu „nachhaltigen“ Störungen im übergeordneten Straßennetz. Darunter sind lang andauernde Sperrungen, außergewöhnliche Staus zu verstehen. Der TPEG-Dienst der ARD hat ungeachtet der landesweiten Multiplexe der ARD-Anstalten eine bundesweit einheitliche Kennung in der DAB+-Datenstruktur. Daher stehen die Inhalte auch beim Wechsel in ein anderes Versorgungsgebiet bruchlos zur Verfügung.

Im Sommer 2018 verwenden die ARD-Anstalten unterschiedliche Bandbreiten für die TPEG-Daten in ihren DAB+-Multiplexen. Das sind in der Regel 16 kbit/s. Beim SR und dem RBB sind es nur 8 kbit/s, beim WDR und BR 24 kbit/s und beim HR sogar 32 kbit/s. Aus Sicht der TPEG-Projektleitung reichen 16 kbit/s aus. Man beobachte das Verhältnis von Bandbreiten und Datenmenge und die Auswirkungen der senderseitigen Konfiguration auf die Performance des Dienstes beim Nutzer.

Seit 2017 hat die ARD einige Änderungen ihres TPEG-Konzeptes vorgenommen. U.a. wurden die Verkehrsflussdaten (Flow Data, FCD) von der TEC-Anwendung (Traffic Event Compact) in das TFP-Format (Traffic Flow and Prediction) überführt. Denn die meisten Autohersteller kombinieren FCD-Infos mit TFP, um Änderungen im Verkehrsgeschehen schneller in die Routenberechnung einfließen zu lassen. Die ARD bezieht die FEC-Infos wesentlich vom ADAC.

Den Verkehrskanal VERA des WDR wird es weiter geben. Dort gibt es permanent Durchsagen zur Verkehrssituation. Seit 1997 werden die redaktionell vorbereiteten Meldungen durch ein Sprachsynthese-System geschickt, welches die Texte in eine computergenerierte Stimme umsetzt. Auf einem solchen System basiert auch der DAB+-Kanal BR Verkehr des Bayerischen Rundfunks. Vera steht hier für Verkehr in Real Audio oder schlicht: Verkehrsradio.

TPEG ist auch für den Notfall gut

Bei den Notfalldienste setzt die ARD vornehmlich auf die TPEG-Funktion „Emergency and Alert Warning“ (EAW). Das sei „ein leistungsfähiges Instrument für Informationen in außerordentlichen Gefahrenlagen“. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) arbeite daran EAW beim Standardisierungsverband TISA zur Produktreife zu entwickeln. Die Redaktionssysteme der ARD-Verkehrsredaktionen sind für eine Implementierung der neuen Funktion geeignet, heißt es weiter bei der ARD.

Díeses Engagement der ARD sollte nicht als Gegenpol zur „Emergency Warning Funtcion“ von DAB+ gesehen werden. Mittels EAW werden die Nutzer geeigneter Navis erreicht - nicht nur im Auto. EWF erreicht die Bevölkerung über die Autoradios hinaus. In der Praxis sollte sich beides also ergänzen.

Links zum Thema:
Homepage TISA - Traveller Information Services Association (Standardisierungsverband).
wecantpeg - TPEG-Infos der Bayerische Medientechnik (BMT).
Radiobeitrag des WDR vom 1.9.2018.
Wie Staus entstehen Filmbericht des SWR vom 13.9.2018.
leitseite des ARD TPEG-Verkehrsservice.
Homepage WDR-Verkehrsredaktion.
ARD geht mit TPEG in den Regelbetrieb (9/2017).
TPEG startet im Bundesmux (8/2012).
ARD-Kurzinfo zum TPEG-Start.

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Diese Seite wurde zuletzt am 28.09.2018 geändert.
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