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DAB+ in Österreich: Nationaler Mux ab 28.5.19 (2/3)

DABplus-Logo Schriftzug Österreich Nach dem Wiener Test lag es nahe, DAB+ über die Hauptstadt hinaus national zu etablieren. Die Ausschreibungen wurden für diesen und den regionalen Wiener Regelbetrieb gleichzeitig begonnen. Während die Entscheidung für Wien im Dezember 2017 erfolgte, konnte der Beschluß zum nationalen Multiplex erst im August gefaßt werden.

Als erste Hürde erwies sich die Koordination der Frequenzen mit den Nachbarländern. Laut KommAustria hatten einige Staaten Ende 2017 ihre eigenen Planungen noch nicht abgeschlossen. Andere Nachbarn sind mit der Einführung von DAB+ schon wesentlich weiter fortgeschritten als Österreich, was die Verfügbarkeit von Frequenzen einschränkt. Die Frequenz-Koordination mit den Nachbarländern erwies sich also als schwierig und die Verhandlungen nahmen unerwartet lange Zeit in Anspruch.

So ganz abgeschlossen war dieser Prozeß zum Zeitpunkt der Zulassung und Zuweisung der Ressourcen aber wohl noch nicht. Der Bescheid misst allen Sendestandorten einen Versuchscharakter zu. „Mit dem positiven Abschluss des Koordinierungsverfahrens entfallen die Auflagen“ der Testzulassung (siehe Ziffern 5.4 des Bescheides).

Absurd hohe Forderungen ...

Ein weiterer unerwarteter Aspekt bremste ebenfalls den nationalen DAB+-Mux: Die Verwertungsgesellschaft AKM (Autoren, Komponisten und Musikverleger registrierte Genossenschaft mbH), ein Verwerter von Musik-Urheberrechten, hatte Mitte 2017 „insgesamt rund zwei Millionen Euro jährlich“ für die Musikrechte der elf zugelassenen Programme gefordert. Und das schon während des Netzaufbaus in den Jahren 2019/2020. Für die Ausstrahlungen im voll ausgebauten Sendenetz - also ab dem Herbst 2020 - werden nach Angaben des Vereins Digitalradio Österreich sogar „rund fünf Millionen Euro“ aufgerufen. Das sei absurd. Schon weil die anfänglich eher geringe Reichweite von DAB+ mit der hohen Reichweite von UKW nicht vergleichbar ist. Nicht zuletzt: Mit einer anderen Verwertungsgesellschaft konnte man sich auf nur 66.000 Euro jährlich einigen.

Ohne Kompromiß mit AKM wäre ein österreichweiter DAB+-Multiplex mit Privatradios aufgrund dieser überhöhten Forderungen gescheitert. Der ursprünglich für den 2. April 2019 in Aussicht gestellte Betriebsbeginn musste auf den 28. Mai 2019 verschoben werden.

So bekam man Zeit für Verhandlungen, denn es bestand offenbar ein genereller Bedarf für die Neuregelung der Urheber-Abgaben der Privatradios in Österreich. Ein Schiedsverfahren endete im November 2018 mit einer Neuregelung, die den Einstieg bei DAB+ ermöglicht. Bisher wurden die Abgaben der Privatradios für die UKW-Verbreitung an den Brutto-Werbeerlösen bemessen. Da diese offiziellen Tarife aufgrund marktüblicher erheblicher Rabattierungen reine Theorie sind, erfolgt nun die Bewertung nach den tatsächlichen Erlösen. Für DAB+ gibt es eine Sonderregelung: Bis zum Erreichen eines Versorgungsgrades von 80 Prozent sind reduzierte Abgaben an die AKM vorgesehen. Es bleibe allerdings dabei, dass AKM dann acht Prozent der Werbeeinnahmen der Radiosender abkassiert, während die anderen österreichischen Rechteverwerter sich mit 2,5 (Austromechana) bzw. vier Prozent (LSG) bescheiden.

Bis zu 16 Programme sind möglich

Mit dem für alle Programme vorgegebenen Protection Level EEP-3A ergibt sich eine Datenrate von 1.152 Mbit/s im Kanal. Als Kompromiss zwischen Kosten und Qualität wurde für 54 CU (bzw. 72 kbit/s Bandbreite) je Programm entschieden. Alle Programme kündigen Dynamic Label Services an, so dass programmbegleitende Kurztexte (Nachrichtenticker, Sendungstitel, Songinfos etc.) ausgestrahlt werden können. Radio Technikum bekommt für zusätzliche Slide Shows insgesamt 60 CU.

Bei insgesamt 864 CU je Kanal sind also prinzipiell rund 16 Programme möglich. Für den ORF sind 3x54 bzw. 162 CU zu reservieren. Der öffentlich-rechtliche Sender hält einen UKW/DAB+-Simulcast für nicht finanzierbar. Jedoch war ein Jugendformat („Ö3X“) angedacht, das die neuen Dienste von DB+ intensiv einsetzen sollte. Neue Radioprogramme sind dem ORF jedoch durch das ORF-Gesetz untersagt. Damit wird der ORF weiterhin zielgerichtet aus der digitalen Terrestrik herausgehalten.

Kronehit, das einzige per UKW national operierende Privatradio Österreichs, macht für sein Desinteresse an DAB+ strategische Gründe geltend.

Elf Programme wollten dabei sein

ORScomm wurde im August 2018 als Betreiber einer Sendeplattform mit zunächst elf Programmen zugelassen. Die meisten Programme sind zumindestens den Hörern in Wien aus dem dortigen DAB+-Angebot oder dem vorangegangenen Pilotprojekt bekannt. Sie wollen in die nationale Verbreitung „aufsteigen“. Für die Hörer in der Hauptstadt Wien bedeutet das so gesehen keine Veränderung. Dort wären dann allerdings freie Plätze in entsprechender Zahl neu zu besetzen. Aus dem Wien-Mux wurden Energy, das Verkehrsradio ARBÖ, Rockantenne, Radio 88,6, Radio Technikum, LoungeFM und die christlichen Radios ERFplus und Radio Maria für den nationalen Mux lizenziert. Die deutsch-österreichische Arabella-Gruppe avisiert eine neue Welle namens Arabella Plus. Auch Radio Max der Rewe-Gruppe will national senden. Nach dem Wiener Piloten kommt Klassik Radio Austria nun auf nationaler Ebene zurück auf DAB+. Der Plattformanbieter ORScomm soll einen Program Guide (EPG) und ein Verkehrsdatenangebot nach dem TPEG-Standard beisteuern.

KommAustria hob hervor, dass immerhin sechs der elf künftigen digitalen Programme in Österreich überhaupt nicht und weitere vier in maximal drei Ballungsräumen über UKW zu hören sind. Einzig Radio Maria ist in sieben UKW-Gebieten präsent. Anders formuliert: Alle beteiligten Programme werden ihre bisherigen Reichweite mittels DAB+ erheblich erweitern.

Weitere Ausschreibung und Infos zu den Sendekosten

Die noch freien Senderessourcen sind zu füllen. Zudem sei bis zum Start mit einigen Rückziehern der ursprünglich lizenzierten Programme zu rechnen, verlautete intern. Tatsächlich waren LoungeFM und das ARBÖ Verkehrsradio im Januar 2019 bereits aus dem Projekt ausgestiegen. Der Plattformbetreiber ORScomm schrieb daher Kapazitäten von zusammen 312 CUs nachträglich aus, um weitere Programmanbieter zum Sendestart zu berücksichtigen.

Weitere Infos:
Nationaler Mux startet „voraussichtlich Ende Mai“ 2019 vom 10.1.2019.
Arabella Plus ab Q3/2019 vom 8.1.2019.
EU-Rat beschließt Hybridtuner-Pflicht für Kfz vom 4.12.2018.
Nationaler DAB+-Mux kann am 2.4.2019 starten vom 3.8.2018.
Nationaler DAB+-Mux sendet nicht vor 2019 vom 10.4.2018.
Zwei Bewerber für DAB+-Multiplexe vom 13.6.2017.

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