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DAB+ in Österreich (1/4): Nationaler Mux ab 4/2019

DABplus-Logo Schriftzug Österreich Der sogenannte Mux-I - der erste nationale DAB+-Mux Österreichs - kann ab dem 2. April 2019 mit 11 Programmen starten - fast genau ein Jahr, nachdem der Wiener Pilotmux in den Regelbetrieb überführt wurde. ORScomm bekam eine Plattform-Lizenz mit zehn Jahren Laufzeit.

Während man schon Mitte Dezember 2017 die Entscheidung für den zeitgleich ausgeschriebenen Wiener Multiplex veröffentlichte, wurde der Beschluß über den nationalen Multiplex zunächst auf das Frühjahr 2018 vertagt. Die Medienbehörde KommAustria hatte sich letztlich vom Ende der Ausschreibung im Juni 2017 bis zur Vergabe der Zulassung Anfang August 2018 gut ein Jahr Zeit lassen müssen.

Schwierige internationale Frequenzkoordination

Als eine Hürde erwies sich die Koordination der Frequenzen mit den Nachbarländern. Laut KommAustria hatten einige Staaten ihre eigenen Planungen noch nicht abgeschlossen. Andere Nachbarn sind mit der Einführung von DAB+ schon wesentlich weiter fortgeschritten als Österreich, was die Verfügbarkeit von Frequenzen einschränkt. Die Frequenz-Koordination mit den Nachbarländern erwies sich also als schwierig und die Verhandlungen nahmen unerwartet lange Zeit in Anspruch.

So ganz abgeschlossen sind die Koordinationen aber auch nach der Zulassung und den Zuweisungen von Ressourcen wohl doch nicht. Der Bescheid misst allen Sendestandorten einen Versuchscharakter zu. „Mit dem positiven Abschluss des Koordinierungsverfahrens entfallen die Auflagen“ der Testzulassung (siehe Ziffern 5.4 des Bescheides).

Elf Programme erweitern ihre Versorgungsbereiche

ORScomm wurde als Betreiber einer Sendeplattform mit elf Programmen zugelassen. Die meisten Programme sind zumindestens den Hörern in Wien aus dem dortigen DAB+-Angebot oder dem vorangegangenen Pilotprojekt bekannt. Das sind Energy, das Verkehrsradio ARBÖ, Rockantenne, Radio 88,6, Radio Technikum, LoungeFM und die christlichen Radios ERFplus und Radio Maria. Die deutsch-österreichische Arabella-Gruppe avisiert eine neue Welle namens Arabella Plus. Als Radio Maxima firmiert ein neues Programm mit Wurzeln im POS-Radio und der weiblichen Zielgruppe. Nach der Teilnahme am Wiener Piloten ist Klassik Radio Austria wieder dabei. Der Plattformanbieter ORScomm soll einen Program Guide (EPG) und ein Verkehrsdatenangebot nach dem TPEG-Standard beisteuern.

Aus Sicht der Medienbehörde ist DAB+ „der Ausweg aus der UKW-Frequenzknappheit in Österreich und ermöglicht deutlich mehr Programm- und Meinungsvielfalt im Radio“. KommAustria unterstreicht diesen Standpunkt ihres Vorsitzende Michael Ogris durch die Info, dass immerhin sechs der künftigen digitalen Programme in Österreich überhaupt nicht und weitere vier in maximal drei Ballungsräumen über UKW zu hören sind. Einzig Radio Maria ist in sieben UKW-Gebieten präsent. Anders formuliert können alle beteiligten Programme ihre bisherige Reichweite mittels DAB+ erheblich erweitern.

Programme, Sendestandorte und -leistungen, Technik, Netzausbau

Die Zulassung gibt der ORScomm einen straffen Zeit- und Versorgungsplan vor. Der Netzausbau umfasst insgesamt 14 Sendeanlagen, die in vier Phasen in Betrieb gehen sollen. Folgende Informationen wurden zum Sendenetz veröffentlicht:

Nationaler Multiplex ab 2. April 2019
Sendestandorte, Frequenzen, Leistungen
Standort
Start
BundeslandBlock
Frequenz
Leistung

Wien 1-Kahlenberg
2.4.2019
W5D
180,064 MHz
20 kW
Wien 8-Liesing
2.4.2019
W5D
180,064 MHz
10 kW
Wien 9 -DC Tower
2.4.2019
W5D
180,064 MHz
6,3 kW
Graz 1-Schöckl
24.9.2019
ST8A
195,936 MHz
20 kW
Linz 1-Lichtenberg
24.9.2019
6D
187,072 MHz
10 kW
Sonnwendstein
24.9.2019
5D
180,064 MHz
10 kW
St.Pölten (Jauerling)
24.9.2019
5D
180,064 MHz
10 kW
Bregenz 1-Pfänder
Frühjahr 2020
V5B
176,640 MHz
10 kW
Innsbruck 1-Patscherkofl
Frühjahr 2020
T5B
176,640 MHz
10 kW
Salzburg 1-Gaisberg
Frühjahr 2020
S5B
176,640 MHz
10 kW
Bruck (Mur) 1-Mugel
Herbst 2020
ST8A
195,936 MHz
20 kW
Klagenfurt 1-Dobratsch
Herbst 2020
K6A
181,936 MHz
10 kW
Rechnitz
Herbst 2020
B8A
195,936 MHz
10 kW
Wolfsberg 1-Koralpe
Herbst 2020
K6A
181,936 MHz
2,5 kW

Bemerkung: 11 Programme können ab dem 2. April 2019 senden. Netzausbau auf 14 Standorte, die 83 Prozent der Bevölkerung mobil versorgen, bis zum Herbst 2020.
Netzbetreiber: ORScomm.

Letzte Änderung:03.08.2018.

Die von der KommAustria veröffentlichten Karten der Empfangsregionen veranschaulichen den Ausbau der Versorgungsgebiete und den Versorgungsgrad, der für jede der vier Ausbauphasen vorgegeben ist.

Phase 1 Phase 2 Phase 3 Phase 4

2.4.2019 24.9.2019 Frühjahr 2020 Herbst 2020
Wien, 3 Standorte Graz, Linz, Semmering Bregenz, Innsbruck, Salzburg, St.Pölten Klagenfurt, Wolfsberg, Bruck, Rechnitz
mobil 31%
portabel indoor 26%
mobil 59%
portabel indoor 44%
mobil 76%
portabel indoor 56%
mobil 83%
portabel indoor 63%

Anmerkungen: KommAustria geht bei den Prozent-Angaben zur Versorgung von 6,99 Mio. Einwohnern Österreichs aus.
ORScomm will bei entsprechender Nachfrage die Versorgung innerhalb von fünf Jahren auf 90 Prozent ausbauen.
Stand: 8/2018. Termine ohne Gewähr. Quelle: KommAustria. Karten klicken zum vergrößern.

Mit dem für alle Programme vorgegebenen Protection Level EEP-3A ergibt sich eine Datenrate von 1.152 Mbit/s im Kanal. Als Kompromiss zwischen Kosten und Qualität wurde für 54 CU je Programm entschieden. Alle Programme kündigen auf Dynamic Label Services an, so dass programmbegleitende Kurztexte (Nachrichtenticker, Sendungstitel, Songinfos etc.) ausgestrahlt werden können. Radio Technikum bekommt für zusätzliche Slide Shows insgesamt 60 CU.

Bei insgesamt 864 CU je Kanal sind also prinzipiell rund 16 Programme möglich. Neben den 11 vergebenen und der vorzuhaltenden 3x54 bzw. 162 CU für etwaige ORF-Programme bleibt also noch eine kleine Reserve-Kapazität für ein bis zwei Programme.

Wie bei der Zulassung für Wien jat auch im nationalen Mux der weiterhin abstinente ORF eine Sonderrolle. ORScomm muss bis 162 CU für nationale Programme der öffentlich-rechtlichen Anstalt vorhalten. Nicht zuletzt sei auch für einen Simulcast kein Geld vorhanden. Der ORF wollte für DAB+ ein spezielles Jugendformat („Ö3X“) schaffen, das die neuen Dienste intensiv nutzt. Neue Radioprogramme sind dem ORF jedoch durch das ORF-Gesetz untersagt. Damit wird der ORF weiterhin zielgerichtet aus der digitalen Terrestrik herausgehalten.

Kronehit, der einzige per UKW national operierende Radioanbieter Österreichs, macht für sein desinteresse an DAB+ strategische Gründe geltend.

Absurd hohe Forderungen

Neben der Frequenz-Koordination ist eine weitere Ursache für mögliche erhebliche Behinderungen von DAB+ auf nationaler Ebene im Sommer 2018 noch ungeklärt. Die AKM (Autoren, Komponisten und Musikverleger registrierte Genossenschaft mbH), ein Verwerter von Musik-Urheberrechten, hatte Mitte 2017 „insgesamt rund zwei Millionen Euro jährlich“ an Urheberrechts-Abgaben für die elf Programme gefordert. Und das schon während des Netzaufbaus in den Jahren 2019/2020. Für die Ausstrahlungen im voll ausgebauten Sendenetz - also ab dem Herbst 2020 - werden nach Angaben des Vereins Digitalradio Österreich sogar „rund fünf Millionen Euro“ aufgerufen. Das sei absurd. Schon weil die anfänglich eher geringe Reichweite von DAB+ mit der hohen Reichweite von UKW nicht vergleichbar ist. Nicht zuletzt: Mit einer anderen Verwertungsgesellschaft konnte man sich auf nur 66.000 Euro jährlich einigen.

Das letzte Wort in der Sache sprechen die Gerichte. Ein Urteil wird für den Herbst 2018 erwartet.

Perspektiven

KommAustria betrachtet die Perspektiven von DAB+ auch von der Hörerseite. Laut der Behörde wurden 2016 in der Alpenrepublik 500.000 Radiogeräte gehandelt. Davon waren immerhin 6 Prozent (also: 30.000) DAB+-tauglich - obwohl DAB+-Radios damals nur in Wien für das dortige Pilotprojekt oder in den Grenzregionen für Sender aus den Nachbarländern genutzt werden konnten.

„Es ist davon auszugehen, dass der Anteil an DAB+fähigen Endgeräten bis 2023 auf rund 36 Prozent oder mehr als 900.000 DAB+-Empfängern steigen wird“, lässt sich KommAustria auf eine recht optimistische Prognose zum Gerätebestand ein. Neben dem Netzausbau sollen dazu auch das Marketing der Radioveranstalter und der ohnehin steigende Anteil von Radios mit DAB+-Tunern im Markt beitragen. Noch stärker könnte sich der Abverkauf entwickeln, wenn ein zweiter Multiplex in Betrieb geht und wenn DAB+-Tuner in Radios z.B. durch eine EU-Vorgabe verpflichtend werden.

Weitere Infos:
Homepage DAB+ national.
dehnmedia-Meldung: Nationaler DAB+-Mux kann am 2.4.2019 starten vom 3.8.2018.
dehnmedia-Meldung: Nationaler DAB+-Mux sendet nicht vor 2019 vom 10.4.2018.
dehnmedia-Meldung: Zwei Bewerber für DAB+-Multiplexe vom 13.6.2017.

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