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DAB+: Zweiter Bundesmux in den Startlöchern (2/2)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Deutschland Schon kurz nach dem Start des bundesweiten DAB+-Paketes am 1. August 2011 wurde ein zweiter nationaler Multiplex ins Gespräch gebracht. Der Regelbetrieb könnte zur Funkausstellung 2012 beginnen, verlautete damals - ebenso voreilig wie optimistisch. Im Mai 2013 wurde die Idee auf einen Ballungsraum-Multiplex reduziert. Ein Jahr später fand sich ein erster Kandidat für den Betrieb einer Sendeplattform.

Anfang 2013 oder früher sah Gerd Bauer, Hörfunkbeauftragter der Medienanstalten, im Mai 2012 die Möglichkeiten für den Start des zweiten bundesweiten DAB+-Pakets. Die Regulierer sehen vorab offenbar ausreichendes Interesse bei den Privaten. Weiter öffentlich-rechtliche Programme kommen nicht in Frage, weil allein die drei Wellen von D-Radio national senden dürfen und schon im 1. Bundesmux vertreten sind.

Erste Planungen und Ideen

Die Medienanstalten hatten im März 2012 grundsätzliche Unterstützung eines zweiten nationalen Multiplexe signalisiert. Sie präferieren dafür offenbar ein Plattformkonzept mit einen Plattformbetreiber als Vermittler zwischen Anbietern, Netzbetreiber und Regulierung. Der 2. Bundesmux kann allerdings nicht, wie der erste, bundesweit einheitlich im Gleichwellenbetrieb auf einem Kanal verbreitet werden. Mitte 2012 war klar, dass im Norden mit dem Block 8A, im mittleren Bereich mit Block 9B und im Süden mit Block 7B geplant werden kann.

Nicht jedes Programm kommt in Frage

Ein nationale Verbreitung wäre, schätzte Bauer ein, nur für Spartenprogramme attraktiv. Das dürften eher neue Radioangebote sein, die auf nationale Inhalte und Werbeschaltungen setzen. Daher erwarten die Medienanstalten Interesse auch von Anbietern, „die nicht im klassischen bisherigen Verständnis Radioangebote senden wollen, sondern eher an den Marktgegebenheiten orientierte Informationsprogramme“. Joachim Becker, ab 2014 Direktor der Medienanstalt LPR, beschreibt das so: „Bundesweit brauchen wir in erster Linie weitere attraktive Premium-Inhalte – etwa aus dem Bereich Sport, Kultur, aber auch aus dem Segment Info und Talk.“ Neue Formate und Geschäftsmodelle bedürften „zeitnah eines zweiten bundesweiten Multiplexes“, dazu müssten sich die Medienanstalten positionieren. Landesweit oder gar lokal orientierte Programme kommen aus Kostengründen nicht für einen zweiten Bundesmux in Frage. Das hindert wohl auch Veranstalter, die schon über UKW senden, am Einstieg bei DAB+. Denn eine längerfristige Doppelversorgung (ohne Aussicht auf Frequenzschema Bundesmux 2, BLM 7.2012
Ein beispielhaftes prinzipielles Netzkonzept für den Bundesmux 2. (Klicken zum Vergrößern). Grafik: BLM.
eine UKW-Abschaltung) ist für sie nicht finanzierbar. Diese Privaten finden ihre Hörer auf der Ebene der Bundesländer. Zu erinnern ist auch daran, dass monatelang um die Verbreitungskosten und die Ausbaustrategie für den 1. „Bundesmux“ gestritten wurde.

Bis zum Start eines zweiten „Bundesmux“ ist ein aufwändiges Procedere zu absolvieren. Die Senderkette müsste von den Bundesländern bei der BNetzA beantragt, dort entsprechend der internationalen Koordinierungsvorgaben konzipiert, freigegeben, der Netzbetrieb ausgeschrieben, lizenziert und die Senderkette aufgebaut werden. Erst dann kann die ZAK die Programmplätze ausschreiben und lizenzieren. Um ein solches Projekt sinnvoll anzugehen, dürfte dem eine Abfrage zum Interesse der privaten Programmanbieter voraus gehen.

Mai 2013: Ballungsräume statt nationale Verbreitung?

Dass ein zweiter nationaler Digitalradio-Multiplexes kein einfaches Unterfangen ist, wurde im Mai 2013 deutlich. das Projekt schien zu den Akten gelegt. Laut einer Meldung werde nun - allerdings von anderen Initiatoren - ein (mit Sicherheit kostengünstigerer) auf die Ballungsräume Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, Rhein/Ruhr, Rhein-Main, Rhein-Neckar, Stuttgart, Leipzig/Halle, Dresden, Nürnberg und München beschränkter Multiplex genannt. Die Meldung lässt offen, ob es sich um ein einheitliches Angebot für alle Gebiete handeln könnte, um regionale Angebote oder eine Mischform. Das Netzkonzept würde einen dreigeteilten Programm-Mix unterstützen.

Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der für bundesweite Plattformen zuständigen ZAK-Kommission der Medienanstalten, sah das im März 2014 als Perspektive für die für die Attraktivität von DAB+ notwenigen neuen und innovativen Programme. Zudem sei dieses Konzept für die Programmanbieter wesentlich kostengünstiger als die bundesweite Verbreitung und dennoch würden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung erreicht. Unklar blieb aber, wann ein solches Konzept an den Sendestart gehen könnte.

Update April 2014: Neuer Plattform-Betreiber bringt sich für 2015 ins Gespräch

PRD-Logo Den Zulassungsprozess um einen zweiten nationalen Multiplex will die Ende 2013 gegründete Firma Privates Radio Deutschland (PRD) bis zum Sendestart am 1. Oktober 2015 vorantreiben. Das Unternehmen bietet sich an, um etliche Radioveranstalter unter einem Plattformdach zusammen zu fassen und gemeinsam zu vermarkten. Dies passt zu der kurz zuvor vom Lobbyverband DRD geäußerten Forderung nach der Lizenzierung von Sendeplattformen statt einzelner Programme.

Die inhaltlichen Perspektiven und Alternativen sah Geschäftsführer Axel Rudolph in frei empfangbaren und zielgruppenorientierten Programmen. „Anstatt es einer möglichst großen Gruppe von Hörern recht zu machen, wollen wir einzelne Gruppen von Hörern mit dem bedienen, was ihren besonderen Interessen entspricht. Bei uns zählt nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern wir wollen den Naturliebhaber mit anderen interessen-spezifischen Themen ansprechen als den Auto- und Motorsportliebhaber, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch Themen wie Gesundheit und Wellness oder Spielen und Technik verdienen einen eigenen Kanal. Wir arbeiten an einer Segmentierung unserer künftigen Programme, die für fast jeden etwas bieten. Der Zuhörer wird dann gezielt auf seine ganz persönlichen Interessengebiete zugreifen können, ohne dabei auf das Radioerlebnis verzichten zu müssen“, erläutert Rudolph seine Vorstellung. Noch mehr Formatradios machten wenig Sinn.

Bei DAB+ mangele es zur Zeit noch auf der Empfängerseite. Daher müsse am Anfang die Gerätevermarktung im Mittelpunkt stehen.Dazu sei man mit Herstellern und Handel im Gespräch. „Wird das Ziel verfehlt, dann dürfte dies insgesamt das ‚Aus’ für das digitale Radio sein.“ PRD käme auch entgegen, dass ARD und D-Radio auf DAB+ setzen und damit gemeinsame Interessen (auch bezüglich des Gerätemarktes) bestehen.

Um den Wunsch-Starttermin zu erreichen hat PRD per Brief vom April 2014 an die Zulassungskommission ZAK der Medienanstalten die Einleitung eines Lizenzierungs-Verfahrens angeregt. Rudolph rechnet allerdings mit mehreren Berwerbern. „Wir hoffen an dieser Stelle auf ein faires Verfahren, welches das beste Konzept entsprechend honoriert.“

Im Gegensatz zu zahlreichen privaten Radioanbeitern sieht Rudolph das Internet nicht als Alternative für den Radioempfang an. Wer über Mobilfunk Radio höre, stelle fest, „dass das mit dem durchgehenden ungestörten Empfang eine Mär ist“ und das Radio „in die Knie“ geht, wenn nach Verbrauch der Flatrate die Übertragungsgeschwindigkeit gesenkt wird. Außerdem verweist Rudolph auf die Hörgewohnheiten der Radiouser: Sie hören „über das Internet solche Programme, die sie auch über UKW oder DAB+ empfangen könnten“. Mit DAB+ „wissen wir genau, welche Grenzen wir durchbrechen müssen, um erfolgreich zu sein. Als Internetradio fehlt mir dazu die Phantasie. Ich kenne auch keinen Anbieter, der als Radioveranstalter im Internet wirtschaftliche Erfolge feiert.“

Zur Finanzierung des Projektes wollte Rudolph einen zweistelligen Millionenbetrag einwerben. Das scheint nicht geklappt zu haben - der Sendestart im Oktober 2015 hat bekanntermassen nicht statt gefunden und von PRD hat man seit dem Winter 2015 nichts mehr gehört.

Zwischenbilanz Ende 2015: Privatradios nur gefördert

Die großen Privatradios, zusammen geschlossen im VPRT, nehmen DAB+ inzwischen durchaus als eine von mehreren Perspektiven der digitalen Verbreitung zur Kenntnis. Sie weigern sich aber vehement, eine bisher noch nicht bestimmte Übergangszeit mit parallelem Betrieb von UKW und DAB+ selbst zu finanzieren. Für die Simulcastphase verlangen sie öffentliche Förderungen. Naturgemäss kann man die Kosten eines Simulcast erst bestimmen, wenn man weiß, wann es losgeht und wie lange es dauern soll. Der Mitwirkung an solchen strategischen Vereinbarungen verweigern sich namentlich der VPRT und dessen Mitgliedsradios allerdings vehement.

Links zum Thema:
dehnmedia-Meldung: Noch keine Finanzierung für 2. Bundesmux vom 3.1.2015.
dehnmedia-Meldung: Energy-Chef fordert 2. Bundesmux vom 28.11.2014.
dehnmedia-Meldung zur Diskussion mit den Medienanstalten über Digitalradio-Plattform vom 24.7.2014.
dehnmedia-Meldung zu PRD will 2. Bundesmux vom 29.4.2014.
dehnmedia-Meldung zu DRD will Plattformlizenzierung vom 9.4.2014.
dehnmedia-Meldung zu Ballungsraum-Mux vom 10.3.2014.
dehnmedia-Meldung zu Hoffnungen und Planungen für Hessen vom 29.11.2013.
dehnmedia-Meldung zu Ballungsraum-Mux statt Bundesmux 2? vom 8.5.2013.
dehnmedia-Meldung zur Liberalisierung vom 8.5.2013.
dehnmedia-Meldung zu Frequenzen für den 2. Bundesmux vom 18.7.2012.
dehnmedia-Meldung zum Bauer-Interview vom 22.5.2012.
dehnmedia-Meldung zum 2.nationalen Mux vom 15.11.2011.
dehnmedia-Meldung zum 2.nationalen Mux vom 10.11.2011.

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