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DVB-T2: Grundsätzliche Entscheidungen

Die Einführung von DVB-T2, die 7,4 Mio. deutsche Fernsehhaushalte betrifft, bekommt ab dem 31. Mai 2015 Konturen: Die Spiele der Fußball-EM (ab 10. Juni 2016) können auch die Antennenzuschauer in 18 Ballungsräumen in HDTV verfolgen.

Mit den HDTV-Ausstrahlungen nun auch via Antenne werden in dreifacher Hinsicht neue Wege beschritten:
Ein Ziel der Einführung von DVB-T2 HD ist es, HDTV-Programme auch über die Antenne zu verbreiten. Mindestens das ZDF und die Pro7Sat1-Gruppe werden ihre Programme in bester „FullHD“-Qualität (1080p/50) ausstrahlen.
Weltweit erstmals wird der sehr effektive HEVC-Codec für die terrestrische TV-Verbreitung genutzt.
Das dritte Novum ist bedauerlich: Zumindest die TV-Konzerne ProSiebenSat1 und RTL werden ihre HDTV-Programme spätestens ab dem Frühjahr 2017 auch terrestrisch grundverschlüsseln.

Nur per Antenne: Allerbeste HDTV-Qualität im Format 1080p/50

Die Kombination der Verbreitungstechnik DVB-T2 mit dem HEVC-Codec erweitert das Programmangebot der in der Regel zur Verfügung stehenden sechs Multiplexe von etwa 24 bei DVB-T auf mehr als 40 HDTV-Kanäle in DVB-T2 HD. Das dürfte zur Attraktivität der Antenne und ihrer Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Satelliten und dem Kabel beitragen.

„FullHD“ - d.h. eine Bildauflösung von 1.920 mal 1.080 Pixeln und in 50 Vollbildern pro Sekunde (technisch: 1080p/50 - „p“ für progressiv) - liefert die derzeit beste sendbare HDTV-Bildqualität ins Haus. Das könnte sich als werbewirksam für die Antenne erweisen. Denn bisher gehen die Programmveranstalter bei ihren HDTV-Ausstrahlungen über Satellit und im Kabel andere technische und obendrein unterschiedliche Wege.

ARD und ZDF strahlen via Sat und Kabel bereits 50 HDTV-Vollbilder pro Sekunde aus, jedoch mit einer reduzierten Bildauflösung von 1.280 mal 720 Pixeln (kurz: 720p/50). Die Privaten verwenden zwar 1.920 mal 1.080 Pixel, die jedoch im Halbbildmodus mit 25 Bildern je Sekunde (1080i/25 - „i“ für interlaced) ausgestrahlt werden. „Progressive“ Bilder sind besonders bei schnellen Bewegungen im Bild (also z.B. beim Sport oder Actionfilmen) nachweislich von Vorteil. Der Halbbildmodus stammt noch der Fernseh-Pionierzeit; ZDF-Produktionsdirektor Bereczky nennt es „die Datenreduktion des analogen Zeitalters“.

Halbbildaufbau. Grafik: EBU Vollbildaufbau. Grafik: EBU
Aufbau eines Fernsehbildes: Links interlaced (Halbbilder), rechts progressiv (Vollbilder). Grafiken: EBU.
Hintergrund: 1080p/50, progressiver und interlaced Bildaufbau.

Bereczky kündigte schon frühzeitig an, dass alle Programme im ZDF-Multiplex in 1080p/50 gesendet werden. Bei Tests des Instituts für Rundfunktechnik hatte sich gezeigt, dass der Mehrbedarf an Sendebandbreite für die bessere Bildqualität - in Verbindung mit dem HEVC-Codec - gegenüber 720p/50 vergleichsweise gering ausfällt.

Auch ProSiebensat1 verweist zur Entscheidung, die sechs Programme der Sendegruppe in 1080p/50 aufzusetzen, auf Testergebnisse. RTL Deutschland hatte zuvor 1080p/50 zumindest für einige Programme in Betracht gezogen. Nach der ProSiebenSat1-Entscheidung scheint sich abzuzeichnen, dass RTL und die ARD dahiner nicht zurückbleiben können.
Hintergrund: Kompression mit HEVC.

1080p/50 als beste verfügbare HDTV-Variante war schon länger in der Diskussion. Dieses Alleinstellungsmerkmal könnte durchaus als attraktives Argument für die Antenne wirken. Zwar ist nicht damit zu rechnen, dass alle Programminhalte in 1080p/50 verfügbar sind. Jedoch bringt das Hochrechnen von 720p/50 (ARD/ZDF) bzw. 1080i/25 (Private) mittels der senderseitigen Profitechnik allemal bessere Ergebnisse, als die unterschiedlichen Verfahren der TV-Hersteller.
Hintergrund: HDTV in 1080p/50.

Jetzt auch per Antenne: Private HDTV-Programme werden grundverschlüsselt ...

Für RTL Deutschland hatte Anke Schäferkordt schon im Jahr 2006 und mit Blick auf den Mehrwert von HDTV nicht eingesehen, „einen von drei Verbreitungswegen unverschlüsselt zu lassen“. Umgesetzt wird diese Forderung nun durch eine Partnerschaft mit Media Broadcast. Der Sendedienstleister war einziger Bewerber um eine Vermarktungsplattform für private HD-Programme, die im März 2015 von den Landesmedienanstalten zugelassen wurde.

Den Privaten stehen dafür drei Multiplexe zur Verfügung, was - abhängig von der sendetechnischen Konfiguration - für mehr als 20 HDTV-Programme reichen könnte. Neben ProSiebenSat1 und der RTL-Gruppe hatte Discovery Channel (mit Eurosport und TLC in einigen DVB-T Regionen auf Sendung) Interesse geäußert.

Media Broadcast darf prinzipiell alle Programme mit bundesweiter Sendeberechtigung in das Paket aufnehmen. Es soll nach ersten Ankündigungen von Media Broadcast monatlich um 5 Euro kosten - das liegt gleichauf mit dem Abo der 20 Kanäle von HD+ via Satellit. Grundverschlüsselt wird mit Technik von Irdeto. Für die Empfangsseite wird es im Handel Module von Neotion geben, teilte Media Broadcast mit.

... aber das Versorgungsgebiet wird erheblich erweitert

Die Mehrkosten für das Plus an Bildqualität, das die HDTV-Programme gegenüber der Standard-Auflösung bei DVB-T bringen, muss man wohl in Kauf nehmen, wenn man auf die privaten Programme nicht verzichten will. Wie es scheint, ist der Einzugsbereich der bisherigen DVB-T „Kerngebiete“ für eine wirtschaftlich arbeitende kommerzielle Plattform zu klein. Daher werden die Privaten die Versorgung über die bisherigen DVB-T Ballungsräume hinaus auf „Mittelzentren“ erweitern. Das könnte laut Media Broadcast zusätzlich 15 Mio. Einwohner betreffen, der Versorgungsgrad der Privatplattform würde dann etwa 80 Prozent der Bevölkerung erreichen (Grafik von Media Broadcast klickbar).

In den Beantragungen an die Bundesnetzagentur für die Sendefrequenzen sind folgende zusätzlichen Regionen enthalten:
Baden-WürttembergBaden-Baden, Reutlingen, Pforzheim, Heilbronn, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Ulm. Möglichkeit zur Regionalisierung nach Regierungsbezirken.
BayernAugsburg, Regensburg, Würzburg.
BrandenburgCottbus.
HessenKassel, Darmstadt.
Mecklenburg-Vorp.Schwerin, Rostock.
NiedersachsenGöttingen, Osnabrück.
Nordrhein-WestfalenAachen, Bielefeld, Münster. Die Staatskanzlei nennt zusätzlich Gütersloh, Hagen, Iserlohn, Paderborn und Wuppertal.
Rheinland-PfalzLudwigshafen, Kaiserslautern, Koblenz, Trier. Für Rheinpfalz, Westpfalz, Rheinhessen, Trier und Koblenz werden Regionalisierungen gewünscht.
SaarlandSaarlouis, Neunkirchen.
SachsenLeipzig*, Dresden, Chemnitz.
Sachsen-AnhaltHalle*, Magdeburg.
Schleswig-HolsteinSchleswig.
ThüringenJena, Erfurt, Weimar, Gera.
* Hier sowie in Stuttgart wurde das grundverschlüsselte RTL-Paket Viseo+ mit DVB-T/MPEG-4 bis Ende 2014 kostenpflichtig angeboten.

Die HDTV-Programme der drei Multiplexe der ARD, der Landesrundfunkanstalten und des ZDF werden aber weiterhin - ebenso wie mögliche regionale private Programme - frei empfangbar sein.

Frequenzverlust und Zeitdruck

Für die Digitalisierung der Antenne hatte man sich von August 2002 bis zur Abschaltung der letzten Grundnetzsender im November 2008 noch gut sechs Jahre Zeit nehmen können. Beim neuerlichen Technologiewechsel haben sich die Voraussetzungen geändert. Hintergrund ist die Breitbandstrategie der Bundesregierung und der politische Wille, dass die drei großen Telekom-Konzerne bereits ab 2018 die Frequenzen der „Digitalen Dividende 2“ - nämlich die bisherigen Fernsehkanäle 49 bis 60 - für ihre Zwecke verwenden sollen. Die Versteigerung erfolgte im Juni 2015.

So entsteht ein hoher Zeitdruck, der sich auf die Organisation der Umstiegsplanung auswirkt. ARD und ZDF kamen dennoch den Wünschen der Politik und der Telekoms entgegen. Sie verkürzten ihre ursprüngliche, ohnehin kurze, Umstiegsplanung. Die Abschaltung der letzten DVB-T Sendeanlagen wurde von Ende 2020 auf den 30. Juni 2019 vorgezogen. Damit werden vor allem die Möglichkeiten eines Parallelbetriebs der alten und neuen Technik eingeschränkt.
Einzelheiten zur Migrationsplanung.

Projektbüro begleitet den Umstieg

Ein Mitte 2015 von der ARD, den Medienanstalten, den Mediengruppen RTL und ProSiebenSat.1, dem VPRT und dem ZDF gegründetes Projektbüro „DVB-T2 HD“ soll den Umstieg flankieren. Es ist bei der Bayerischen Medientechnik (BMT) angesiedelt, einer Tochter der Medienanstalt BLM. Die geplanten Kommunikationsaktivitäten sind auf die Verbraucher ausgerichtet, sollen aber auch helfen, die Beratungskompetenz im Handel zu entwickeln.

Der Netz- und Plattformbetreiber Media Broadcast begann eine eigene Werbekampagne unter dem Motto „There´s something in the air“ im September 2015 anlässlich der Funkausstellung.

Im 4. Quartal 2015 begann Media Broadcast zudem mit der Ausrüstung von Sendeanlagen für die neue Technik. Vielfach sind dafür neue Antennen zu montieren.

Infos zur Einführung von DVB-T2:
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast avisiert zweites Gerätelogo vom 24.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Alles im grünen Logo-Bereich beim Gerätekauf? vom 23.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Antenne in HDTV ab dem 31. Mai 2016 vom 22.3.2016.
dehnmedia-Meldung: ZDF-Gremium segnet Beteiligung offiziell ab vom 22.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Auch Pro7Sat1 in höchster Auflösung vom 22.1.2016.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast zur Infokampagne vom 6.7.2015.
dehnmedia-Meldung: Anpfiff zur Fußball-EM vom 10.6.2015.
dehnmedia-Meldung: Projektbüro und Logo vom 8.6.2015.
dehnmedia-Meldung: Diskussion über 2k und besseres Bild statt 4k? vom 12.4.2015.
dehnmedia-Meldung: Plattform-Zuschlag an Media Broadcast vom 17.3.2015.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast einziger Bewerber für Sendeplattform vom 30.1.2015.
dehnmedia-Meldung: Kurzer Simulcast in einigen Bundesländern vom 23.12.2014.
dehnmedia-Meldung: LMK bestätigt erweiterte Versorgungsgebiete für Rheinland-Pfalz vom 10.12.2014.
dehnmedia-Meldung: Versorgungsbedarfe angemeldet vom 1.12.2014.
dehnmedia-Meldung: ZAK schreibt Programmplattform aus vom 18.11.2014.
dehnmedia-Meldung: Details zum Berliner Projekt vom 14.11.2014.
dehnmedia-Meldung: Antenne für Discovery „unabdingbar“ vom 11.11.2014.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast startet Berliner Piloten vom 6.10.2014.
DVB-T2 startete im April 2013 mit der Vermarktungsplattform SimpliTV in Österreich.
Informationen über den Einführungsstand von DVB-T2 in 43 Ländern.



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Diese Seite wurde zuletzt am 15.03.2017 geändert.
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